Hörenswertes Juni II: Bon Iver, Digitalism, Limp Bizkit, The Antlers

Der Sommer ist da, nur Bon Iver und The Antlers sitzen grübelnd in ihren Einsiedler-Hütten und veröffentlichen kleine Meisterwerke. Ein Glück das immerhin Digitalism und Limp Bizkit dafür die Region unterhalb der Gürtellinie beschallen und klarmachen, warum diese Jahreszeit nicht unbedingt für Feingeister taugt.

Bon Iver – Bon Iver

(4AD / Beggars / Indigo,17.06.2011)

Das vielleicht letzte große Album der Folk-Welle oder sind Bon Iver sogar schon einen Schritt weiter? Eigentlich war schon das Debut “For Emma, Forever Ago” mit seinem sphärischen Sound weiter als der Output von den Karomustern seiner anderen Folk-Kollegen und ging einen Flirt mit Soul ein, der sich auf Bon Iver nun zu einer heftigen Dauer-Affäre entwickelt hat, die auch keinen Scheu vor einem Menage a Trois mit 80er Pop hat. Doch selbst das eigentlich cheesy wirkende Calgary mit seiner Phil Collins-Glattheit und Prince-Lüsternheit stirbt in der Schönheit dieses Albums, das am Ende des Jahres ganz sicher weit vorne landen wird und Bon Iver endgültig den Tür und Tor für den großen Konsens-Erfolg eben könnte. Auch wenn Fans des ersten Albums dies sicherlich mit Argwohn betrachten, aber zumindest bei diesem großen Schritt in der Karriere von Bon Iver noch keine besorgniserregenden Ausfälle ausmachen sollten. Das großartige ist, dass nicht nur Folk-Fans hier Zugang haben, sondern Bon Iver es schaffen Country, Hip-Hop-Ryhtmen und Blues-Elemente so dezent in den Flow einfließen zu lassen, dass es nie wie anbiedernder Eklektizismus wirkt. Zusammen mit den Fleet Foxes ist nun ein derart hohes Niveau erreicht worden, dass man sich ein wenig ängstlich fragt, wie es nun noch weiter nach oben gehen kann.

 

Digitalism – I Love You Dude

(V2 / Cooperative / Universal,17.06.2011)

Während Justice sowas wie die Rocker der French-House Disco sind, stellt man sich Digitalism stets auf schicken Mode-Shows in Berlin vor. Der Sound von Jens “Jence” Moelle und İsmail “Isi” Tüfekçi hat trotz Filter-Hoise-Einschübe stets das deutsche Perfektionistische und hinterlässt somit immer den Eindruck von etwas Angestrengtem. Es macht wenig Spaß “I Love you Dude” zu hören, weil Digitalism einfach keinen Spaß verbreiten sondern stattdessen lieber arty und intelligent klingen. Muscial-Sound und anderen Trash, den Justice in einer ihre 200 Soundspuren verstecken, kann man hier lange suchen und bekommt stattdessen Vernissace-House von dem Pariser Label Kitsune, dem schon immer sehr an der Verbindung von Mode und Kunst gelegen war. An gute Musik, die nicht wie ein Auslaufmodell aus 2007 klingt und durch schwachbrüstigen Gesang auffällt, hat man wohl dabei weniger gedacht.

 

 

Limp Bizkit – Gold Cobra

(Interscope / Universal,24.06.2011)

Ach, du meine Güte. Rotkäppchen ist wieder da und singt was über goldene Cobras, Loser und rechnet mit seinen Kritikern ab. Also alles wie auf dem Album “Chocolate Starfish & The Hot Dog Flavoured Water”, das ich seinerzeit ziemlich schrecklich fand, das aber so im Nachhinein betrachtet doch ein paar nette Songs wie “It`ll be ok” oder “My Generation” hatte. Limp Bizkit zu hassen war eh keine großer Kunst, da Fred Durst immer wieder gerne den prolligen Redneck gab und nach dem Weggang von Wes Borland auch unfasbar schlechtes Zeug mit seiner Band veröffentlichte. Wes ist nun nach unerfolgreichen Soloausflügen wieder mit an Bord, die Kappe von Fred sitzt und ich muss zugeben: So blöd wie das ganze auch ist, es macht einfach Spaß. Halt so viel Spaß, den man auch bei einem 80er Action-Film haben kann, wenn man ihn nicht zu ernst nimmt. Was die technischen Fähigkeiten anging, konnte man Limp Bizkit eh nie einen Strick drehen, da mit DJ Lethal (ehemals bei den glorreichen House of Pain), Borland und Sam Rivers durchaus fähige Leute im Dienste des Weichkecks stehen.

Das Album “Signifcant Other” war außerdem 1999 tatsächlich eine kleines Ereignis, weil bis dahin trotz diverser Pioniertaten und natürlich Rage Against The Machine,  kaum einer so funky und geschickt Rap und Metal miteinander verband. Von der Klasse dieses Albums sind Limp Bizkit auch auf Gold Cobra entfernt, aber es ist immerhin nicht so schlimm ausgefallen wie befürchtet. Die Mischung aus Melodie und Hass-Aubrüchen haben sie jedenfalls nicht verlernt, wie der Wutausbruch in dem groovigen “Get A Life” beweist. Die Konkurenz von Bands wie Slipknot darbt eh dahin, langweilt zudem mit Reunion Shows oder veröffentlicht außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung. So können sich LB trotz eines unter dem Strich mittelmäßigen Album zumindest bis zum nächsten System of A Down- oder Deftones Album wieder an die Spitze des Nu-Metal setzen, also als ob die Welt stehen geblieben sei und wir wieder in doofen langen Hosen und Adidas Tretern im Moshpit rumhüpften.

 

The Antlers – Burst Apart

(Transgressive / Cooperative / Universal,24.06.2011)

Zum Heulen schön ist das neue Album von den Antlers, dass einen aber nicht in einer endlosen Traurigkeit dahinrafft, sondern durch Melancholie und soulige Emotionalität zu gefallen weiß. Eigentlich ist man eh dazu geneigt The Antlers als Herbstmusik zu klassifizieren, aber dafür ist French Exit schon fast zu sehr Pop und streckt trozt  seiner Introvertiertheit die Arme für alle aus, die Sommer eher mit Abschied und Schmerz verbinden, als mit Spaß und Partnerschaft. Ein Album für alle Menschen, die sich zwar auch an den warmen Sommertemperaturen erfreuen können, aber momentan doch auf der Schattenseite in ihrem Leben stehen oder sagen wir doch einfach : Hoffnungslose Melancholiker, die zumindest bei Burst Apart das Gefühl haben endlich angekommen zu sein, denn wie auf dem Cover ist irgendwo verschwommen und schemenhaft ein Ausweg und Hoffnung zu erkennen. So hätte sich vielleicht Kid A in verträglicher angehört.


5 Gedanken zu „Hörenswertes Juni II: Bon Iver, Digitalism, Limp Bizkit, The Antlers“

  1. Yeah! Die neue Limp Bizkit macht mir derzeit auch erschreckend viel Spaß…
    und Bon Iver sind definitiv über jeden Zweifel erhaben. Hat fast schon was von Meisterwerk aus dem Nichts, da ich mit dem Vorgänger nicht viel anfangen konnte.

  2. Bei mir auch, nicht nur bei Bon Iver ;) Das letzte Antlers Album war mir zu traurig und langsam…Jap, LB ist echt so nen Flash in die Jugend :D

  3. Oh Gott, ich werd doch jetzt wohl nicht in die Versuchung kommen, und der LB nicht doch mal ne Chance geben? ;)

  4. Ach, irgendwie hat man manchmal einfach Lust auf diesen sinnfreien Popcorn-Sound.^^

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