Quentin Tarantinos Lieblingsfilme 2011…

…und mehr gibt es bei Quentin Tarantino Archives nachzulesen. Dort beweist der Kultregisseur – wie immer bei seinen Kanonisierungen – eine Mischung aus Geschmack (der unterschätzte Rise of the Planet of the Apes auf Platz 2) und obskuren Entscheidungen (was hat der lahme “Red State” in der Liste verloren?). Neben den Best und Worst Films of 2011 vergibt Tarantino nebenbei den Nice Try Award, und kürt die talentiertesten Regisseure sowie die besten Drehbücher. Sucker Punch dürfte übrigens DER Konsensfilm 2011 sein. Den fanden so ziemlich alle scheiße.

Quentin Tarantino’s official Top Eleven of 2011

1. Midnight In Paris
2. Rise Of The Planet Of The Apes
3. Moneyball
4. The Skin I Live In
5. X-Men: First Class
6. Young Adult
7. Attack The Block
8. Red State
9. Warrior
10. The Artist / Our Idiot Brother (tie)
11. The Three Musketeers

Quentin Tarantino’s favorite films of 2011 & more! via BadassDigest

Ein Kommentar zu “Quentin Tarantinos Lieblingsfilme 2011…

  1. Moin.
    Weil ich grad in der Ich-schreib-jetzt-ausnahmsweise-auch-mal-nen-Comment-Stimmung bin, schreib ich jetzt ausnahmsweise auch mal nen Comment, und zwar weil es mir “körperlich Schmerzen” bereitet, dass an dieser Stelle scheint’s es total unumstößlich fest steht Sucker Punch sei ein schlechter Film. Nachdem ich den damals im Kino gesehen und ne kleine Interpretation dazu entwickelt hatte, weil er MIR gefallen hatte, hab ich geschaut wie er sonst so weggekommen ist bin darüber u.a. auf nen ganzzz kalten Verriss auf SpOn gestossen. War dann ich in ner ähnlichen Stimmung wie jetzt und mir nicht zu schade zum Besten zu geben, was mir zu Sucker Punch so eingefallen war, aber bevor ich das hier reinposte hätte ich noch eine Frage auf dem Herzen: Wie lautet eine Defintion von ‘postmodernen Nerds’? Ich dachte man meine inzwischen die Postmoderne sei von gestern und vielmehr die Neopostmoderne o.ä. angebrochen? (Und wenn ich zum Beispiel ‘Gegen die Welt’ Jan Brandt lese kommt mir – als dazu eher exterritorial stehendem – Nerdtum erst recht als etwas vor das mehr als ein “post” oder ein “modern” oder beides zusammen benötigt um etwas von heute zu sein.)

    Aber zurück zum Thema, wäre übrigens ganz froh über Resonanz :

    Genatzt! – Über Zack Snyders ‘Sucker Punch’

    FORUM
    Zitat ‘johndoe’:
    „Was ist besser als die TV-Serie Jackass? Die Tatsache, dass Leute sich über Jackass aufregen.
    Was ist besser als Sucker Punch? Die Tatsache, dass Leute sich über Sucker Punch aufregen.
    Sucker Punch ist ein wunderbarer Film und hat Spass gemacht. David Kleingers spatzenhirnige Kritik hat das Vergnügen noch gesteigert, das meine ich völlig ernst. Danke Herr Kleingers!“ /FORUM

    Mit Enthusiasmus schließe ich mich an. Und Erklären ist eigentlich für Weicheier, aber ich war grad´ im Kino und bin jetzt begeistert und kann leider nicht anders:

    Leicht zu formulieren: „Sucker Punch“ spielt mit den degenerierten Reflexen des von der Unterhaltungsindustrie zu einem solchen runtergewöhnten durchschnittlichen Film-Konsumenten – führt diesen mit schelmischem Grinsen hinters Licht. Und vielleicht gelingt ihm das etwas zu gut – er verführt und das recht hinterlistig: ‘Sucker Punch’ entlarvt einerseits die, die sich auf ihn einlassen WOLLEN, weil sie schlicht konsumieren möchten, und andererseits die, die sich nicht einlassen KÖNNEN, weil sie es nicht wollen, die Berührungsängste haben, weil ihnen das Spektakel zu primitiv erscheint. Meine These: In ihren niedrigsten Instinkten werden beide Gruppen berührt. Während die einen sich daran nicht stören, fühlen die anderen sich ordinär betatscht. Ihre Erektion aber können auch sie nicht wegdiskutieren.

    Denn so läuft es doch: ‘Man’ geht ins Kino, schaut einen handelsüblichen Popcornstreifen (exemplarisch „G.I. Joe“, „Transformers I – ∞ “, „Die Mumie I – ∞“ , „Fluch der Karibik I – ∞“ , …) und es spielt irgendeine Rolle: es passiert irgendetwas, es sieht gut aus, es geht um vorgeschobene hehre Ziele, es klingt gut und wenn die Inszenierung für ihr Publikum funktioniert bedeutet sie Unterhaltung. Wenn nicht ärgert ‘man’ sich leise in sich hinein, trauert lakonisch um das ‘rausgeschmissene’ Geld und kommt eher drüber hinweg, als man denkt. Ansonsten hat sich nichts getan. Das, was im Film passiert ist fügt nichts hinzu, nimmt aber auch nichts – ist geschlossen, rein und harmlos. (Wirklich?) Denn es war alles irgendetwas, es war alles Show, es war alles Imagination. Wurden die sexuellen Fantasien zu alter Männer gegenüber zu jungen Mädchen bedient, wurde nur das bedient was vorher schon da war. Wurden Gewaltfantasien aller möglicher Zuschauer bedient, wurde nur reproduziert was vorher schon war. Solches Kalkül mag sicherlich auch zum Zuge kommen bei mehr Bildungs-hubernden und Küchen-psychologisierenden Streifen als den genannten: Wurde…

    „Eines der Momente von Kitsch, die als Definition sich anbieten, wäre die Vortäuschung nicht vorhandener Gefühle und damit deren Neutralisierung sowohl wie die des ästhetischen Phänomens. Kitsch wäre die Kunst, die nicht ernst genommen werden kann oder will und die doch durch ihr Erscheinen ästhetischen Ernst postuliert.“ (Adorno, Paralipomena, GS VII, S. 466f.)

    Es ändert sich nichts. Das bedeutet Unterhaltungsindustrie. Und wenn sich doch was tut, sind es höchstwahrscheinlich neuronale Einschreibungen in die Bereiche des Gedächtnisses, welche Informationen über neue Möglichkeiten des Konsums [von industriellen Produkten (Filmen, Speiseeis, Presse-, Kommunikations- und Hygieneartikel, Vehikel der Fortbewegung, Rauchwaren etc.)] aus dem Teil des Kinobesuchs verwalten, der statt fand vor dem eigentlichen Film.
    Das im Film Dargestellte darf noch so grausam oder dramatisch oder banal sein solange es funktioniert, denn dies ist nur ein Film: richtig und notwendig, allerdings: So entsteht eine Zweiteilung.

    1. Ein Film der nichts ändert läuft an und aus und dann ist er einfach vorbei. In dem Moment, in dem er nicht mehr angeschaut wird ist er kaum mehr ein Gedanke und dunkle Geschichte und niemand weiß mehr was er war, denn er war nie mehr als ein Film, nur leer – eine Spiegelung dessen, was es sowieso schon da seienden. Die öde Welt hinter den Spiegeln bleibt sein Gefängnis wie die davor. Das ist so und das ist nicht schlimm. Der tote Gegenstand bleibt ein toter Gegenstand bleibt ein toter Gegenstand. Niemand könnte ihm wieder Leben einhauchen, denn dafür ist er nicht angelegt. Er ist angelegt tot zu sein und hat darüber hinaus kein Potenzial; außer vielleicht für die Slavoj Žižeks dieser Welt. Wenn man bereit ist dies hinzunehmen hatte man – mit ein wenig Glück – eine nette Zeit als man ihn schaute.

    2. Ein Film der etwas ändert (solche Filme dreht gerne auch mal Zack Snyder) kann ebenfalls eine nette Zeit bereiten doch auch mehr als das. Er hat Potenzial, er hat Kraft, er kann anregend wirken, kann zum Gegenstand von Auseinandersetzung werden und Sichtweisen verschieben, Tugenden betonen oder infrage stellen, Paradoxien aufgreifen, weh tun, aufwiegeln, er kann wahnsinnig machen oder glücklich oder jemanden zu einem Menschen. Jedenfalls bleibt er im Gedächtnis und indem man sich mit ihm beschäftigt überstrahlt er den ersten Teil des Kinobesuchs. Das ist altmodisch, nicht abgebrüht damit vielleicht wenig postmodern, aber es ist nicht falsch.

    Beide Konzepte sollte man vermeiden gegeneinander abzuwägen denn beide bergen doch diese gewisse Legitimität, die in ihrer Bewertung von Subjekt zu Subjekt an Gewicht verliert oder gewinnt.

    Und tja, so bleibt am Schluss nur der Gedanke an jenes kleine Mädchen, dem imaginiert wurde es kämpfe gleichsam wenn es tanze, derweil es nur tanzt und sich währenddessen den Fantasien alter schmieriger Lustgreise ausliefert, das denkt es ginge um irgendetwas, es selbst könnte etwas ändern, es könnte frei werden, spielte nach den Regeln einer patriarchal durchdrungenen Welt, kämpft, das Pappkameraden zerschmettert, das trivial Artefakte sammelt, das sich selbst gar opfert und letztlich nur funktioniert: auf der Bühne im Bordell, hinter der Bühne, im Behandlungstuhl, im Kinderzimmer, auf der Bühne im abgewrackten Theater, hinter staubigen löchrigen Vorhängen. Dieses Mädchen kämpft um sein Leben. Ein Leben das nicht existiert. Die Welt dieses Mädchens ist – mit Pech – eine tote Welt in einem toten Film, der nichts anderes tut als das Substanzielle – dessen unschöne Seite – das allen Menschen (auch SPON-Redakteuren) gleich ist zu spiegeln und dadurch nichts ändert.

    Was in der Diskussion über den Film im Gegensatz zu allerlerei postmoderner Halbwissenssensdreingeberei nicht vorgekommen ist: „Sucker Punch“ ist tatsächlich ein sucker punch. Und sitzt:

    FORUM
    Zitat ‘heinz.mann’:
    leichtbekleidete gutaussehende Frauen, Maschinengewehre, Katana und Samurai, Drachen Feuer und ordentlich Geballer samt massig Special Effect.
    Der Film wird bestimmt unterhaltsamer als so mancher Streifen, der uns unterhalten will.
    Popcorn, Bier und ein paar gute Kumpel dazu und der Abend wird ein riesen Spaß für alle. /FORUM

    Vielleicht wäre Zack Snyder als Boxer noch besser geworden, als er als Regisseur ist.

    FORUM
    Zitat Zack Snyder:
    Who honors those we love for the very life we live?
    Who sends monsters to kill us and at the same time sings that we’ll ever die?
    Who teaches us what’s real and how to laugh at lies?
    Who decides why we live and what we’ll die to defend?
    Who chains us and who holds the key that can set us free?
    It’s you.
    You have all the weapons you need.
    Now fight!
    /FORUM

    Alterntiv dazu: Evolve!

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