Youki Filmfestival Nachlese

Gestern bin ich leider nicht mehr zum Bloggen gekommen, daher an dieser Stelle nochmal ganz kurz meine gesammelten Eindrücke vom 13. YOUKI in Oberösterreich zusammengefasst: Es war ja mein erstes Mal auf diesem Festival, und alles in allem kann ich das Fazit ziehen: Sehr gerne und jederzeit wieder. Dank eines etwas chaotischen Managements und einer gelassenen Spontanität, was die Programmgestaltung betrifft, hebt sich das YOUKI atmosphärisch auf hervorragende Weise von anderen Festivals ab. Statt einer sterilen “Roter Teppich”-Atmosphäre, geht es jung, gemütlich und familiär zu. Die einzelnen Veranstaltungen haben sich dieses Jahr auf  vor allem zwei Locations verteilt: Den alten Schl8hof in Wels, sowie das Youki-Dorf, dessen Mittelpunkt der Austria Tabak Pavillon bildete. Beide Veranstaltungsorte hatten etwas herrlich Entspanntes an sich, waren keine hochgestochenen Medienzentren sondern warmherzige Orte, die zum Relaxen und Rumhängen eingeladen haben. Während im Pavillon nachmittags die Talkrunden des Filmsofas stattfanden, wurden sowohl die Filme der internationalen Competition als auch Screenings außerhalb des Wettbewerbs im Schl8hof präsentiert. Darüber hinaus gab es dort auch jeden Abend Konzerte, Partys und am Samstag die Abschlussgala, die Dank ihrer witzigen Inszenierung, Kürze und Kompaktheit ebenfalls kein No-Go war, wie es bei solchen offiziellen Veranstaltungen ansonsten  leider viel zu oft der Fall ist.

Aber kommen wir zum eigentlichen Programm. Dass EWE nichts gewonnen hat, könnt ihr euch sicher denken. Sonst hätte ich diesen Beitrag mit einem langgezogenen Jaaaaa eingeleitet oder zumindest tausende von lachenden Smilies gepostet. Die Konkurrenz war aber verdammt stark und es fällt mir auch gerade gar nicht so leicht einzelne Favoriten rauszusuchen. Der Gewinnerfilm unserer Kategorie (Ü20) war Die und der von da und dort von Lisa Weber aus Österreich. Dieser Sechsminüter hat sich den ersten Platz auch mehr als redlich verdient: Lisa Weber zeigt Touristen in und um Wien in einem klassischen fotografischen Setting vor mehr oder weniger berühmten Sehenswürdigkeiten. Während die so gefilmten innehalten, als würden sie für das nächste Bild des Familienalbums posieren, erzählt Weber im nüchternen und trockenen Ton, woher sie kommen, was sie in Wien suchen, was ihnen gefällt… Erheiterndes, Belangloses, Nachdenkliches… Dank ihres trockenen Humors, ihres subtilen Pathos und einem empathischen Gespür für die gezeigten Menschen sind diese Kommentare immer perfekt auf den Punkt, stecken voller Poesie, Schönheit, feingeistigem Humor und einer spröden Nachdenklichkeit. Ein besonderer Moment ist immer das Ende der Aufnahme, wenn sich die Posierenden aus ihrer Starre lösen, erleichtert aufatmen, lachen oder einfach aus dem Bild verschwinden, während die Linse weiter auf sie gerichtet ist. In diesen Momenten wird aus Die und der von da und dort ein kleines dokumentarisches Meisterwerk, das einzelne Menschen in einer Sekunde einfängt, in der sie ganz sie selbst, ungezwungen und frei sind: Ein wirklich spannendes Experiment zwischen Dokumentation, bissigem subtilen Humor, sehr viel Empathie und dem Gespür für das Leben hinter dem Fotografischen.

Auch der Gewinner der Kategorie von 14 bis 19 Jahre ist ein kleines Meisterwerk. Inosensya von Mikhail Red erzählt in leisen und poetischen Bildern die verstörende Geschichte eines Jungen, der mit einer repressiven, verkommenen und unvernünftigen Gesellschaft konfrontiert ist. Dabei verlässt sich der philippinische Film ganz auf die Kraft seiner fast schon lyrischen Aufnahmen, pendelt geschickt zwischen Kargheit und expressivem Surrealismus und kreiert so einen ganz eigenen harmonisch disharmonischen Narrationskosmos. Kaum zu glauben, dass dieser so intelligente, komplexe und verwobene Film von einem Neunzehnjährigen stammt. Den Gewinnerfilm der Kategorie 10 – 14 Jahre Kinder an die Macht konnte ich leider nicht sehen, begründet wurde dessen Auszeichnung mit seiner “perfekten Dynamik” und “frischen Machart”.

Darüber hinaus gab es – wie bereits gesagt – eine Menge großartiger Filme zu sehen. Um nur ein paar meiner persönlichen Favoriten zu nennen: Das angenehm subtile, großartig gespielte, leise Sozialdrama Heimatlos von Magdalena Gruber, der schön menschelnde britische Dokumentarfilm The Skills Exchange von Chocolate Media, der wunderbar musikalische Dokumentarfilm Beyond Boxes von Sonia Suvagau, der nicht nur mit seinen spannenden Bildern sondern ebenso der großartigen Musik von Sebastian Hugeneck begeistert… Dann aus der etwas schrägeren Ecke der irrige Trip Barbie und ihre Freunde von Heike Breitenfeld, sowie die wirklich kaputte, dekonstruktivistische, selbstreferentielle WTFige Satire Ein klassischer Film Noir in dem ein Mann eine Frau trifft (in schwarz-weiß) von Lukas Sedmik und Thomas Leitner; für die ruhigeren Momente, das poetische und zugleich authentische Porträt Can I say something? von Lorena Simmel, die verstörend dunkel lethargischen Impressionen von Villa Helias August/September und das knisternd romantische Drama Die Inseln, die wir sind. von Clara Stern. Ein paar geniale Filme habe ich jetzt bestimmt vergessen zu erwähnen, die hier Genannten sind mir aber alles in allem am eindringlichsten im Gedächtnis geblieben.

Summa Summarum war das gesamte Filmprogramm verdammt stark und die Auszeichnungen mehr als verdient. Gerade Dank der offenen Struktur vom Experimentalfilm über den Trash über die Dokumentation bis zum klassischen Fiction-Stoff kam bei den gezeigten Filmen nie Langweile auf. So konnte es durchaus passieren, dass ein zweiminütiger Stop-Motion von einem zehnjährigen Regisseur auf ein düsteres Musikvideo eines Ü20ers stieß und diese beiden von einemverschachtelten Experimentalfilm ergänzt wurden. Und genau das ist es dann ja auch, was man sich von einem Nachwuchs-Festival erhofft: Viele unterschiedliche, frische Ideen, Mut zum Experiment und zum anderen Erzählen… eben all das, wofür man das unabhängige junge Kino liebt…

Farewell YOUKI… hoffentlich bis zum nächsten Jahr.

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