Hörenswertes Dezember 2011: Gotye, The Black Keys, Tycho, The Roots

So, die letzte Advends-Kerze wurde ausgeblasen und die Geschenke gerade noch rechtzeitig über Amazon bestellt. Wir haben noch ein paar schön verpackte Hörenswertes-Geschenke gebastelt und wer es immer schon zuckrig mochte findet mit GOTYE ein Präsent unterm Baum, das es schwer macht, nicht doch mehr zu naschen als es einem gut tut. Währenddessen sind die Black Keys schon vom Eierlikör ordentlich bedröhnt, aber doch immer noch brav genug, um Oma nicht zu erschrecken. Die Roots dagegen haben weniger mit Konsum-Ritualen am Hut und beten stattdessen lieber ein eindringliches Weihnachtsgebet.

Gotye – Making Mirrors

(Universal, 16.12.)

Wer kennt “Somebody That I Used To Know” mittlerweile noch nicht? Dieses entspannteste Stück Musik, was ich seit langem in den Mainstream-Charts gehört habe und bei dessem ersten Hören ich noch dachte, dass ich gerade einen bisher unbekannten Peter Gabriel Song, ca Anfang der 80er in seiner poppigen Phase hören würde. Das Album Making Mirrors habe ich trotzdem, auch mit Kenntnis seiner Vorgänger, mit erhöhter Skepsis als Promo angenommen und wieder das übliche uninspirierte Album hinter dem One Hit vermutet. Nein, so schlimm ist es wirklich nicht, oder um genau zu sein: Es ist sogar ziemlich gut und macht wirklich Spaß! Was an den überraschend vielen Uptempo-Nummern liegt, die sich doch frappierend von relaxten Someboys That I Used To Know unterscheiden. Making Mirrors ist überwiegend anachronistisch angehaucht und vermischt 60er-Soul mit Ausflügen in die 80er und 90er. Ein nettes Pop-Album, das sicherlich dem Mainstream zuzwinkert, aber trotzdem genug Substanz besitzt um auch uns elitären Musikliebhabern zu gefallen. Wir wissen natürlich, dass das ähnliche klingenden Grizzly Bear die noch bessere Wahl gewesen wäre und legen das Album unter den Weihnachtsbaum. Fair enough.

The Black Keys – El Camino

(Nonesuch / Warner, 02.12.2011)

Fast immer wenn Bands mit mexikanische klingendem Titel um die Ecke kommen hat man das Gefühl, dass es gleich nach Blut, Sperma, Schweiß und zuviel Alk riechen könnte. Eine eher wenig schöne Vorstellung, über die sich wahrscheinlich alle Testeron-Rocker dieses Planeten freuen würden und sich mit dieser Kategorie geehrt fühlen. The Black Keys sind zwar auch im Blues-Rock unterwegs, aber gerade bei dem letzten (stark kritisierten) Album “Brothers” wurde der Pegel nach unten gedreht und heftigst mit Soul experimentiert. Ein Experiment, was eher mäßig auf Gegenliebe stieß und El Camino wieder ein bischen reudiger erscheinen lässt als es eigentlich ist. Aber so ganz wollen die Beiden nicht von ihrer Liebe zu Gospel und Blues lassen und hinter brummenden Bass gibt es so wieder viel 70er Nostalgie. Eigentlich hat man das alles schon in den 90ern bei den Black Crowes und zu vielen 00er Retro-Bands gehört. Die Nachfolge von den White Stripes darf also gerne weiterhin diskutiert werden und solange Jack White mit seinen unzähligen Nebenprojekten die Musikwelt unsicher macht werden die Black Keys vorläufig auch weiterhin mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen müssen.

Tycho – Dive

(Ghostly International, 11.12.2011)

Stell dir es ist Weihnachten, du liegst am Strand und die der Ozean rauscht an dir vorbei. Wir müssen uns ja die kalte Jahreszeit mit erhöhten Zuckerdosen schön fressen, aber Serotonin direkt von Mutter Natur und fernab der nächsten Grippe-Welle kann kein Mensch schlecht finden. Tycho, den wir hier schon in der etwas vernachlässigten Mixtape-Rubrik (wird nächstes Jahr besser, versprochen!) vorgestellt haben, bringt allen Kältemuffeln und Schneehassern sonnenüberflutenden Ambient in die Wohnung. Dive ist eine  akustische Sonnenlicht-Therapie, für die ich persönliche jede morbide Untergangsmusik nur zu gern zur Seite lege und Dank Tycho schon ein bischen vom Frühling träume.

The Roots – Undun

(Def Jam / Universal, 02.12.2011)

Die Guten des Hip Hop sind zurück. Seit 20 Jahren liefern die Roots absolute Qualitätsarbeit ab und ich kann mich gerade spontan kaum an ein schlechtes Album der Gang aus Philadelphia erinnern. Schnelle Instant-Hits für den Club waren noch nie ihr Ding und Undun überzeugt ebenso wieder durch organischen und homogenen Sound, der mal jazzig verträumt oder soulig daher kommt, immer aber schön griffig und anspruchsvoll ist. Bis zum Schluss eigentlich ein normales Roots-Album, das sich aber gleich drei Instrumental-Stücke am Ende gönnt, die vielleicht für die Geschichte von Undun, das mehr oder weniger wie ein Soundtrack zu einem Film konzipiert wurde, wichtig sind, aber ansonsten nicht wirklich nötig gewesen wären. Die im Genre üblichen Titten & Arsch-Geschichten muss man auch weiter hin bei der Prollfraktion um David Guetta suchen, die Roots machen dagegen weiterhin Kopf & Seele glücklich.

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