Zelda-Retrospektive III: Kurioses und Absurdes

Dass Nintendo seine Ikonen und Sprites gerne prostituiert dürfte ein offenes Geheimnis sein. Und dennoch sind sie mit Link, Zelda und Hyrule weitaus respektloser umgegangen als mit jeder anderen ihrer Franchises (inklusive Mario). Hand aufs Herz: Link is a fucking Bitch! Ausgeschlachtet, adaptiert, dem Fernseher, dem Werbemarkt und Philips hilflos ausgeliefert und von diesen erbarmungslos vergewaltigt. The Legend of Zelda hat so einiges an merkwürdigen Adaptionen durchgemacht, und mehr als einmal darf man sich dabei fragen: Wo ist der Respekt, wo ist die Würde, wo ist der menschliche Anstand? Hier jedenfalls nicht. Denn wir erinnern noch einmal an Links peinlichste Aussetzer, Karrieretiefpunkte und Prostituierungen…

Die Respektlosigkeit beginnt schon bei der Werbung für die großen, wirklich großen, Spiele der Franchise. Eigentlich sollte man ja davon ausgehen, dass Klassiker wie A Link to the Past auch würdig vermarktet werden… Denkste. Anfang der 90er Jahre durften die Zelda-Fans in der japanischen Werbung ein groteskes Tanzvideo bestaunen, in dem Link, sein Onkel und diverse gute und böse Wesen des Spiels einen feisten Tanz aufführten.

Während dieser respektlose Auswuchs der Nintendo-Commercials zu den bekanntesten peinlichen Zelda-Ausflügen gehört, wissen nur die wenigsten Fans, dass die Kombination von Link + Rap-Musik + Anbiederung an die junge, coole, hippe Zielgruppe eine traurige Tradition in der Werbeclip-Landschaft hat. Bereits 1986 wurde der Klassiker schlechthin – The Legend of Zelda – in den USA von zwei unter Drogeneinfluss stehenden rappenden Nerds präsentiert, deren spielerisches Talent – zumindest dem Spot nach zu urteilen – eher rudimentär ausgeprägt war:

Zumindest etwas cooler war der Rap zum Game Boy Einstand der Franchise. Link’s Awakening bekam für seine Werbung einen ordentlichen, natürlich voll im Geist der mittleren 90er Jahre stehenden Hip Hop Track spendiert, der sogar ins Deutsche übersetzt wurde und hierzulande im Vormittagsprogramm unzählige Male lief. Irgendwie schon ganz cool, aber erstens vollkommen respekt- und würdelos, und zweitens nicht im Geringsten zur Atmosphäre von The Legend of Zelda passend… ABER, immer noch besser als der irgendwie putzige, irgendwie lustige und alles in allem grauenhafte, scheußliche, brutale Clip, der Links Awakening in Japan spendiert wurde.

Okay, so viel dazu. Kommen wir zur richtigen Zelda-Prostitution: Action-Figuren? Checked!

Frühstücksflocken? Checked! Übrigens in trauter Zweisamkeit mit Mario, der auch des öfteren mal sein Gesicht für allerlei Produkte in die Kamera halten musste.

Nintendo ging schließlich sogar so weit, Link als Werbeträger für die Produkte anderer Hersteller einzusetzen. So durfte der kleine Elfenjunge Mirinda seine Popularität leihen, und einmal so richtig schön aus der Rolle fallen. Soft-Drinks in Hyrule? WTF?

Aber das ist natürlich alles nichts, im Vergleich zu der Zeichentrickserie, die von September 1989 bis Dezember 1989 produziert wurde, genau 13 Folgen aufweist und wohl mit zum Peinlichsten und Desaströsesten in Links Karriere überhaupt zählt. Das nervige “Well, excuse me princess!” wurde sogar sowas wie ein populäres Mem, und wenn jemand Link mit diesen Worten zitiert, kann man sich sicher sein, dass es nicht schmeichelnd gemeint ist. Auch abseits dieses Oneliners sind die 15minütigen Episoden, die im Rahmen der The Super Mario Bros. Super Show! (1989 – 1991) liefen, eine Totalkatastrophe. Link wird zur tollpatschigen, nervtötenden und altklugen Witzfigur, Zelda ist keine würdevolle Prinzessin sondern eine anstrengende Dauernörglerin und Ganon wird zum Wildschwein degradiert.

Aber immerhin behielt Link in Videospielform seine Würde… Von wegen! Es gibt ein dunkles und erschreckendes Zelda-Game-Kapitel, dass sowohl Nintendo als auch die Spieler nur allzu gern unter den Teppich kehren würden. Anlässlich eines Deals zwischen Nintendo und Philips, die ursprünglich ein CD-Addon für das SNES entwickeln sollten (was schleißlich nie umgesetzt wurde) sicherte sich Philips die Rechte an verschiedenen Nintendo-Figuren, zu denen neben Mario auch die Hyrule-Sprites zählten. Und so kam es, wie es kommen musste. Als Philips schließlich 1990 das CD-i als Stand-Alone-Konsole veröffentlichte, erschienen auf dieser Plattform auch drei Zelda-Spiele, von Philips selbst entwickelt. Es muss wohl kaum erwähnt werden, wie katastrophal sich Zelda ohne den Geist Nintendos (und vor allem Miyamotos) spielte: Die Story ein Witz, die Steuerung unsäglich blöde, die Rätsel altbacken, das Art-Design würdelos, und der Schwierigkeitsgrad dank viel Trial and Error und der miesen Kollisionsabfrage weit über jede Frustrationsgrenze hinaus. Weder atmosphärisch noch spieltechnisch konnten es Link: The Faces of Evil, Zelda: The Wand of Gamelon und Zelda’s Adventure mit den Top-Titeln Nintendos aufnehmen. Waren die ersten beiden misslungene Sidescroller mit albernen Comiczwischensequenzen, so versuchte Zelda’s Adventure zumindest das klassische Action Adventure Prinzip (inkl. Draufsicht) umzusetzen, scheiterte aber auch dabei mit albernen Trial&Error-Aufgaben und misslungener vorgerenderter Grafik. Shame on you Philips, shame on you Nintendo, dass ihr diesen Stümpern Zelda überlassen habt.

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