Hörenswertes August/September 2011:Hard-Fi, The Rapture, The Drums, Lanterns On The Lake

Hochsommer ist ja traditionell nicht die tollste Zeit für großartige Alben. Die Plattenindustrie hebt ihr größten Schätze meist für die eklig kalten Herbstmonate auf, in denen wir lieber in unser Wohnung Musik hören als draußen zu grillen oder schnellstmöglich in den Park zu flüchten. So richtig ergiebig ist unsere Auswahl für August auch nicht gewesen, so dass wir an diese einfach schon gleich – und etwas verspätet  ein paar Alben für September mit dran hängen. Während The Drums noch in Gedanken an den Sommer sind und diesen mit Melancholie verabschieden, sind Laterns On The Lake schon in einer heftigen Herbst-Depression angelangt. Wem das noch viel zu früh ist kann bei Hard-Fi abzappeln oder mit The Rapture noch die letzte Welle surfen gehen.

Hard-Fi – Killer Sounds

(Warner,19.08.2011)

Die gibt es auch noch? Hard-Fi waren mal Mitte der 00er Jahre einer dieser.. ach nee, The-Bandnamen waren ja bereits 2005 nicht mehr so der heißeste Scheiß, wenn auch auf dem kommerziellen Zenit. Hard-Fi sprangen mit auf den Zug auf und hatten mit Stars in CCTV ein schönes Hit-Album, das tolle Songs abwarf und auch die Kritiker überzeugte. Der größte Hit Hard To Beat war zwar sicherlich knallhart für die Indie-Clubs und das Radio konzipiert, aber bringt auch heute noch die Hütte zum Brennen, ohne das einen hinterher ein merkwürdiges Schamgefühl überkommt. Wie so ziemlich alle Brit-Bands der 00er Jahre folgte dem überzeugenden Debüt-Album ein mittelprächtiger Aufguss und nun werden nach längerer Pause “Killer-Sounds” versprochen. Die sind es nicht geworden, aber eine nette Neu-Ausrichtung als frische Alternative Rock Band der das Gespür für gute Melodien doch noch nicht ganz ausgegangen ist.

The Rapture -In The Grace Of Your Love

(DFA / Cooperative / Universal,02.09.2011)

Die gibt es auch noch? The Rapture waren mal Anfang der 00er Jahre einer dieser schwer angesagten The-Bands, die zumindest auf den ersten Alben noch für größere Aufmerksamkeit sorgen konnten, danach aber irgendwie in der Versenkung verschwanden. Und wohl kaum einer weiß genau, wie eigentlich das letzte Rapture-Album klang. So großartig viel hat sich auch gar nicht geändert,The Rapture klingen immer noch wie die New York Version von Phoenix und verbinden Post-Punk mit euphorischem Wave-Sound, allerdings wieder mit Hit-Charakter und netten kleinen Spinnereien wie den Balkan-Anleihen von “Come Back To Me”. In The Grace Of Love macht seinen etwas angestaubten 00er-Sound eh mit Vielseitigkeit und schmissigen Melodien wett, bei denen man tatsächlich Surfen und kalifornische Sonne vor dem geistigen Auge hat. Schade… hätte 2002 noch die Weltherrschaft bedeutet, aber ist 2011 eben doch nur ein Mini-Comeback für Freunde des 00er-Retro-Sounds, der allerdings hier in überzeugender Form und guten Songs vorbei schaut. Alte zerrissene Chucks haben ja schließlich auch ihren speziellen Charme…

 

The Drums – Portamento

(Moshi Moshi / Cooperative / Universal,09.09.2011)

Von den Hypes von vorgestern und vorvorgestern nun zu einem Hype, der eigentlich gerade mal ein Jahr alt ist und einem trotzdem schon ewig lang vorbei vorkommt. Keine Ahnung, warum die Drums nicht weltweit auf Platz 1 waren und Let`s go Surfin neben Barbara Streisand nicht zu einem absoluten Welt-Hit wurde. Naja, aber es konnte sich ja auch keiner für die ebenfalls tollen The Soft Pack begeistern. The Drums haben das Problem vieler junger Bands, nach einem sträflich mißachtenden Debut nun direkt unter Erfolgszwang zu stehen und sich schon nach nur 2 Alben zwischen Mainstream und eigenen Ambitionen zu entscheiden zu müssen. Die Drums haben zur Freude des Kritikers den letzten sicherlich weniger erfolgsverheißenden Weg eingeschlagen und ihre Sound sperriger und ohne Direct Hits gestaltet. Portamento muss man sich tatsächlich ein paar Mal hören, bis man erkennt das sich die Drums von einer Hype-Combo zu einer erwachseneren Band entwickelt haben, was angesichts der kurzen Zeit mehr als bemerkenswert ist. Das Debutalbum war für den beginnenden Hochsommer, Portamento ist der Spätsommer, mit der Drums eigenen Mischung aus Tanzbarkeit und durchgängiger Melancholie.

Laterns on The Lake – “Gracious Tide, Take Me Home”

(Cooperative, 23.09.2011)

Sigur Ros ist so einer der ersten Referenzen, die mir bei Laterns on The Lake einfallen …und das war und ist nie die schlechteste Assoziation, die einen zu einer jungen Band einfallen kann. Traumhaft schöne Meldodien lassen einen in der Tat an einen Nachstpaziergang an den Ufern von Newcastle erinnen. Wer schon einmal dort gewesen ist, wird sich direkt in den tollen dramatischen Songs wiederfinden und alle anderen können sich dank “Gracious Tide, Take Me Home” das leise Rauschen der Nordsee und die malerische Atmosphäre bei der Einfahrt nach Newcastle in ihrem Kopfkino vorstellen. Das ist hier definitiv kein Sommer, sondern schon der graue englische Nebel der an der Küste entlang zieht und einen wohligen Schauer hinterlässt.


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