
Hurra, der erste Hörenswert-Artikel für dieses Jahr. Nunja, man sollte die Vorfreude etwas zügeln, denn so wirklich toll ist die darin gemusterte Musik nicht geworden. Indie-Pop aus England, einstmals der ganze Stolz des Königreiches, enttäuscht mit lauwarmen Nachfolgealben von Enter Shikari, The Maccabees und The Big Pink; nur Oliver Tank kann mit liebevollen Dream Pop Songs überzeugen, während Die Antwoord aus dem südlicher liegenden Südafrika mal wieder diskutabel bleibt.
Oliver Tank – Dreams
Eine wunderbares Kleinod ist das Album von Oliver Tank, auf den ich bei Bandcamp gestossen bin. Toller, Zeitlupen-Dream-Pop, zu dem man wieder sämtlichen Frust hinter sich lassen kann. Die EP Dreams überzeugt durch eine beruhigende Atmosphäre die an The Album Leaf erinnert,, die sich ja ihrerseits bei Sigur Ros die Inspiration abholen. Hierzu möchte man in den schottischen Highlands sitzen und alles an sich vorbei ziehen lassen.. .Oh Mist, da war ich ja, nur hatte ich Oliver Tank damals leider nicht im Gepäck. Wer also dieses Jahr dahin möchte, ihr wisst was ihr nun zu tun habt.
Enter Shikari – A Flash Flood of Colour
(Rough Trade, 13.01.2012)
Nintendo-Core, so hat man mal diese Subgenre genannt, in dem ein paar Kids ihren eh schon lahmen Crossover mit billigen und trashigen 90er Synthie-Sounds noch weiter verschlechterten. Enter Shikari machen nun auf politisch. Anstatt weiterhin prollige Prodigy Tribute Songs zu programmieren, machen sich die Jungs Gedanken um die Weltlage und das Ende ihrer Jugend. Ok, dass in England schon länger die Party vorbei ist, wissen wir spätestens seit dem wirklich gutem Hardcore-Hassbrocken “Grey Britain” von den Gallows, die einem tatsächlich ein Gefühl davon gaben, wie es ist in UK abgehängt und arm zu sein. Enter Shikari sind davon weit entfernt und klingen eher nach den Blackberry Riots des vergangenen Jahres und wie es ist gerade ein selbiges zu klauen und darauf in 5 min einen “Song” zu basteln. Nee, dann doch lieber gleich Atari Teenage Riot. Ach Scheiße England, wirklich?
The Maccabees – Given To The Wild
(Cooperative, 20.02.2012)
Die Maccabees habe ich mal vor ein paar Jahren als Vorgruppe der Editors gesehen und kann mich nur an ein paar Jungs in zu engen Hosen erinnern, die lustige Tanzschritte vollführten, während die Mädchen dazu fröhlich neben mir rumhüpften. Auf dem neuen Album Given To The Wild klingen sie nun endgültig wie eine Kopie der Foals und imitieren sogar deren letztes Album, das immerhin leichte Ausflüge in den Postrock unternahm. Der ruhige und langsame Song “Child” klingt fast 1:1 wie “Spanish Sahara”, ohne auch nur etwas Spannung erzeugen zu können. Danach gibt es noch ein paar Muse-Klimpersounds und Chris Martin von Coldplay gefällt das bestimmt auch, da hier interessante Ansätze gleich im hörbar teuren Produktionsmatsch untergehen. Ein sicherlich ambitionierter, aber auch gescheiterter Versuch nach dem Ende des Post-Punk Revial einen Schritt weiter zu gehen und eigenständig zu werden. Ach Scheiße England, wirklich?
The Big Pink – Future This
(Indigo, 13.01.2012)
Als die britische Retromania noch etwas cooler war, waren The Big Pink auch noch dabei. Es waren nicht die Smiths sondern unüberhörbar die Rave Bands der frühen 90er, die es den jungen Nachwuchsmusikern angetan hatten. Soll heißen: Hymnische Pop-Songs mit Dance Beats unterlegt und von Wall of Sound Gitarren unterstützt. Das hat damals, auf dem ersten Album, noch ganz gut funktioniert: The Girls Falls Like Domino war zwar proll as fuck, aber auch ein verdammter Hit. Das neue Album klingt wie 10 langweilige Remixe von diesem Lied und reiht sich ganz wunderbar in diesen unfassbar schwachen britischen Indie-Pop-Winter ein. Ach Scheiße England, wirklich?
Die Antwoord – Ten$ion
(03.02.2012)
Südafrika 2010, Vuzuela-Getröte und im Hype um den südlichsten Staat Afrikas auch ein kleiner Blogg-Buzz um die Trash-Rap Gruppe Die Antwoord, die mit merkwürdigen Videos auf sich aufmerksam macht und den Bonus als weiße Sonderlinge genießt. Da konnte selbst die Spex nicht nein sagen und schon war Rapper Ninja auf dem Cover des ansonsten so gestrengen Indie-Magazins. Ten$ion ist auch wieder kein Fall für Schöngeister sondern Menschen, die DSDS, Anime-Videos , Gaga-Kinofilme wie Crank und eben Die Antwoord zur gleichen Zeit konsumieren können. Mickey Mouse Stimme und Beats, die an die 00er Phase von Timbaland erinnern, werden einem mit dem Dampfhammer in die Ohren getrommelt, bis man wimmernd am Boden liegt oder irre lachend durch die Wohnung tanzt. Keine Ahnung, wie die das schaffen, aber im Gegensatz zu Enter Shikari meint man sich tatsächlich einzubilden, dass Ten$ion sogar noch anhörbar und ehrlich ist, ganz einfach weil Die Antwoord zu ihrem Trash stehen und daraus so etwas Hyper-Hip Hop-Pop entwickeln. Tja… Die Südafrikaner sind einfach die besseren Comic-Fuguren.