Die 90er: Die besten Hip Hop Alben des Jahrzehnts I

Flo hat ja meine Lahmarschigkeit und kreative Blockade ausgenutzt und ist schon mal mit den 80er Filmen vorgeprescht. Dabei habe ich hier noch eine 90er-Retrospektive zu einem Genre, das mir sehr am Herzen liegt, bei dem bestimmt die Hälfte eurer Freunde heftigen Ausschlag bekommen und euch dabei mindestens soviel Klischees um die Ohren hauen, wir mir wiederum zu Manowar-Alben einfallen würden. Hip Hop, das ist doch die Musik, bei der so Typen die ganze Zeit “Yo!” sagen und Frauen mit dem Hintern rumwackeln. Ja, auch, aber wer bei dem bisher fast 30 jährigen Bestehen von Hip Hop immer noch nicht mitbekommen hat, wie vielfältig Hip Hop geworden ist, wie vielfältig Hip Hop seit jeher sein kann, dem ist eh nicht zu helfen und der darf gerne weiterhin in seiner Dorfkneipe “Smoke On The Water” hören bis er verschimmelt. Wir hingegen zeigen unser aufgeschlossenen Leserschaft ein paar der großartigen Hip Hop Alben der 90er, die manche vielleicht nicht ganz zu unrecht als Golden Era of Hip Hop bezeichnen. In dem ersten Teil überwiegen die Eastcoast-Rapper, die sich durch einen urbanen und subtilen Style auszeichnen. Eure sportlichen Zigarren könnt ihr dann rollen, wenn wir in den nächsten Teilen auch die Westcoast näher betrachten. Jetzt erstmal viel Spaß mit Wunderkind Nas, den Jazz-Rappern von A Tribe called Quest, den legendären Beastie Boys, Schwerenöter D`Angelo und einer spannenden Geschichtsstunde mit Miss Lauryn Hill.

Nas – It Was Written

(Sony, 1996)

Mit seinem Debüt Illmatic löste Nas ein großes Echo in der Hip-Hop-Welt aus, weil es keine comichaften Actionfilme fuhr, sondern durch einen reduzierten, aber umso knackigeren Style begeisterte. Wo Dr Dre in seinen Produktionen immer breiter und opulenter wurde, kamen die beiden Großtaten Illmactic und It Was Written genau zu rechter Zeit… nämlich genau dann, als Rap Gefahr lief zu sehr in den Mainstream der Kollegen von der Westcoast abzurutschen. Die Texte waren subtile Street-Poetry und hatten wenig mit dem prolligen Westcoast Style zu tun. Nas hat ganz großen Anteil daran, dass Eastcoast Rap gemeinhin als die subtile Alternative angesehen wurde.

A Tribe Called Quest – Midnight Marauders

(Sony, 1993)

Ja, ist ja nicht so, dass Hip Hop nicht intellektuell sein kann. Er kann das sogar sehr gut und es gab und gibt genug Gruppen, die das beweisen und es schaffen jazzige Grooves zu produzieren, während andere mal eben so deppe Lyrics über ein paar Beats legen. Wie bei den Alben der Rapper aus New York gibt es auf Midnight Marauders auch keinen herausragenden Hit, am ehesten kommt wohl noch der Uptempo Song Oh My God in dessen Nähe. Stattdessen ähnelt das Album einem ruhigen und angenehmen Fluss, der eigentlich schon Dinge wie die legendären Downbeat -Sessions von den Wienern DJs Kruder und Dorfmeister vorwegnimmt. Eines der Vorzeigealben, wenn eure Freunde irgendwas von frauenverachtenden Texten und dümmlicher Proletenmusik labern und danach nur noch erstaunt die Augenbrauen nach oben ziehen und mitnicken können.

Beastie Boys – Ill Communciation

(EMI,1994)

Die Mutation  und Weiterentwicklung der Beastie Boys von wütenden Punk-Kiddies, über Party-Proleten hin zu den Elder Statesmen des anspruchsvollen Hip Hop ist schon beachtlich. Schon auf dem Spät80er Werk Paul Boutique verabschiedeten sich die 3 Jungs aus New York von ihrem prolligen Crossover-Sound und gingen in ihre experimentelle und innovative Phase über; inklusive irrwitzigen Samples und reduziertem Oldschool-Sound, der immer den Vibe eines Live-Auftritts hatte und möglichst roh produziert wurde. Das ihnen die Fans nicht die Gefolgschaft verweigerten und die Fanbase sogar noch größer wurde, zeichnet diese Band aus. Ill Communication ist dann noch einmal die Essenz dieses neuen Beastie Boys Sounds und besitzt mit Sabotage mindestens einen All Time Klassiker.

D’Angelo – Voodoo

(EMI, 2000)

Sehr lange gab es in Sachen Good old Soul nichts Neues, weil Mainstream-R`n B immer fetter und club-tauglicher wurde. Mit Erika Badu und D`Angelo begann die Neo-Soul Movement, in der tatsächlich keine bouncenden Beats sondern Gefühle wichtig waren. Badu deckte die feministische Richtung ab, während D`Angelo auf “Voodoo” einen ordentliche Prise Sex anbot und sich zum Nachfolger von Marvin Gaye empfahl. Das Album, dessen Produktionsphase schon 1996 begann und 4 Jahre akribische Arbeit in Anspruch nahm, wurde zu nötigen Rückbesinnung alter Werte und grenzte sich von seelenlosen Hochglanz-Produktion der anderen ab.

Lauryn Hill – The Miseducation of Lauryn Hill

(Sony, 1998)

The Fugees werden hier nicht auftauchen, soviel darf schon verraten werden (Kollege Florian Bayer findet das gar nicht gut, Anmerk. d. Autors). Der doch arg seichte Mainstream-Sound von Wyclef Jean, Pras und Lauryn Hill war zwar ein großer Karriere Buzz für alle Beteiligten, aber allein für die Vergewaltigung des Robert Flack Klassiker “Killing Me Softly”, einer der nervigsten Songs der 90er überhaupt, gehört das Album in den Giftschrank. Nach dem Ende der Fugees gingen die Mitglieder ihre eigenen Wege und schafften es in der Folgezeit, sich endlich zu entfalten, veröffentlichten ordentliche bis sehr gute Alben. Die Selbstverliebtheit von Hill muss man wirklich nicht sympathisch finden, aber “The Miseducation of Lauryn Hill” ist trotzdem ein tolle Lehrstunde in Sachen Hip Hop-Historie, Rap, modernem R`n B – Soul und weiblicher Selbstbestimmung, die in den 90ern gerade im Hip Hop Bereich gar nicht mal so weit fortgeschritten war.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>