Die 90er Jahre: Die besten Hip Hop Alben des Jahrzehnts II

Der erste Teil der 90er Hip Hip History fiel ja doch sehr Eastcoast-lastig aus… Nummer Zwei wird ebenfalls von einem New Yorker Rapper eröffnet, der heute gar nicht mal so sehr als Musiker bekannt ist sondern vor allem durch Filmrollen, die bisher alle nicht unbedingt Oscar-würdig waren. Das war es dann aber fast mit Eastcoast, auch wenn Biggie hier noch einmal im Schwergewichtskampf ordentlich Punkte klar macht und sich trotzdem bereit erklärt sterben zu wollen. Mit so viel trüben Gedanken hatten die funkigen Weastcoast Rapper nicht so viel am Hut und produzierten  lieber ihre eigenen aufgeblasenen Gangstafilme, die mehr an 70er Blaxploitan erinnern als an eine heruntergekomene Metropolenkulisse.

Mos Def  – Black on Both Sides

(Rawkus, 1999)

Mos Def, oder Yasiin Bey, wie er ab diesem Jahr genannt werden möchte, hatte schon mit Talib Kweli ein tolles Album mit dem Projekt Black Star gestartet und einen kleinen Hype um das Indie Label Rwakus initiiert. 1999 war endgültig sein Jahr und er veröffentlichte Black On Both Sides, das sich stilistisch keine Grenzen setzt und auch mal gerne in einem wütenden Hardcore-Ausritt endet. An diesem Genrequerschläger wirkte ein gewisses Produzenten-Team namens Neptunes mit, das später maßgeblich an dem Hip Sound der 00er beteiligt sein sollte. Mos Def war nach dem Erfolg schnell gelangweilt von der Musik und spielte daher später in Kinofilmen wie Anhalter durch die Galaxis und 16 Blocks mit.

Dr Dre – The Chronic

(Death Row Records, 1992)

Hallo? Muss man sich darüber überhaupt streiten ob The Chronic hier rein gehört? Nein, denn Dr. Dres Rundumschlag ist ein stilbildendes Gangsta Rap Album, das den Funk von George Clinton aus den 70ern holte und mit böse grollenden Beats zu einer hochexplosiven Mischung rührte, die nicht nur bei Ghetto Kids aus Compton, L.A. sondern auch bei uns weißen Teenie-Weicheiern für Träume sorgte, so dass wir dessen fragwürdigen Idealen nacheifern wollten.  Im Grunde genommen müsste das Album nicht The Chronic sondern The Bible heißen, denn es ist sie für jeden, der sich mit Hip Hop ernsthaft beschäftigt eines wennn nicht sogar das wichtigste Rap Album der 90er, und gehört auch all die Jahre danach immer noch ordentlich gewürdigt

Bone Thugs-N-Harmony – E.1999 Eternal

(Ruthless, 1995)

Soul war für die Mädchen, Rap für die Kerle. Bone Thugs-N-Harmony scherten sich um dieses Diktat wenig und entwickelten einen orginellen Style aus Westcoast-typischem Gangsta-Rap Marke Dr Dre und damals angesagten Soul-Harmonien. Die wahrscheinlich glatteste Nummer “Crossroads”, die dem an Aids verstorbenen N.W.A. Rapper Eazy E gewidmet war, erreichte auch hier die Charts und machte Hip Hop damit immer mehr zu einem Mainstream-Thema. BTNH waren nicht unbedingt die coolste Gruppe des Genres, aber es gab trotzdem nicht viele Alben wie dieses, das praktisch keinen Ausfall hat und G-Funk auf einem ungewöhnlich hohem Niveau präsentiert.

Snoop Doggy Dogg – Doggystyle

(Death Row Records, 1993)

Kaum war Dr Dre endgültig als Hip Hop Legende etabliert, machte er sich an die Produktion seines Protegé Snoop Doggy Dogg, der auf seinen frühen Alben zwar angriffslustig klang aber schon damals seinen ganz eigenen angenehmen Flow hatte, der weniger heißeres Gebelle eines DMX ist,  sondern viel mehr latent arrogant auf die anderen MC`S runterschaut. Im Grunde genommen ist Doggystyle der kleine pubertäre Bruder von The Chronic und zeichnet sich nicht durch deepe Lyrics sondern süchtig machenden G-Funk aus, zu dem Snoop seine Gangsta-Filme fährt, die damals noch eine gewisse Ernsthaftigkeit besaßen und nichts mit dem tanzenden Clown zu tun hatten, der sich heutzutage für David Guetta Videos hergibt.

Notorious B.I.G. – Ready To Die

(Bad Boy, 1994)

Schön soulig geht es auf Biggies Debutalbum zu. Trotz des Hardcore Styles findet man auf dem düsteren Ready To Die  viel Fun-R`n B-Anleihen, die einen sauberen Kontrast zu dem angepissten Style von Notorious B.I.G bilden. Ready To Die beschreibt derweil die Sorgen und Probleme der Vergessenen und all derjenigen, die es eben nicht nach oben geschafft haben, wo es schöne Frauen, Ruhm und Reichtum gibt. Der Höhepunkt der zynischen und bissigen Lyrics ist der Song “Suicide Thoughts”, der die Rap-Legende wieder als hevorragenden Storyteller präsentiert. Wer hier aber rau produzierten Underground-Rap erwartet, liegt falsch, was an der auf Mainstream-Erfolg abzielenden Produktion von Sean Combs liegt, dem nichts an authentischer Street Tape Qualität lag, der stattdessen mit Ready To Die den Level für Hip Hop Produktion nochmal weit nach oben drehte.

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