Full Nerd Jacket 1: Super, Perfekter, Privatfernsehen

Diese neue Rubrik ist der Versuch die uns umgebende Welt, in der es schon soo viel Sinn gibt und in der es nie genug Sinn geben kann, mit noch mehr Sinn anzureichern. In diesem Sinne ist ihr Inhalt nicht ganz ernst gemeint, aber auch kein totaler Unsinn. Ich versuche vielmehr herauszufinden welche Gedanken und Sätze möglich sind und  hoffe Zusammenhänge zwischen scheinbar zusammenhangslosen Phänomenen aufzuzeigen (bestenfalls). Ich bediene mich dazu zweier Prinzipien: Egalitarismus und Konstruktivismus. Die Rubrik ist also halb Glosse, halb Gonzo und halb Hüpfburg. Oder mit anderen Worten: halb Spaß, halb subjektiv und halb verrückt. Aber um ehrlich zu sein, ich weiß nicht wohin das führen wird. Nach dem Klick Teil 1, über Privatfernsehen und dessen weltbereichernde Formate. Ach ja, dieser Rubrik gefällt: Klammern (und das darin Enthaltende), Abschweifungen, Anführungsstriche, die Präfixe Post- und Proto-, das Suffix -ismus, Ismen und Genre überhaupt (auch wenn das alles noch nicht im ersten Teil zum Ausdruck kommt).

OhOh! Der Fernsehsender Vox ist auf der Suche! Wie eigentlich alle privaten Fernsehsender. Gesucht wird aber nicht mehr irgendjemand dem oder der man dann das Label “Super” draufkleben kann, wie Super-Star, Super-Talent, Super-Bauer, Super-Schwiegersohn, Super-Blondine, Super-dummer Super-Scheiß. Nein! Vox, das ja auch zur RTL-Gruppe gehört, hat sich da was ganz besonderes einfallen lassen. Anstatt pompös in die Super-Trompete zu blasen, setzen die Produzenten auf Innovation und kommen ganz schlicht mit dem Wörtchen “Perfekt” daher. Während man auf ProSieben immer noch NUR nach  Top-Models sucht, fahndet die RTL-Gruppe jetzt nach dem “Perfekten Model”!

Zur Erinnerung: “Super” kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: “Über”. Man benutzt es allgemeinhin als Ausdruck der Freude: “Das ist super!” oder einfach nur: “Super”. Gelegentlich bildet man damit auch Formen die der Steigerung von Gefühlsausdrücken dienen, als eine Art  künstlicher Superlativ wie z.B.: “super cool”, “super krass” oder auch “super scheiße”. Diesen Platz teilt es sich gemeinsam mit Wörtern wie “mega”, “amok”, “übelst” und anderen Termini. In Bezug auf mehr oder weniger menschliche Wesen wird es nur in zweieinhalb Fällen benutzt. Und zwar für Superman, Super Mario und Chuck Norris (nur wegen diesem gibt es ja das Wort, is klar oder?).

Nun hat ja bekanntlich das Privatfernsehen das Wort “Super” okkupiert und allerlei Formate damit plakatiert. Der Zweck war folgender: Da jeweiliges Format gänzlich sinnentleert und damit hohl war, bedurfte es einer bekannten Größe, welche eine möglichst große und starke Bedeutung trug (der bloße Anschein von Größe ist völlig ausreichend), um den großen Hohlraum wenigstens mit etwas aufzufüllen. So wurde das Wort “Super” zum einzigen Bestandteil, des jeweiligen Formates das überhaupt von Bedeutung war. Dieses Verfahren wurde zigmal wiederholt, bis der gewiefte Zuschauer, der eigenen stetig zunehmenden inneren Leere gewahr wurde und schließlich das Spielchen dennoch nicht durchschaute.

Und nun: “Perfekt”. Ebenso wie “Super” aus dem Lateinischen stammend (perfectum) bedeutet es: “vollendet” und bezieht sich eigentlich als grammatischer Terminus auf die Zeitform des Verbs. Perfekt meint die vollendete Vergangenheit und hört sich so an:

Was die RTL-Menschen meinen ist natürlich das Abstraktum: “Perfektion”, die “Vollkommenheit” von Etwas. ABER: Der vermutlich einzige Satz in dieser Welt der wahr bleibt, wenn man in  ihm (oder mit ihm?) “Perfekt” im Sinne von “Perfektion” verwendet, stammt von Hannah Arendt:

Das Wort “perfekt” sollte aus dem Wörterbuch gestrichen werden …. wann kann man es denn schließlich schon mal wahrheitsgemäß verwenden ohne den Sinnbezug zum Wort “nicht” oder “fast” oder bei irrealen Behauptungen?!

Wir haben ja schon an anderer Stelle auf diesen eigenartigen (was für eine große Stelle für so viele Adjektive:), beschränkten, traurigen, ekligen und abstoßenden (nur die wichtigsten davon) RTL-Mikrokosmos hingewiesen. Ich verstehe, nicht im geringsten die Psychologie, oder was auch immer, des gemeinen Privatfernsehzuschauers, ich benutz ja nicht einmal das Wort: Fernsehen. Ich weiß gar nicht ob überhaupt irgendjemand meiner Freunde ein Fernsehgerät besitzt, um damit NICHT Konsolengames zu zocken. Aber da ich Fernsehen noch von früher kenne, weiß ich sehr wohl dass da ein knallharter Konstruktivismus betrieben wird, da wird sozusagen Realität gemacht. (Das ist in diesem Mikrokosmosartikel von Roberto J. De Lapuente (superfekt*) beschrieben.)

Und meine große Befürchtung ist, ohne rechtliches Expertenwissen wohlgemerkt, dass wenn ACTA durchkommt sich das Internet in RTL 2 verwandeln wird. Denn Fernsehen wird zu Fernsehen in dem Signale durch Nicht-reversible  Kabel (Flusser) versendet werden. Das ist keine Kommunikation, sondern eher Diktatur á la “Friss dies, kauf das”! (In diesem Sinne frag mich grad ehrlich ob Privatfernsehen sowas wie das “Vierte Reich” ist!?) Das Besondere am Internet ist nämlich (meiner Meinung nach), dass wir uns hier in einer weltumspannenden Kommunikationssituation befinden und in einer solchen verweisen wir eben auf Dinge, deren Urheber meist nicht wir selbst sind, aber darauf erheben wir ja auch kein Anspruch (auf die Urheberschaft). Wir benutzen das nur um zu kommunizieren und wenn uns das untersagt wird, dann ist das wie ein Verbot Mensch zu sein. Aber über ACTA werd ich an anderer Stelle nochmal was schreiben, wenn ich mir klarer darüber geworden bin.

Zum Abschluss nur noch ein Zitat von TOOL, das so ziemlich genau das trifft was, in seiner Totalität betrachtet, das Internet ausmacht:

…rediscover communication…

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