Die 90er Jahre: Die besten deutschen Filme des Jahrzehnts III

Aus und vorbei! Das ist der letzte Teil unserer Retrospektive der besten deutschsprachigen Film. Zum Schluss gibt es den spannenden Thriller 23, den mehr als verstörenden Schlafes Bruder, mit Schtonk! wenig Subtiles von Wedl, Emotionales und Sinnliches mit Aimee & Jaguar und Nostalgie in der Sonnenallee. Viel Spaß mit der Erinnerung an diese Filme, die aus der Zeit zwischen Helmut Kohl und Gerhard Schröder entstammen und eventuell doch die sicherlich berechtigte Skepsis gegenüber deutschen Filme beiseite legen. Wir können tiefsinnig, lustig und spannend sein…wenn man es die Richtigen machen lässt.

23 (Hans-Christian Schmid)

(Deutschland, 1998)

Karl Koch starb am 23.05.1989 im Alter von 23 Jahren. Er gehörte einer Gruppe Hacker an, die in Kooperation mit dem KGB in westliche Computersysteme einbrach. Dieser faszinierende Stoff war die Vorlage für den Film 23, der weit vor Anonymous und Lulsec den Idealismus eines Menschen charakterisiert, der später an Wahnvorstellungen und seiner Faszination für Weltverschwörungs-Phantasien zugrunde geht und an bis heute an nicht geklärten Umständen stirbt. Diese Mischung aus Wahn, aber auch beunruhigenden Zufällen macht aus 23 einen spannenden Thriller, der gerade aktuell Dank Wikileaks und den bereits angesprochenen Hacker-Gruppen wieder an Brisanz gewonnen hat.

Schlafes Bruder (Joseph Vilsmaier)

(Deutschland, 1995)

Die Vorlage zu diesem düsteren Heimatfilm lieferte mal wieder ein Österreicher. Der Roman Schlafes Bruder war ein Weltbestseller und Joseph Vilsmaier, später bekannt durch Comedian Harmonists, verfilmte 1992 den düsteren Stoff. Der mitunter krude und aufwendige Mix aus Heimatfilm, Mystery und Literaturverfilmung ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber Vilsmaier erschafft hier um das Dorf Eschberg einen bedrohlichen Mikrokosmos, der keinen Zuschauer emotional kalt lassen kann. Mit Kosten von 15 Millionen zudem eines der ambitioniertesten deutschen Projekte der 90er Jahre.

Schtonk! (Dieter Wedl)

(Deutschland, 1992)

Wie schon bei 23 liefert manchmal das Leben selbst die besten Filmvorlagen: So zum Beispiel die eigentlich unglaubliche Geschichte des Hochstaplers Konrad Kujau, der angebliche Hitler-Tagebücher für 9,3 Mio D-Mark an den Stern verkaufte und trotz eher mittelmäßiger Arbeit erst nach einiger Zeit mit seiner gelogenen, erdichteten Geschichtsschreibung aufflog. Helmut Dietl, bekannt durch 80er Serien wie Monaco Franze und Kir Royal, gelang mal wieder kein besonders subtiles Werk, aber mit großartigen Schauspielern, allen voran Götz George, eine sehr unterhaltsame Satire um Führerkult und Sensationsgier der Medien.

Aimee & Jaguar (Max Färberböck)

(Deutschland, 1998)

Eigentlich klingt das nach einem Männertraum und erotischem Vergnügen: Zwei Frauen, die eine Liebesaffäre beginnen, inklusive einiger knisternder Bettszenen. Das mag zwar den ein oder anderen Zuschauer in die Kinos gelockt haben, aber statt seichter Hochglanz-Erotik ist Aimee & Jaguar ein Melodram um eine Amour Fou zu Zeiten des Nazi-Terrors. Die leidenschaftliche und doch hoffnungslose Liebe zwischen der Jüdin Felice und Lily, der Ehefrau eines Wehrmachtssoldaten, ist sinnlich und bedrückend zugleich. Ein dichtes, hochemotionales Drama: Der Golden Globe für den besten fremdsprachigen Film war mehr als berechtigt.

Sonnenallee (Leander Haußmann)

(Deutschland, 1999)

Der Film, der sicherlich nicht unbeteiligt an der Ostalgie-Welle war und diese mit der Mischung aus leichter Systemkritik und nostalgischer Verklärung sogar mit auslöste. Wo vorher die DDR ausschließlich auf Stasi und Mauerbau reduziert wurde, beschäftigte sich mit Sonnenallee ein Kinofilm zum ersten Mal auch mit den Menschen, ihrem Alltag und ihren Jugend-Erinnerungen. So bekam der Staat “hinter der Mauer” auch für Wessis ein Gesicht und eine Geschichte, abseits von düsterer West-Propaganda. Sonnenallee beschäftigt sich natürlich auch mit den dunklen Kapiteln der DDR-Geschichte, legt aber einen besonderen Wert auf die Sehnsüchte, Probleme und Träume ihrer ganz normalen Bürger.

Abbuzze! (Roland Willaert)

(Deutschland, 1996)

Das Drehbuch zu diesem Film schrieb das hessische Komiker-Duo Badesalz. Wobei… welches Drehbuch eigentlich? Grob zusammengefasst: Es treffen sich zwei sehr unterschiedliche Menschen in einem Aufzug, der während der Fahrt stecken bleibt. Was dann folgt, ist eine komplette bescheuerten Aneinanderreihung von absurden Badelsalz-Sketchen, die zwischen Anarchie und Klamauk pendeln und wegen ihres Irrsinns aus diesem Kinoausflug der Comedians einen Kultfilm gemacht haben. Nur Helge war besser. Alternde Komiker wie Otto dagegen wurden angesichts des nicht vorhersehbaren Humors von Abbuzze vom Badesalzschen Cinemascope locker überrundet… und Mario Barth hat bestimmt schon damals die ewig gleichen miesen Witze erzählt, nur in einem kleineren Rahmen. Achja, gute alte Zeiten!

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