Die besten/schlechtesten/durchschnittlichsten Filme der 90er Jahre: Waterworld?

Wenn es um die besten und schlechtesten Filme der 90er Jahre geht, nimmt Kevin Costners Waterworld (1995) eine interessante Sonderstellung ein. Als er Mitte der 90er Jahre für ein Budget von 175 Millionen Dollar gedreht wurde, war er nicht nur der bis dato teuerste Film aller Zeiten, er zementierte zudem Kevin Costners Ruf als größenwahnsinniger Realisator von unlukrativen cineastischen Mammutprojekten. Waterworld ist quasi im Alleingang dafür verantwortlich, Costner für die weitere Zukunft für diverse Filmstudios unmöglich zu machen, machten diese doch mit der Veröffentlichung von Waterworld ordentliche (wenn auch nicht erhebliche) Verluste. Gerade angesichts der finanziellen Erwartungen an das Großprojekt, kamen die miesen Einspielergebnisse einem Offenbarungseid gleich. Und dann gab es natürlich noch die Kritik, die viel Spott und Häme über dem missglückten Großprojekt ausgoss und sich freute in dem überambitionierten Endzeitepos zahllose Logiklöcher und Albernheiten zu finden.

Bis dahin also das übliche Schicksal eines deaströsen Blockbusters, wie in der Filmgeschichte in dieser Form – wenn auch nicht in diesem Ausmaß – schon öfter vorgekommen. Die Sonderstellung im cineastischen Kanon gewinnt Waterworld indes durch seine retrospektive Rezeption. Es scheint sich im Feuilleton, in der Filmkritik, aber auch beim gewöhnlichen Publikum in den letzten zehn Jahren eingebürgert zu haben, Kevin Costners Megaflop zu verteidigen. Wenn Waterworld auch nicht “posthum” zum Meisterwerk erklärt wird, so häufen sich doch die Stimmen, die einige Qualitäten in dem Schinken ausmachen, mitunter sogar prächtige Unterhaltung darin finden. Damit reiht sich das Action Science Fiction Werk in eine kleine – aber erlesene – Gemeinschaft von Filmen, die zur Veröffentlichung verlacht oder missachtet unmd erst im Nachhinein zu Klassikern oder zumindest ordentlichen Filmen ernannt wurden. Die Fliege (1958) und Vertigo (1958) heißen den Neuankömmling herzlich willkommen. Aber wie viel Lob, beziehungsweise wieviel Spott verdient Waterworld tatsächlich?

Wenn man von seinem exorbitanten Budget absieht, ist Waterworld eigentlich ein klassisches Science Fiction/Action/Endzeitspektakel der 90er Jahre. Weder besonders klug, noch besonders dumm, besitzt er zwar eine ganze Reihe alberner bis peinlicher Szenen, hat eine gute Portion narrativer Ungereimtheiten und gruseliger Dialoge aufzuweisen, vermag es aber seine Actionszenen gekonnt zu inszenieren und seine spannende Geschichte recht straight durchzuziehen. Mythologie, Wissenschaft, Technik und ein bisschen Evolution kreuzen sich zu einem sauberen, groß angelegten postapokalyptischen Epos. Die Bösewichter sind cheesy, over the Top, der Held ist ein Raubein (natürlich mit Herz), die Love-Interest ist empathisch und fürsorglich, der niedliche Sidekick (in diesem Fall auch für die Haupthandlung wesentlich) pendelt zwischen putzig und nervtötend und kommt meistens doch bei zweiterem an. Und die Statisten pendeln zwischen irre, pervers und albern. Alles so, wie man es von einem etwas angestaubten, infantilen 90er Jahre Blockbuster erwarten darf.

Aber dann ist da natürlich noch das Budget… und das sieht man Waterworld durchaus an. Kevin Costner begnügt sich nicht damit, eine Welt zu entwerfen, er baut diese en detail auf. Riesige Wasserfestungen, komplexe Segel/Mechanik-Hybride, Wasserschiffe, Luftschiffe, Waffen, Technik… mitunter wirkt Waterworld wie die Steampunk-Spielwiese eines kindlichen Ingenieurs. Und ja verdammt, das ist oft genug einfach nur awesome. Wenn die Piraten mit ihren Jetskis die riesige Wasserfestung angreifen und Costner Hebel und Räder in Bewegung setzt (im wahrsten Sinne des Wortes), um diesen Angriff abzuwehren, dann wird die Waterworld ungemein lebendig und spürbar. Es ist wohl genau das, woran sich die Kritiker scheiden dürften; schlicht die Frage: Ist das wirklich nötig? Ich stelle mich auf Costners Seite und schreie laut “Ja!”. Es gibt nur wenige postapokalyptische (oder fantastische) Welten, die derart detailliert und lebendig wirken. In den architektonischen und mechanischen Entwürfen der Wasserwelt steckt unglaublich viel Liebe am Detail, Spaß und Erfindergeist. Waterworld wäre eigentlich das perfekte Showreel für jedes Ausstattungsunternehmen, wenn nicht die alberne Geschichte drumherum wäre.

Jepp, Waterworld lebt von seiner expansiven Art. Genau dieser Größenwahn, dieses Monumentale und schlicht Teure hebt den Film auf ein Niveau über zahllosen Science Fiction oder Fantasy B-Movies. In die Königsklasse schafft er es damit freilich nicht, aber als Stück Kinounterhaltung wird er so durch und durch sehenswert. Knapper Überdurchschnitt, eben vor allem dank der gewaltigen Settings und detailverliebten Mechanik. Klar, ist so ein bisschen das Avatar-Argument, passt hier meiner Meinung nach aber weitaus besser als bei Camerons misslungenem Millionenschinken. Waterworld ist kein Meisterwerk, aber von den Bildern und der Action stimmig genug, um als sehenswert eingestuft zu werden. und nebenbei macht es dann auch doch einfach verdammt viel Spaß über die Logiklöcher, das Overacting Hoppers und das Underacting Costners sowie die albernen Stunteinlagen zu lästern. Joa, Anschauen ist allemal drin, und es ist keine Schande diesen Film okay zu finden.


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