Hörenswertes Januar/Februar 2012 I: Nada Surf, Radical Face, Vierkanntrettlager, Deichkind

Jap, es harkt ein wenig. So ganz bin ich noch nicht aus dem Winterschlaf und das Rezensieren neuer Alben hat auch schon mal mehr Spaß gemacht. Nach dem sehr schnarchigen Jahreseinstieg geht es aber so langsam los und mit Nada Surf und Deichkind sind diesmal Bands mit einem höheren Bekanntheitsgrad dabei. Ob der der auch gleichbedeutend mit hoher Qualität ist oder ob nicht doch die Newcomer von Vierkanntretlager die Nase vorne haben, könnt ihr nun in der zweiten Hörenswertes-Rubrik dieses Jahres lesen.

Nada Surf – The Stars Are Indifferent To Astronomy

(City Slang / Universal, 27.01.2012 )

Es tut echt gut, impulsiv ein lautes  und ignorantes “Laaaaaaaaaaangweilig!” zu brüllen. Probiert es einfach mal mit der neuen Nada Surf aus, die seit Beginn der 00er jahre das immer gleiche Heulsusen-Album rausbringen, auch wenn das die Nada Surf nach wie vor treu ergeben Fanbase nicht wahr haben möchte, da diese um Gottes Willen keine Veränderung will und sich an drei Vierzigjährigen erfreut, die keinerlei Ambitionen auf Weiterentwicklung oder mutige Schritte nach vorne haben. Dass in dieser konservativen Eintracht aus konservativer Fanerwartung und anspruchsloser Fanbedienung nur bestenfalls mittelmäßige Songs wie auf „The Stars Are Indifferent To Astronomy“ enstehen ist nur die logische Konsequenz. Nach einem ordentlichen Debütalbum und vielen lahmen Nachfolgern darf man es mal ruhig aussprechen: Diese Band ist weit überschätzt.

Radical Face – The Family Tree: The Roots

(Nettwerk / Soulfood, 20.01.2012)

Vielleicht lieg es an der Jahreszeit, aber Januar kommen meistens Alben, an denen es zumindest von mir viel zu Meckern gibt. Folk-Teddybär alias Radical Face wäre da der nächste Kandidat, auch wenn ich einfach gestehen muss, dass Folk-Pop und ich wohl nie die besten Freunde werden. Wenn eh schon konservatives Gitarrengezupfe auf unspannende Nettigkeit trifft, muss man das auch nicht unbedingt abfeiern… Aber so einschläfernd wie eben Nada Surf ist Radical Face dann zugegebenermaßen doch nicht, und wäre ich so ein Schmusebär, der die ganze Welt küssen und zum Yogi-Tee einladen möchte, hätte ich bei diesem Sound wahrscheinlich Tränen in den Augen. So bleibt es bei einem höchstsympathischen Songwriter, der auch wirklich hübsche Lieder vorträgt, die man allerdings so ähnlich schon ewig in seiner iTunes Liste hat. Wer eine kleine Best Of folkiger Schmusigkeit für den Winter sucht, greift heuer bequemerweise dennoch zu Roots.

Vierkanntretlager – Die Natur greift an

(Unter Schafen,27.01.2012)

Kommt ja nicht so oft, dass wir deutsche Künstler featuren. Vierkantrettlager sind nun auch keine lang erwartenden Erneurer aber irgendwie haben die da oben im Norden, abgesehen von den immer noch doofen Kettcar, doch den Dreh raus und wissen wie man Punk und Indie miteinander bekannt macht. Und so zeigen die Jungs aus Husum (verdammt nochmal!), der Welt ihre kryptischen Metaphern, die Richtung Turbostaat gehen, aber denen deren Wut fehlt. Es geht eher um Trauer, das “sich unverstanden fühlen” und die Melancholie, also eben die typischen Themen eines Anfang-20ers. So klangen mal Tomte (in “Schluss aus raus” wird sogar Uhlmanns gedehnte Stimme imitiert) als sie noch hungrig waren und nicht gediegenen Indie-Pop spielten.

Deichkind – Befehl von ganz unten

(Vertigo / Universal, 10.02.2012)

Der Albumtitel ist mal wieder typisch Deichkind, Songtitel wie “Leider geil” eh. Deichkind wollen wohl die Sauf-Punks des Electro werden und auf dem neuen Album geht es wieder derbe, tief sarkastisch und extrem tanzbar weiter. Sonderlich große Veränderung seit dem Kurswechsel von einer netten Hip Hop Band hin zum visionären Anarcho-Kollektiv gibt es nicht: Die Songs sind seit dem plötzlichen Tod von Sebastian insgesamt ein wenig flacher und noch poppiger geworden und was vorher “Luftbahn” war ist mit “Mond” der schwächere Aufguss. Das selbe gilt für die Texte, die noch mehr in Richtung Party-Beschallung gehen und sich noch weiter von Alltags-Satire wie “Ich und mein Computer” entfernen. Deichkind wissen, dass mit Albumverkäufen nichts mehr geht und die Live-Show dafür umso krasser sein muss… und damit eben auch, dass die alkohlisierten Massen auf Party-Modus nicht allzu viel nachdenken wollen. Um nach erschreckend zahnlosen Nummern wie “Der Strahl” wieder etwas Punk-Kredibiltiät zu bekommen gibt es zum Abschluss eine Kooperation mit Slime, die in epischen 1:40 runter gedrescht wird. Der Spaßfaktor bleibt, die Orginalität leider nicht.

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