Hörenswertes 2011 – Die Vergessenen: Rustie, Real Estate, The Wombats, Los Campensinos, Destroyer

Wir bemühen uns ja nach bestem Wissen und Gewissen die Soundperlen aus dem großem Musik-Ozean zu fischen, aber selbstverständlich waren und wird es  immer wieder großartige Alben geben, die wir entweder aus verschiedenen Gründen ignorieren oder ganz einfach übersehen. Zumindest ein paar dieser Perlen sollen an dieser Stelle doch noch zu ihrem Recht kommen. Zum Jahresabschluss also nun die funkige Elektronik von Rustie, Zeitstillstand von Real State, knackiger Indie-Pop der Wombats und die Perfektion von Destroyer.

Rustie – Glass Swords

(Warp, 07.10.2011)

Aus den Ruinen der 80-Keyboardmonumente bastelt Russell Whyte aka Rustie seinen Sound und macht aus dunklen Instrustrial-Sounds tanzbare Rhythmen, die man in ihrer eigenen Funkyness wohl selten von Warp zu hören bekommt. Midi-Gefiepse, Vocoder-Gebrumme, Snare und sonstige Sound-Zutaten schmelzen in der Tat zu schillerndem Glas zusammen. Wer aus solchen Verbindungen eine Formel für ein kristallklares Dance-Album entdeckt, ist es natürlich wert auf einem der respektiertesten Labels der Welt zu veröffentlichen. Ein weiterer Rohdiamant der Londoner Talentschmiede, die nun nebenbei very unbritish auch den Underground Hip Hop entdeckt hat.

Real Estate – Days

(Domino,14.10.2011)

Quiet is The New Loud war ein Albumtitel der Kings of Convience und zugleich ein Slogan der Anfangs-00er Jahre. Der Anti-Sound zu Stress, Hektik und Macho-Rock der Amerikaner war Balsam für die gestressten Großstadt-Seelen. Bossa Noa Revival ist bei Real Estate allerdings weniger angesagt, sondern die Unplugged-Version von R.EM, Cure oder den Smiths.Der perfekte Sound für den Strand und für die Stunden, wo einfach alle Probleme Urlaub haben, im besten Falle gerade weil man mit Days genau diese so wunderbar vergessen kann.

The Wombats – This Modern Glitch

(Warner, 20.04.2011)

Wombats? Die sind doch diese 00er Trittbrett-Fahrer die wirklich noch kurz vor dem Ende des Retro-Rock alles zusammenfassten, was diese Bands mal so interessant gemacht hat und die dabei zwar wenig innovative, aber dafür tolle Songs zu bieten hatten. Die hatten aber die Kaiser Chiefs auch mal und keinen interessierte deren neues Album. Den Wombats hingegen gelingt auch auf dem zweiten Album sehr viel charmanter Indie-Pop und hier und da ein kleines Upgrade durch den  gegenwärtigen angesagten Electro-Sound. Eine ganze große Band waren sie nie und werden sich wahrscheinlich auch nie sein, aber sympathischen Indie-Pop können sie auf jeden Fall wie kaum eine andere der immer noch zu unrecht großkotzigen Brit-Bands.

Los Campensinos – Hello Sadness

(Rough Trade, 11.11.2011)

Es gibt Bands, zu derem letztem Album man noch minderjährig war und zum Nachfolger bereits verheiratet ist und 3 Kinder hat… und es gibt die Los Campeninson, die man beim Debut total genial und cool fand und bei deren Albumflut man sich nun doch irgendwie ein wenig hilflos vorkommt, so dass man sich erstmal eine Pause gönnen möchte. So ganz kommt man nicht mehr hinterher und Indie aus Britannien hatte auch schon mal einen besseren Ruf als momentan. Schade um die Band aus Wales, die immer noch chaotisch, energetisch und unberechenbar klingt.

Destroyer – Kaputt

(Cargo,10.06.2011)

Wie kann soviel Schönklang an einem vorbei gehen? Ich kann ehrlich gesagt darauf keine vernünftige Antwort geben: Vielleicht liegt an dem Bandnamen, der lärmende Dekonstruktion assoziiert und dann mit wunderbarstem 80er sozialsisierten Deluxe Pop überrascht. Eigentlich ist es wohl fast zuviel der Schönheit und es fehlt ein bischen die Verrücktheit von Arcade Fire sowie das artfremde Moment, das Destroyer womöglich ganz nach oben neben den geistesverwandten Bon Iver befördert hätte. Das nächste Album sollte aber bei dieser Qualität endgültig das zu erwartende Meisterwerk werden.

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