Unmanned – Das absolute Kriegsspiel

Krieg ist die Hölle… und die besteht im Falle des Browsergames Unmanned der italienischen Kreativitätsschmiede Molleindustria in schierer Monotonie: Aufstehen, sich rasieren, auf einer öden Wüstenstraße zur Station fahren und dort durch ein Schwarzweiß-Display verdächtige Personen observieren. Nebenbei kann der Spieler lernen die Songs des Autoradios richtig nachzusingen, seine von ihm entfremdete Frau zu Hause beruhigen (in Telefonaten, die gerade mal eine Zigarettenlänge dauern) oder mit der hübschen Copilotin flirten. Die Botschaft dieses depressiven, bitteren Browsergames ist klar: Der Krieg des Westens  in der aktuellen Variante hat nichts mit den Spektakeln eines Call of Duty (2003) gemein. Statt von Action wird der Tag der postmodernen Drohnen-Krieger von Langweile und Monotonie beherrscht. Und eben genau in dieser muss man dennoch stets die Konzentration wahren und sich bemühen, nicht den Kopf zu verlieren… denn trotz der distanzierten Langeweile zum Kriegsgeschehen ist man nur einen Tastendruck davon entfernt, Unschuldige zu töten oder sich selbst in Gefahr zu bringen.

Neben dieser unaufgeregten Erzählweise des tatsächlichen Kriegsgeschehens begeistert Unmanned mit einem mehr als intelligenten Storytelling. Die Dialoge während der Missionen oder die beängstigenden Monologe während der Einsamkeit versprühen bitterbösen, zynischen Witz und kritischen Pazifizismus, die Aufgaben, die dem Spieler gestellt werden streuen immer ordentlich Salz in die Wunden des nach Ereignissen gierenden Kriegsherrn, und die sich peux à peux entfaltenden Subtexte sparen nicht an politischem Sarkasmus und nachdenklicher Gesellschaftskritik. So findet die Konfrontation mit dem “Gegner” primär in Träumen und abstrakten Angstszenarien statt, während die Langeweile und Einsamkeit, denen der Protagonist ausgesetzt ist, sich sukzessive auch auf den Spieler übertragen und immer offensichtlicher zu eigentlichen Gefahr werden. Und dann allein die letzten Szenen sind einfach ganz großes, poetisches, emotional berührendes und zugleich reflektiert kritisches Spielekino.

Unmanned ist in seiner satirischen aber auch subtil nachdenklichen Art ein außergewöhnliches Spielerlebnis, das sowohl mit dem Dilemma des entpersonalisierten Krieges als auch mit der Überstilisierung des selben in den Medien abrechnet. Dabei sind es keineswegs nur die aktuellen Ballerspiele, die ihr Fett ordentlich wegbekommen, sondern ebenso die öffentlichen Wahrnehmungen des Krieges als solche, die mit der Realität konfrontiert, von dieser gespiegelt und dadurch dekonstruiert werden. Unbedingt anspielen!

Unmanned (Browsergame + Download) via Superlevel

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