Die 90er: Die besten Alternative Rock-Alben des Jahrzents IV

So, hier nun der bereits vierte Teil unsere Alternative Rock Retrospektive. Die 90er Alternative Rock Alben waren also vielleicht gar nicht mal soo schlecht wie man sich das vorgestellt hat und heute gibt es mit u.a. Red Hot Chilli Peppers und Muse bekannte Namen, deren Erfolg bis heute anhält.

Red Hot Chilli Peppers – Californication

(Warner, 1999)

Ok, ein wenig vorhersehbar ist unserer Auswahl der besten Alternative Alben schon geworden, aber auf Californication kann sich nun mal wirklich jeder einigen. Auch wenn es gleich Gezeter gibt, aber ich halte dieses Album tatsächlich für besser als das sicherlich auch tolle “Blood Sugar Sex Magic” und das total unterbewertete “One Hot Minute”, welches ich sogar fast auf einer Stufe mit Californication sehe, das dessen Großartigkeit dann letzten Endes aber doch weichen muss. Irgendwie ahnten gegen Ende des Jahrtausends die meisten wohl schon bei der Heimkehr von Dauer-Junkie und Gitarren-Gott John Fruiscante, das alles wieder gut würde. Als dann auch noch Rick Rubin das ehemalige “Blood Sugar Sex Magic”- Team wieder auferstehen ließ, kam wahrhafte Euphorie auf. Berechtigte Euphorie bei dem Erscheinen von Californication, und berechtigte pure Begeisterung über die Wucht von Around The World, der ruhigen Schönheit von Road Trippin oder Glanzleistungen wie The Other Side. Fruiscante erwies sich als Glücksfall für die Band, die man schon ein wenig abgeschrieben hatte und bescherte ihnen anhaltenden kommerziellen Erfolg in den 00ern,wenn auch mit zweifelhaften Ergebnis und zunehmender Egomanie. Die bittere Abrechnung mit dem kalifornischen Oberflächlichkeit ist aber immer noch über jeden Zweifel erhaben.

Skunk Anansie – Stoosh

(Epic, 1996)

Eine lesbische Schwarze, die Frontfrau einer anfangs harten Alternative Rock Band war.  Jap, ich zucke auch nur mit den Achseln und würde “so what” sagen, aber in den 90ern war das trotz fortschreitendem Feminimus irgendwie immer noch freaky. Aber wenn Skin zwischen Sehnsucht und Hass wechselt, ist eh jede Gender-Diskussion vergessen und man sperrt nur den Mund sprachlos angesichts des ungestümen Sounds auf, der da aus den Boxen bläst. Leider brach Skunk Anansie die radiofreundliche Single Hedonism das Genick und ab da wurden die einstmals spannenden Alternative Rocker austauschbar und langweilig. Stoosh brachte jedenfalls wieder neues Blut in den lahmen Crossover-Sound und ein Opener wie”Yes It’s Fucking Political” zeigt, dass es sich bei Skin und ihren Mannen um junge, hungrige Rock-Kämpfer handelt.

Muse – Showbiz

(Mushroom, 1999)

Hach, das waren noch Zeiten. Als Muse junge Bubis waren und zwischen Smashing Pumpkins und Nirvana eine Nische fanden, die so schön nach Zukunft klang. Nix Zukunft… Stattdessen sind sie lahme Progger geworden, denen zudem noch jegliche Selbstironie abhanden gekommen ist. Sunburn mag zwar auch überkandidelt sein, aber trotzdem bekommt Mathew Bellmay noch die Kurve und lässt damit sogar um die Jahrausendwende Placebo hinter sich. Showbiz war vielleicht wie OK Computer ein Album, das schon mal die Tür den 00ern Jahren öffnete. Hätte man da mal länger durchschauen können, würde man eine Band sehen, die mittlerweile schon Ufos durch die Luft steigen lassen muss, um zu bestehen, weil ihnen rein songtechnisch nichts mehr einfällt.

Feeder – Yesterday Went To Soon

(Echo, 1999)

Wäre ja fast bei den Britpop-Alben gelandet,wenn Feeder nicht so extrem zu den Foo Fighters geschielt und neben Balladen auch mal ordentlich auf der Gitarre geschrubbt hätten. Bei all der Übermacht der Amis im Alternative Rock sind die Engländer fast ein wenig untergegangen, aber Grant Nicholas brachte ab diesem Album noch zwei Meisterwerke raus und machte seine Band Feeder in den USA groß, während Deutschland die Band stets missachtete. Tja, wie immer schade um die verpasste Chance und um ein große 90er Band, die man heute eher in kleineren Locations und mit mittelmäßigen Alben bewundern kann.

Dandy Warhols – …The Dandy Warhols Come Down

(Capitol,1997)

Vielleicht waren die New Yorker einfach zu früh dran, denn in den 90er war die Mischung aus Drogen UND stylishen Modebewusstsein noch nicht so wirklich akzeptiert. In den USA wegen ihrer Subversität eher verpönt konnten die Dandy Warhols sich gerade in Europa größerer Beliebtheit erfreuen und schafften sogar später mit einem Song für einen Vodafone-Commercial auch den Charts-Durchbruch. Der an Velvet Underground erinnernde Sound ist allerdings auf diesem Album am coolsten.

 

Staind – Dysfunction

(Electra, 1999)

Nu-Metal und Alternative Rock? So weit standen die beiden Musikrichtungen eh nie auseinander, Staind kopierten einfach dreist den Erdbeben-Sound von Korn und gaben den ganzen die Grunge-Traurigkeit von Alice In Chains, die unüberhörbar Pate für Dysfunction waren. Das mag zwar alles konstruiert wirken, aber es funktioniert nun mal perfekt. Sänger Aaron Lewis verfügt dann auch noch über die Zwitterstimme eines Lanye Stanley, der gefühlvoll singen und schon in der nächsten Minute aggressiv shouten kann. Ein Album das zeigt, warum Nu-Metal eine zeit lang ein treuer Begleiter durch düstere Teenager-Tage war.

Semisonic – Feeling Strangely Fine

(MCA, 1998)

Ja, man hätte hier auch Our Lady Peace oder Better Than Ezra nenne können und genau das gleiche Kopfkratzen als Reaktion bekommen. All diese millionenfachen Alternative Rock-Bands waren irgendwann kaum noch zu unterscheiden und gerade hier in der Alten Welt hat man eh nichts von ihnen mitbekommen. Semisconic waren auch nicht unbedingt anders als die anderen MTV-Bands, aber hatten auf Feeling Strangely Fine schönen College Rock, den man sicher so tausendfach gehört hat, aber mit guten Melodien und charmanten Songs überzeugen konnte und mit Dan Wilson gab es wohl nerdigsten Nicht-Rockstar den eine Band als Sänger haben kann.


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