Die 90er Jahre: Die besten deutschen Filme des Jahrzehnts II

Ein wenig lustiger und absurder als im ersten Teil geht es heute weiter. Schuld daran sind mal wieder die Ösis, die uns mit Single Bells und Hinterholz 8 zwei schwarzhumorige Perlen geschenkt haben. Doch auch wir Deutschen mussten uns im 90er Jahre Kino keinesfalls verstecken und schickten Uns Helge ins Rennen, der auch heute neben Ausnahmen wie Studio Braun immer noch ein Leuchtturm in den seichten germanischen Humorgewässern darstellt. Kleine Haie mag gegen den Ideenreichtum eines Schneider kein Land zu sehen, ist aber ein schöner Generationenfilm der beginnenden Dekade.

Single Bells (Xaver Schwarzenberger)

(Österreich,1997)

Weihnachtshasser, hier ist euer Film! Ein alljährliches Weihnachtsfest, zu dem sich alle Familienmitglieder genötigt fühlen und auf das niemand wirklich Lust hat, entwickelt sich nach einem banalen Streit zu einem absurd-komischen Reigen. Wenn einen die eigene Familie wieder mit dem kleinen Lord nervt  ist dieser schwarzhumorige Film von Xaver Schwarzenberger, der sich natürlich dreist bei dem US Orginal “National Lampoon’s Christmas Vacation” bedient,  eine willkommene Abwechslung zu dem verordneten Harmonie-Terror, der uns zum Ende des Jahres heimsucht. Nochmals Danke, liebe Ösis!

Hinterholz 8 (Harald Sicheritz)

(Österreich,1998)

Und unsere Begeisterung für den filmischen Output unserer österreichischen Freunde und Nachbarn reißt nicht ab. Irgendwer scheint denen, im Gegensatz zu uns, verboten zu haben, in  jede Klischeekiste dieser Welt mit Anlauf reinzuspringen und diese auf Spielfilmlänge aufzublasen. Hinterholz 8 beginnt als kleine gemeine Provinz-Posse und wartet mit  absolut überraschenden Wendungen auf, bei denen man entweder laut loslachen oder einfach nur mit dem Kopf schütteln möchte. Alles, bloß nicht konventionell oder auf Klischees gebaut.

Kanak Attack (Lars Becker)

(Deutschland, 2000)

Hmja, erschien ja eigentlich 2000… Aber wenn wir mathematisch genau sind gehören die ja zu den 90ern, nicht? Endlich hatten auch die Deutschen mit Migrationshintergrund ihren Superstar: Die deutsche Gangsta-Komödie Kanack Attack, die eine Verbeugung vor den Blacksploitation-Filmen der 70er ist, und in verschiedenen Episoden das Leben von ein paar türkischen Kleinganoven karikiert, ist eine wunderbare Farce und ein großartiges Fest für alle Freunde der Kombination aus Comedy, Coolness und Crime.

Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem (Helge Schneider)

(Deutschland, 1993)

Was habe ich den Müllheimer anfangs gehasst. Ich war als Kind noch deutsche Unterhaltungskunst gewohnt, die sattsam bekannte Sketche aufführte, über die das Publikum wie vom Band und auf Befehl loslachte. Im teutonischen Schenkelklopfer-Humor bleibt Schneider, gerade in Zeiten von Mario Barth und Cindy aus Marzahn, bis heute immer noch eine Ausnahme-Erscheinung.  In seinem dadaistischen Spiel erkennt man, wie der Mann nicht nur als hevorragender Jazzmusiker Improvisation und Professionalität verbindet, sondern diese Elemente auch in seine Filme mit einfließen lässt. Wäre Texas ein Album, müsste man ihn am ehesten mit Free Jazz vergleichen: So richtig lässt sich der Quasi-Western um die beiden Hauptfiguren Doc Snyder und Nasenmann nämlich nicht einordnen. Der typische “Pass auf, gleich wird es besonders komisch” Erwartungs-Humor muss hier außen vor bleiben und dennoch gelang es dem Film überraschenderweise ein großes Kinopublikum zu begeistern. Ein großer Erfolg, den sonst nur Monty Phyton vollbracht haben.

Kleine Haie (Sönke Wortmann)

Es muss nicht immer innovativ sein. Sönke Wortmanns Kleine Haie ist einfach eine nette und charmante Komödie um ein paar junge Leute, die nicht so wirklich wissen was sie mit ihrem Leben anfangen sollen, sich mit diversen Jobs über Wasser halten, aber nie  den ganz großen Traum aus den Augen verlieren. Einfach ein sympathische Film über Freundschaft und vielen kleinen Abenteuer, die das Leben zu bieten hat, wenn man etwas wagt. Der Kinofilm war der Startschuss für viele damals noch unbekannt deutsche Schauspieler wie Rufus Beck, Michael Kessler und Jürgen Vogel und ist vielleicht auch so etwas wie die deutsche Antwort auf die US-Slackerkomödien der 90er Jahre.

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