Die 80er Jahre: Die besten Horrorfilme des Jahrzehnts II

Nachdem bei der letzten Horror-Retrospektive primär brav gruseliges bis episches Horrorkino dran war, drehen die nun auftauchenden Horrorfilme deutlich an den Daumenschrauben. Gleich zwei Index-Kandidaten, die damals der BPjM zum Opfer fielen, stehen heute auf dem Programm: Die Mörderischen Träume in A Nightmare on Elm Street und die wandelnden Toten in Day of the Dead waren offensichtlich zu viel für die prüden Sittenwächter von einst. Unblutiger und Traditioneller geht es dagegen in dem Gothic-Horror-Schinken Die Braut zu, während Fright Night sich munter vergnügt in der 80er Trash- und Mainstream-Ecke ausbreitet. Und Body- sowie Monsterhorror war in den 80ern natürlich auch noch ein großes Thema, in diesem Rückblick vertreten durch die so verschiedenen – und doch gleichermaßen polarisierenden – Regisseure David Cronenberg und Chuck Russell, die mit Die Fliege und The Blob auf unterschiedliche Art das Monströse zum Widerspiegel des menschlichen Scheiterns werden lassen.

Zombie 2 – Day of the Dead [George A. Romero]

(USA, 1985)

Ich habe nie verstanden, warum der dritte Teil von Romeros Night of the Living Dead Reihe grundsätzlich als der Schlechteste angesehen und mitunter sogar bei der Aufzählung herausragender Zombie-Streifen unterschlagen wird. Weitaus stärker – dafür aber auch weniger subtil – als in den beiden Vorgängern nutzt Romero das apokalyptische Szenario, um gesellschaftliche Missstände zu thematisieren. Je menschenähnlicher die Zombies werden (Bub FTW!), umso unmenschlicher werden die vermeintlichen Helden. Und so sind die Belagerten, die sich gegen die untote Armee zur Wehr setzen, impulsive und machtgierige Protofaschisten, brutale Söldner und exzentrische Wissenschaftler. Der Kampf gegen die Zombiehorden wird sukzessive zum Kampf gegen den Nächsten, gegen die Hölle der Anderen, und die einzige Hoffnung die bleibt, ist die auf Überleben… irgendwo, irgendwie. Zombie 2 – Day of the Dead ist ein düsterer, pessimistischer Abgesang auf die Menschheit und ein grandioser Zombie-Streifen, der zwar in einigen Punkten im Vergleich zu Night of the Living Dead (1968) und Dawn of the Dead (1978) abfällt, in anderen Punkten aber wiederum diese locker aussticht. Auch heute noch ein Muss für jeden Zombie-Cineasten.

Die Fliege [David Cronenberg]

(USA, 1986)

Mit dem Remake eines 50er Jahre Trash-Klassikers gelang David Cronenberg im Jahr 1986 der Sprung in den Big-Budget-Bereich. Bestand sein Metier zuvor noch primär in brutalen, surrealen und absurden Bodyhorror-Flicks, so gelang es ihm bei dieser dunklen, depressiven Mutationsgeschichte die alten Trademarks mit klassischer Dramaturgie und Narration zu kombinieren. Das Ergebnis ist ein ebenso unterhaltsamer wie verstörender, fesselnder wie widerborstiger Metamorphosen-Film, in dem die Wandlung des Wissenschaftlers zum monströsen Insekt zu einem dunklen Trip in menschliche Abgründe wird: Eklig, schockierend, verdammt spannend und in seiner dunklen Filmsprache so zeitlos, dass er auch heute noch genau so hervorragend wie damals funktioniert.

A Nighmtmare on Elm Street [Wes Craven]

(USA, 1984)

Da Freddy Krueger so ziemlich jedem hier ein Begriff sein sollte, halte ich mich nicht länger mit der Wiedergabe der klassischen Nightmare-Narration auf: Entstellter, verfluchter Slasher jagt Kids in ihren Alpträumen, thats all! Stattdessen kurz was zu Freddy selbst… und zwar zu dem Freddy in diesem Film, der weit entfernt ist von der Pop-Ikone, die er später werden sollte. Anstatt seine mörderischen Jagden wie ein lustiges Spiel zu gestalten, ist der Krueger des ersten Teils Nightmare – Mörderische Träume noch durch und durch ein mysteriöses, allegorisches Monster, ein abstrakter Sadist, der jagt, ohne dass viel von ihm zu sehen ist, weniger Anti-Held als viel mehr parabolische Vermenschlichung universeller, jugendlicher Ängste und die Verkörperung der bangen Frage nach Erbschuld und Erbsühne. A Nightmare on Elm Street ist dadurch so viel weniger Pop als seine Nachfolger und so viel mehr garstiges, brutales und vor allem vages Schauermärchen, an dem der Zahn der Zeit zwar etwas genagt hat, das aber dennoch immer noch unterhalten und dank des psychoanalytischen, traumatischen Subtextes problemlos das Fürchten lehren kann.

The Blob [Chuck Russell]

(USA, 1988)

So ganz kann ich mich nie entscheiden, ob ich den Blob nun lächerlich oder groß finden soll: Außerirdischer Schleim überfällt Kleinstadt und frisst alles und jeden auf. So weit so albern… ABER: The Blob entwickelt sich in seiner Absurdität, seiner selbstgefälligen Ironie und seinem schamlosen Umgang mit Splatter- und Goreeffekten (die übrigens mit zum Coolsten gehören, was die 80er an Blut und Därmen zu bieten haben) zu einer wunderbar grotesken, apokalyptischen Science Fiction Farce, in der mal so ad hoc religiöse und gesellschaftliche Themen angeschnitten und unter viel Glibber begraben werden. The Blob ist darüber hinaus auch so etwas wie ein invertierter Bodyhorrorfilm: Die Selbstauflösung, die Selbstzerfleischung der Gesellschaft wird konsequent nach außen gekehrt, das Körperlose wird zur physischen Bedrohung, das Monster zum unkontrollierbaren, undefinierbaren Anderen, zum Anti- und zum Nichtmonster. Ein grandioser blutrünstiger Spaß, der sich nicht allzu ernst nimmt und mit viel Trash-Charme locker in der ersten Riege der 80er Horror-Flicks mitspielen kann.

Die Braut [Franc Roddam]

(Großbritannien, 1985)

Okay, ihr werdet es schon mitbekommen haben. Ich stehe total auf den traditionellen, viktorianischen Grusel: Die pompösen Kostüme, die opulenten Settings, das seichte Grauen, das ohne große Gewaltexzesse auskommt. Viele Horrorfans können rein gar nichts mit dieser – konservativen – Auslegung des Genres anfangen, und ich kann auch gut verstehen, dass die unzeitgemäßen Schauergeschichten den meisten nur ein Gähnen entlocken… aber unterhaltsam sind sie dennoch. Die Geschichte um die künstlich geschaffene Braut für Frankensteins Monster vereint alle Ingredienzen, für die ich das gotische Grusel-Kino so liebe: Glanz und Glamour, eine düstere, traurige Grundstimmung und einen ordentlichen Hauch 80er-Sillyness. Das war damals schon nicht taufrisch und wirkt heute um so antiquierter. Aber nicht nur Dank eines gut aufgelegten Stings und viel Gespür für Episches, Überborderndes und Überambitioniertes immer noch ein ausgesprochen gediegenes, prächtig (im wahrsten Sinne des Wortes) unterhaltendes Vergnügen.

Fright Night – Die rabenschwarze Nacht [Tom Holland]

(USA, 1985)

Während Die Braut den Trash mit ihrem übertriebenen Pomp nur tangiert, läuft die Horrorkomödie Fright Night mit stolzgeschwellter Brust voll hinein. Nein, Fright Night ist kein intelligenter, ungewöhnlicher, origineller Horrorfilm, und ja, die Zeit ist auch alles andere als spurlos an ihm vorüber gegangen. Aber Hölle, macht dieses trashige Nachbarschafts-Vampirfestival Spaß. Ernst nehmen darf man diesen Flickenteppich aus Vorstadtsatire, Vampirhorror und Coming-of-Age-Comedy freilich nicht… und erst recht nicht sollte man ihn mit ernsten Vampirfilmen der damaligen Zeit vergleichen. Dann jedoch kann man eine Menge Spaß haben bei diesem unverfroren zusammengeschusterten, aberwitzig hektischen und vollkommen Over-the-Top mainstream-splattrigen Horror-Vergnügen.

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