Die 80er Jahre: Die besten Horrorfilme des Jahrzehnts I

Während es bei den Fantasyfilmen der 80er Jahre die schräge Albernheit ist, die die Filme von damals aus heutiger Sicht mitunter sehr befremdlich und lächerlich wirken lässt, ist es beim Horror-Genre mitunter der plastische und überzeichnete Gewaltanteil. Brutalität hatte diese Nische zwar schon in den 70ern zu bieten, aber erst in den 80er Jahren kam es – zumindest im Independent-Bereich – zu einer wahren Welle an Gore- und Splatter-Flicks. Während die Gewalt des 70er Jahre Kinos vor allem durch den Terror dominiert war, der in Filmen wie Texas Chainsaw Massacre (1974) weniger visueller als viel mehr inhaltlicher Natur war, standen im folgenden Jahrzehnt vor allem die explizite Darstellung im Mittelpunkt. Dabei ist diese Dekade keineswegs brutaler als die vorhergehende, viel mehr wurde das dystopische Moment der Gewalt zurückgeschraubt, um dafür blutigen, organischen Visualisierungen – vom gnadenlosen Realismus bis hin zur comichaften Überzeichnung – Platz zu machen. Gerade Letztere wiederum wirkt aus der heutigen Sicht mitunter albern, unseriös und alles andere als gruselig. Neben den zahllosen dreckigen Independent-Flicks gab es aber auch den ein oder anderen subtilen, traditionellen Horrorfilm. Ein Recht auf Beachtung verdienen beide Auslegungen des Genres und so pendeln wir in den folgenden Retrospektiven munter zwischen intelligenten Schauergeschichten und blutrünstigen BPjM-Zensur-Kandidaten.

Friedhof der Kuscheltiere [Mary Lambert]

(USA, 1989)

Lässt sich die Zahl an guten Stephen King Verfilmungen gerade mal an einer Hand abzählen, muss man nach den Meisterwerken dieser Nische ziemlich lange suchen. Mary Lamberts Verfilmung von Friedhof der Kuscheltiere (1983) ist eines davon. Mit dem Segen von King persönlich durch einen Cameo-Auftritt ausgestattet – was nicht zwangsläufig ein Qualitätskriterium für die Verfilmung seiner Romane ist, eher im Gegenteil – bewegt sich Pet Sematary ziemlich nahe an der Vorlage und ist auch erfolgreich darin, dem scheinbar albernen Topoi eine Menge Gänsehautmomente zu entlocken. Die Geschichte um zombie-ähnliche Wiederkehrer verzichtet weitestgehend auf den genreimmanenten Gore- und Splatterreigen und liefert stattdessen morbides, düsteres Kopfkino zwischen Untoten-Horror und intelligentem Psychothrill. Auch wenn die Subtilität der Vorlage mitunter verloren geht, gehört Friedhof der Kuscheltiere doch insgesamt zu den effektiven, positiven Ausnahmen einer ganzen Riege an miserablen King-Verfilmungen.

Hellraiser – Das Tor zur Hölle [Clive Barker]

(USA, 1987)

Das Regiedebüt des mal begnadet scheinenden, mal totalen Stuss fabrizierenden Horrorautoren Clive Barker ist nur der Auftakt einer aus unzähligen Filmen bestehenden Gore- und Monsterreihe, die von Teil zu Teil schlechter wird. Während in den Fortsetzungen der Splatter- und Monsteranteil peu à peu erhöht wird, ist Hellraiser noch ein sehr zurückhaltender, atmosphärisch dichter Mysterythriller, in dessen Zentrum keineswegs die morbiden – großartig entworfenen – höllenkreatürlichen Zenobiten stehen sondern dies obsessive Beziehung einer Frau zu einem Untoten, Wiedergeborenen, der der Hölle entkommen will, in der er seit Jahren gefangen ist. Dabei setzt Hellraiser keineswegs auf plumpe Gore-Effekte sondern lässt sich – für einen Horrorfilm – angenehm viel Zeit, die Charaktere zu erzählen, ihre Schwächen und vor allem dunklen Seiten aufzuzeigen. Hellraiser ist ein faszinierender Trip in menschliche und metaphysische Abgründe, ein Spiel mit dem Horror und der Leidenschaft und vollkommen zurecht ein absoluter Kultfilm des Genres.

Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis [Kathryn Bigelow]

(USA, 1987)

Eine kleine, viel zu oft unterschätzte Genre-Perle und einer der besten Vampirfilme überhaupt ist Kathryn Bigelows (The Hurt Locker) Low-Budget-Horrordrama Near Dark. Der Bastard aus Western, Road Movie, Vampirhorror, Tragödie und spitzer Gesellschaftssatire schlängelt sich geschickt entlang der Klischees des Genres und findet dabei eine ganz eigene Dramaturgie und Bildsprache: Staubig, trocken, spröde, mit makaberem Witz, pathetischen Interludien und einer grundsätzlich unbehaglichen, beängstigenden Atmosphäre. Der knochige, knurrige B-Movie besitzt dabei einfach das, was den meisten Vampirfilmen unserer Zeit abgeht: Eine originelle und zugleich respektvolle Haltung zu dem eigenen Sujet, keine Angst vor düsterem Realismus und vor allem viel kauzigen, bitteren und zynischen Charme.

Gothic [Ken Russell]

(Großbritannien, 1986)

Während die meisten 80er Jahre Horrorfilme entweder kleine, gehässige B-Movies oder brave Hollywood-Grusler sind, tanzt Ken Russells faszinierendes, hypnotisches Meisterwerk vollkommen aus der Reihe. Gothic ist traditioneller Grusel par Excellence und weit darüber hinaus eine tiefe Verbeugung vor dem gesamten Genre, vor den Gothic Novels des 19. Jahrhunderts, vor den bildenden Künsten der Düsterromantik, vor dem dystopischen, dekadenten Moment der frühen Moderne… Gothic ist eine völlig überladene, überambitionierte und dabei großartig verschwenderische Horror-Oper, der die Geschichte eines einzigen abendlichen Treffens zwischen großen Dichtern des gotischen Grusels heranzieht, um daraus ein alptraumhaftes, kaleidoskopisches Horrormärchen zu entspinnen. Ein herrlich großspuriger, eskapistischer Ritt in die viktorianische Auslegung des Genres und ein opulenter Fantasyhorror-Schinken, der einen ungeheuren Sog entwickelt und wunderbar zwischen Grusel- Tradition und postmoderner, fragmentierter Bildersprache pendelt.

The Lost Boys [Joel Schumacher]

(USA, 1987)

Im Grunde haben wir es bei The Lost Boys mit einer frühen Ausprägung des Nerd-Films zu tun: Vampire, Geeky Kids, Rocker, Comics und ein genialer Indie-Rock-Soundtrack, dazu ein permanentes Oszillieren zwischen Horror, Mystery und Comedy… and well done. Der große, spaßige Vampir-Flick besaß damals schon reichlich Kultfilm-Potential und hat auch heute nichts von seiner unterhaltsamen Freakigkeit eingebüßt. Verantwortlich dafür sind nicht nur die schrägen, fetzenden Ideen, die den Film wie eine Achterbahnfahrt vorantreiben, sondern es liegt auch und vor allem am durchaus vorhandenen Furcht-, Ekel- und Horrorpotential… Und allein Kiefer Sutherland verdient mal sowas von einen Preis für den coolsten Vampir aller Zeiten, der Edward Cullen auch heute noch elegant mit einem kräftigen Arschtritt ins Zwielicht befördern könnte.

Critters [Stephen Herek]

(USA, 1986)

Ich stehe eigentlich überhaupt nicht auf Monsterhorror, bei Critters bin ich trotzdem bereit eine Ausnahme zu machen. Dabei wirkt heute so vieles albern, unzeitgemäß, 80er-verseucht, von dem was der Film an Ideen auffährt. Geschenkt, denn Critters vermischt auf wunderbare Weise Ernsthaftigkeit und Unernst zu einem vorzüglichen, trashigen Sci-Fi-Horror-Cocktail. So albern die Bedrohung von fleischfressenden Plüsch-Aliens auch ist, so gnadenlos ernst wird deren Brutalität dargestellt. So blutrünstig viele der Carnivore-Szenen auch sein mögen, so wenig schämt sich der Film für seine muntere, launige Low Budget Inszenierung: Grauenhafter 80’s Rock, durchgeknallte Weltraum-Kopfgeldjäger, absurde Lächerlichkeiten und dann doch wieder massig Blut und kindlich vergnügter Monsterhorror: Critters mixt dies unverfroren zusammen, hat Spaß an seinem B-Movie-Charme und vergisst dabei dennoch nicht ein spannendes und actionreiches Spektakel zu veranstalten. Klar, das ist ein trashiger Science Fiction-, Horror-, Comedy-Flick, aber verdammt nochmal macht der Spaß. Wenn es ein Film sein soll, der sich selbst, seinen entworfenen Horror und das gesamte Genre in einem Atemzug ernst nimmt und komplett der Lächerlichkeit preis gibt, kommt man an Critters definitiv nicht vorbei.


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