Lana Del Rey – Born to Die (Rezension)

Ich wollte ja eigentlich noch bis zur Hörenswertes-Rubrik warten, aber ziehe nun einfach mal die Rezension von “Born To Die” vor…

Lana Del Rey – Born to Die

(Universal, 27.01.2012)

One Hit Wonder und Bloghype versprechen eher selten ein Vergnügen auf Albumlänge. Lana Del Rey hat es dank gehörigen Buzz weltweit in die Charts geschafft und die Anzahl der Menschen, die “Videogames” scheiße finden, befindet sich ca. auf Augenhöhe der Anzahl der FDP-Mitglieder oder Fans des TSV Hoffenheim. Wo der Song der Konsenshit des letzten Jahres war, gehen bei dem Persönchen mit den unnatürlich dicken Schlauchboot-Lippen die Meinungen weit auseinander. Denn zu stark konstruiert wirkt die Kunstperson Lana del Rey als das man sie sympathisch finden könnte und nach einem mäßig gelungenden Auftritt bei Saturday Night Live unkten manche Kritiker bereits den Anfang vom Ende herbei. Dabei deutet nichts darauf hin, dass das hier nicht funktionieren sollte, auch über den Bloghype und den einzelnen Hit hinaus.

Mit ihrem Zitatenschatz auf den 60ern – Dusty Springfield, Marianne Faithfull und Nancy Sinatra grüßen hier mehr als einmal vorbei – schwimmt sie erfolgreich in der gegenwärtigen Retromania, der es nicht um das Erforschen neuer Sounds geht, sondern mindestens genau so um die behutsame Neuinterpretation und das Zitieren vergangener Zeiten, die gleichzeitig versucht eine Nische in der Gegenwart zu finden. Wo Adele sich auf 21 noch konservativer als auf ihrem Debutalbum gab, hat sich Lana Del Rey – oder wer auch immer ihr aus dem Produzenten-Team die Beats auf den schmalen Leib bastelt – ein paar undergroudige Hip Hop/Witchhouse-Beats, die in den besten Momenten nach Zola Jesus klingen, produziert, und lässt diese gegen unterkühlten 60er Sound antreten. Das klingt alles ein wenig nach der Arbeitsweise eines Beck Hansen, der  sich schon in den 90ern quer durch den Zitatschatz der letzten 40 Jahre Pop-Musik wühlte und aus ungestümem Sampling den Hipster Sound seiner Generation bastelte. Die Kindlichkeit und den Spieltrieb hat Lana del Rey leider nicht von ihm übernommen, sondern die Aura einer jungen Geschäftsfrau, die schon zuviel erlebt und gesehen hat um naive Luftschlösser für eine ungewisse Zukunft zu bauen.


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