Schauspieler werben für sich

Der deutsche Film steckt – wie immer – in der Krise. Überall wird gespart. Deutschland spart an Subventionsgeldern für die Produktionen, die Produzenten an Drehtagen und Fahrtkosten für die Schauspieler zu Castings, die Caster sparen an Castings und lassen in unglaublich modernen e-castings die Schauspieler dieses alleine machen. Hmmm… womit wir schon am Ende der Nahrungskette angelangt wären… bei den Schauspielern.

Es wird jetzt erwartet dass jeder Schauspieler über eine eigene Kamera verfügt, um sich selbst für den nächsten Kinofilm zu casten. Dabei waren früher einmal allein Probeaufnahmen eine Auszeichnung für Schauspieler – sie wurden ans Set geholt (auf Kosten der Produktion) und es wurde mit ihnen auf wertvollem Filmmaterial probe-gedreht. Richtig, mit anderen Schauspielern. Da die Kosten für Probeaufnahmen wirklich nicht zu unterschätzen waren, wurden die Schauspieler die man einlud sehr gut ausgewählt.

Das moderne e-casting dagegen setzt auf Quantität statt auf Qualität. Dem Schauspieler werden Szenen zugeschickt, die er ohne weitere Rücksprachen mit den Castern, ohne ein Gespräch mit dem Regisseur oder Feedback während des Castings, vor der eigenen Kamera umsetzen soll. Nunja, das Ganze hat natürlich auch seine Vorteile – da der Produzent ja sowieso dazu übergegangen war die Fahrtkosten zum Casting auf die Schauspieler abzuwälzen, dürften die Anschaffungskosten für eine Kamera auf dauer niedriger liegen als die Fahrtkosten – zumal laut Caster eine Webcam ausreichen sollte, was mir doch ein wenig optimistisch vorkommt, da ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass man mit dieser als Caster etwas über die Qualität des Schauspielers ablesen kann.

Das ganze kommt – natürlich – aus Amerika. Wie alle [setze negativ konnotiertes Adjektiv ein] Dinge. Ein großartiges Beispiel FÜR das funktioneren dieses Prinzips allerdings, ist das e-casting von Hugh Laurie zur Rolle des Dr. House.

Nun verbreitet sich das Kosten sparende Prinzip also auch in Deutschland – und um es den Schauspielern schmackhaft zu machen, ist man auf die Idee gekommen einen Wettbewerb auszuschreiben, für das beste selfmade Eigen-Werbung-Video eines Schauspielers. S M S nennt sich das ganze – self made shorties. Hier erstmal das etwas peinlich schlecht gemachte Werbe/Infovideo für den Wettbewerb.

Tja, es haben unglaublich viele Schauspieler mitgemacht – und ja: ich habe auch kurz überlegt. Und wenn ich mir die Ergebnisse so anschaue, hätt ichs mal getan. Es sind wirklich tolle Sachen bei rausgekommen, viele Schauspieler die unterschwellig Ihren Frust über die Branche mittransportieren, einige die einfach nur Spaß haben und ein paar naja, Einfallslose…

Hier die Erstplazierten:

Nadine Wrietz

Navid Akhavan

Genija Rykova

und die ganze Liste:

http://www.schauspielervideos.de/ecasting/ergebnis/sms-festival

Nun klingt das alles aus meinem Mund vielleicht etwas frustriert und nicht besonders wohlgesonnen – aber eigentlich musss ich sagen, dass das e-casting durchaus eine spannende Entwicklung ist. Notgedrungen ein weiterer Schritt des Schauspielers in Richtung echter Selbstständigkeit, die den meisten ja nicht so zu eigen ist. Wenn man so in die Verlegenheit kommt selbst über sich und sein wirken als Schauspieler nachzudenken, und es nicht nur den Agenten, Castern und Regisseuren überlässt – um so besser. Vielleicht schafft es der deutsche Schauspieler dann auch mal aus dem Jammertal “Deutsches Filmbusiness” herauszukriechen, für die eigenen Rechte zu kämpfen und sich nicht mehr als Ende der Nahrungskette zu sehen.

2 Gedanken zu „Schauspieler werben für sich“

  1. Erstaunlich, lieber Johannes, daß Du ausgerechnet das unfaßbar schlechte E-Casting von “Dr. House” als “funktionierend” bezeichnest. Das machen zwar auch diverse Caster, dadurch wird es aber nicht besser. Ich finde es ziemlich entsetzlich. Das “Infovideo” der ZAV finde ich dagegen völlig okay. Der Mann ist schliesslich kein Schauspieler, so what. Auch nicht verstehen kann ich “Das ganze kommt – natürlich – aus Amerika. Wie alle [setze negativ konnotiertes Adjektiv ein] Dinge.” Da fällt es mir tatsächlich schwer, etwas einzusetzen. Ich fange jetzt mal gar nicht erst an, die amerikanischen mit den deutschen Serien zu vergleichen, zu groß ist die Kluft. Und daß die Amis es schaffen, in der vielleicht größten Kaffeetrinkernation weltweit “Starbucks” als größte “Kaffeehauskette” zu etablieren, sollte für die Deutschen schon peinlich sein. Was Deine letzten zwei Zeilen betrifft, empfehle ich Dir, Dich hier zu engagieren: http://www.bffs.de/ Da wird nicht gejammert, sondern es werden Bedingungen ausgehandelt, und das sogar sehr erfolgreich.

  2. Ja, genau auf die bffs wollt ich hinaus – ein Verband in dem sich viel zu wenig Schauspieler engagieren. Leider. Aber darauf wollt ich jetz in einem Blog der nicht speziell an Schauspieler gerichtet ist nicht näher eingehen.
    Das Video von Dr. House war schon als für Caster funktionerend gemeint – ich persönlich finde es nach wie vor unfassbar schlecht und unpersönlich, aber es wird ja von Castern immer als DAS Vorzeigebeispiel für ein funktionierendes e-casting genannt. Und desswegen ist dass Video auf der Anderen seite auch wieder so großartig, weil es perfekt die perversion zeigt die bei dieser art casting betrieben wird, und womit man sich so zufrieden gibt wenn es darum geht geld zu sparen. Beim Infovideo is mir der Typ vollkommen egal, auch wenn er doch ein wenig mehr hätte üben können was er sagt. Die technische Umsetzung find ich grottig – ich weiß es soll als Beispiel dienen, dass es zeigen soll dass man ohne großen technischen Aufwand etwas drehen kann um es einzureichen – aber bei mir kommt eher das Gefühl an dass Ihnen der Wettbewerb grade mal ein webcam video zwischen Tür und Angel wert war.
    Und was Starbucks betrifft – jaaaaaaaaa, da hast du verdammt recht!

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