Krieg ist die Hölle… und die besteht im Falle des Browsergames Unmanned der italienischen Kreativitätsschmiede Molleindustria in schierer Monotonie: Aufstehen, sich rasieren, auf einer öden Wüstenstraße zur Station fahren und dort durch ein Schwarzweiß-Display verdächtige Personen observieren. Nebenbei kann der Spieler lernen die Songs des Autoradios richtig nachzusingen, seine von ihm entfremdete Frau zu Hause beruhigen (in Telefonaten, die gerade mal eine Zigarettenlänge dauern) oder mit der hübschen Copilotin flirten. Die Botschaft dieses depressiven, bitteren Browsergames ist klar: Der Krieg des Westens in der aktuellen Variante hat nichts mit den Spektakeln eines Call of Duty (2003) gemein. Statt von Action wird der Tag der postmodernen Drohnen-Krieger von Langweile und Monotonie beherrscht. Und eben genau in dieser muss man dennoch stets die Konzentration wahren und sich bemühen, nicht den Kopf zu verlieren… denn trotz der distanzierten Langeweile zum Kriegsgeschehen ist man nur einen Tastendruck davon entfernt, Unschuldige zu töten oder sich selbst in Gefahr zu bringen.
Ich kann mich gerade nicht entscheiden, ob diese Designstudie von Oliver Charles und Studenten der Architecture School of Paris La Siene für die Stockholm Library der dystopischen Bibliothek von Babel (1941) von Jorge Luis Borges nahe kommt, oder deren Gefährlichkeit durch die Trennung von Informationsfluss und räumlicher Erschließung abfedert. Kreiert wird hier jedenfalls ein Dualismus von Raum und Wissen, der die Wall of Books beinahe transzendental überhöht, verschärft noch durch den Schlund, der sich durch die organische Architektur auftut, die die monumentale Bücherwand elliptisch einrahmt. Dass diese im Gegensatz zum dreidimensionalen Raum praktisch in nur zwei Dimensionen stattfindet, bricht die Überstilisierung allerdings wiederum geschickt auf. Vielleicht kein Konzept für eine funktionale Bibliothek, aber allemal eine faszinierende Studie zur Konzeptionierung eines totalen, dualistischen Wissensraums.
Wenn ihr schon immer mal wissen wolltet, wie sich so großartige Back to the Nature Street Art wie das oben zu sehende Moos-Graffiti von Anna Garforth im DIY-Verfahren herstellen lässt, solltet ihr euch unbedingt das How To nach dem Klick geben. Anti-Urban urban Art!
Letztens habe ich ausschweifend François Truffaut zum Geburtstag gratuliert… Auf Arte+7 gibt es jetzt eine wunderbare Autobiografie, in der anhand von Spuren und Schnipseln von Truffaut höchstpersönlich dessen Leben und künstlerisches Werk dargestellt wird.
Um Spuren zu bewahren, hob Truffaut alles auf: Fotos von geliebten Menschen, Papierfetzen, auf denen er Ideen notierte, Briefe, Skripte von allen Phasen der Drehbucherarbeitung. Ausgehend von Filminterviews, Fotos und schriftlichem Archivmaterial, stellt der Dokumentarfilm Verbindungen zwischen Truffauts Lieblingsthemen her: Kindheit, Lehrjahre, Geschlechterbeziehungen, Primat der Kunst über das Leben, Totenkult. Zur Vertiefung und Ergänzung dieses autobiografischen Filmessays äußern sich zahlreiche bekannte Persönlichkeiten, die Truffaut begegnet sind. So gesteht Woody Allen hier zum ersten Mal seine Leidenschaft für den französischen Regisseur. Anstelle musealer Glorifizierung vermittelt der Dokumentarfilm einen lebendigen Bezug zu Truffauts Erbe. Dabei kommen die oft nicht bewussten, aber höchst präsenten Zusammenhänge zum Vorschein, die ihn mit dem Publikum von heute verbinden.
Diese neue Rubrik ist der Versuch die uns umgebende Welt, in der es schon soo viel Sinn gibt und in der es nie genug Sinn geben kann, mit noch mehr Sinn anzureichern. In diesem Sinne ist ihr Inhalt nicht ganz ernst gemeint, aber auch kein totaler Unsinn. Ich versuche vielmehr herauszufinden welche Gedanken und Sätze möglich sind und hoffe Zusammenhänge zwischen scheinbar zusammenhangslosen Phänomenen aufzuzeigen (bestenfalls). Ich bediene mich dazu zweier Prinzipien: Egalitarismus und Konstruktivismus. Die Rubrik ist also halb Glosse, halb Gonzo und halb Hüpfburg. Oder mit anderen Worten: halb Spaß, halb subjektiv und halb verrückt. Aber um ehrlich zu sein, ich weiß nicht wohin das führen wird. Nach dem Klick Teil 1, über Privatfernsehen und dessen weltbereichernde Formate. Ach ja, dieser Rubrik gefällt: Klammern (und das darin Enthaltende), Abschweifungen, Anführungsstriche, die Präfixe Post- und Proto-, das Suffix -ismus, Ismen und Genre überhaupt (auch wenn das alles noch nicht im ersten Teil zum Ausdruck kommt).