Die 90er Jahre: Die besten deutschen Alben des Jahrzehnts VII

So, jetzt aber zum wirklich allerletzten Mal Musik aus der Heimat der 90er Jahre… Heimatliche Klänge gibt es hier gleich mehrmals zu hören. Sowohl Element of Crime als auch Fink spielen ihre ganz eigene Interpretation deutscher Liedermacherkunst und übernehmen damit den Barden-Thron, der von den in den 90ern schwächelnden, klassischen Chansonniers verwaist zurückgelassen wurde. Immerhin Franz Joseph Degenhardt macht mit schlichten und zugleich effektiven Klängen auf sich aufmerksam. Ansonsten dominiert der Nachwuchs: Störrischer Punk von …But Alive, Folkpunk mit einem Augenzwinkern von Mutabor, großer Alternative von The Notwist… Und dann gab es da noch eine kleine, schüchterne, zurückhaltende und unglaublich sympathische Sängerin, Judith Holofernes, die auf ihrem Debüt einige wunderbare Deutschpophymnen versammelt, die später in gepimpter – aber nicht unbedingt besserer – Form ihren Weg zu Wir sind Helden finden sollten.

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Germanys Next Topmodel in Dramenform transkibiert

Die großen Dramen dieser Welt, der Schmerz, die Leidenschaft, die tiefgreifenden Dialoge finden schon lange nicht mehr auf den Bühnen Deutschlands statt… sondern im Privatfernsehen. Als Abschlussarbeit in “Typographie & Layout” haben Gregor Weichbrodt und Grischa Stanjek die Finalshow des Pro7-Formats Germanys Next Topmodel (2011) transkribiert und in Dramenform gebracht. Wie es sich für die klassische literarische Form gehört, haben sie das ganze frei nach Reclam typographiert und designt. Schönes Projekt, bei dem sich nun Seite um Seite, Zeile um Zeile die Absurditäten, die Emotionen und die bemühte Epochalität der Castingshow nachlesen lassen. Leider noch ohne Veröffentlichungsdatum, dafür als eBook bei Issu zu bestaunen.

Jeder Rotz, jeder menschen-verblödende Schund, jedes sexistische und von Maschen durchtränkte Blabla, das in diesem ohrenbetäubenden Massenspektakel geprädigt wurde, ist hier feinsäuberlich abgetippt und in Dramenvers gesetzt. Das Layout errinnert dabei bewusst an Reclam.

Shakespeare sagte “All the world is a stage.” Hatte er damit die ständigen Werbeunterbrechungen gemeint?

via Nerdcore

Chromatic Typewriter – Farbe mit der Schreibmaschine

Großartiges Mashup-Kunstwerk des Künstlers Tyree Callahan. Dieser hat eine über 70 Jahre alte Schreibmaschine derlei umgebaut, dass sie nun Farben statt Buchstaben druckt. Die durch den Chromatic Typewriter entstandenen Bilder sehen überraschend unmechanisch aus, erinnern gar an abstrakte, impressionistische Gemälde und lassen keineswegs darauf schließen, dass sie durch Tastenanschläge entstanden sind.

Chromatic Typewriter by Tyree Callahan via Laughingsquid