Zum 25Jährigen: Die Spiele der “The Legend of Zelda”-Franchise I – Link in 2D

Am 21. Februar 1986 erschien mit “The Legend of Zelda” in Japan ein wegweisendes Actionabenteuer, das zweifellos eine neue Ära der Videospielunterhaltung einleitete. 2011 feiert der kleine Link also sein 25jähriges Bestehen, und dadurch steht zumindest bei Nintendo das ganze Jahr im Zeichen des kleinen Abenteurers, des Triforce und des Landes Hyrule. Und unabhängig, ob Nintendo-Jünger oder nicht: Zelda definiert ein Stück Videospielgeschichte, hat fast im Alleingang Open-World-Konzepten in Adventures den Weg geebnet, hat durch seine intelligente Struktur und kniffligen Dungeons Action Maßstäbe gesetzt und für alle Nintendo-Konsolen gleich mehrere Games abgeworfen, die regelmäßig in Best-Of-Listen ganz oben auftauchen. Wir wollen uns die Spiele der Fantasy-Franchise näher anschauen. Den Beginn machen die Ausflüge ins zweidimensionale Hyrule auf NES, SNES und Game Boy.

The Legend of Zelda [NES]

(Nintendo, 1986)

Der Klassiker, das Spiel mit dem alles angefangen hat… Und was soll man sagen: Abgesehen von der Zweiteilung der Spielwelt in Licht und Schatten (oder Vergangenheit und Zukunft) sind bereits alle Trademarks vorhanden, die auch spätere Spiele der Serie auszeichnen. Als ich Zelda Anfang der 90er Jahre zum ersten Mal spielte, war es schon fast ein alter Hut und hat mich dennoch in seinen Bann gezogen. Ein erstklassiges, hervorragend komponiertes in einer ziemlich offenen Welt spielendes Action Adventure, das es mitunter ganz schön in sich hat. Gerade im Vergleich zu den Nachfolgern ab “A Link to the Past”, die die Spieler sanft bei der Hand nehmen, hat der erste Teil einen satten Schwierigkeitsgrad.

Das besondere dabei – was auch diesen gerade an heutigen Maßstäben gemessen happigen Schwierigkeitsgrad ausmacht – ist einerseits das Konzept der Open World, andererseits auch das Konzept der Null-Information zu Beginn des Spiels. Kein Tutorial, keine zahlreichen Erklärbären. Der Spieler beginnt unbewaffnet, ohne Wissen über die Spielwelt auf einem großen, einsamen Feld. Von da ab, muss er sich alles selbst erkämpfen, seine eigenen Wege finden und diese erfolgreich meistern. Zelda liefert keine pseudooffene Welt, hinter der sich eine Schlauchform verbirgt, sondern wirft den Spieler knallhart hinein in den gesamten Kosmos. Dungeons können auch früher betreten werden als eigentlich vorgesehen, Hilfsmittel um Hindernisse zu überwinden müssen erst entdeckt, Eingänge zu geheimen Festungen und Höhlen erst gefunden werden. The Legend of Zelda lebt sein Abenteuer- und Entedeckerkonzept im wahrsten Sinne des Wortes und ist gerade dadurch ein episches, ungmein vielschichtiges und eben auch ziemlich anspruchsvolles Game-Erlebnis.

Zelda II: The Adventure of Link [NES]

(Nintendo, 1987)

Der zweite Zelda-Titel ist ein Streitfall, und ich muss ehrlich gestehen, dass ich nie ein großer Fan des NES-Sequels war. The Adventure of Link bringt einige radikale Änderungen im Vergleich zum Original: Die Wechsel zwischen Map-Ansicht und Zoom-In-Kampfszenen ist ebenso stark an Japano-Rollenspielen orientiert wie die Erfahrungspunkte, die Link auf seinem Weg sammeln kann. Die Actionsequenzen selbst finden zwar nach wie vor in Echtzeit statt, jedoch auf einer Sidescroller-Ebene, sowohl in den Dungeons als auch den Kämpfen. Der Wechsel zwischen Kartenreise und Spielsequenzen sowie der offenere Umgang mit der Charakterentwicklung lassen “The Adventure of Link” zum einzigen originären Action-Rollenspiel der Reihe werden. Zelda II ist im Grunde genommen ein etwas eigensinniger Mix aus Final Fantasy und Metroid, der auch Dank seines deftigen Schwierigkeitsgrades recht spröde daherkommt.

Und gerade dieses Spröde ist eine der größten Stärken des NES-Zweitlings und wird konsequent das gesamte Spiel über durchgezogen: Die ganze Atmosphäre ist unglaublich düster und poetisch, die Dörfer mit ihren eigenwilligen Bewohnern versprühen zum ersten Mal so etwas wie Leben im Land Hyrule. Im Gegensatz zum Klassiker wirkt die ganze Welt um Link ungemein lebendig zugleich aber auch merkwürdig verlassen. Die Menschen, die er auf seiner Reise trifft verhalten sich wortkarg, die Dörfer selbst wirken wie einsame Bollwerke in einer vom Bösen überrannten Welt, die durch ihre Kargheit nahezu apokalyptisch anmutet. Das korreliert natürlich perfekt mit der Geschichte um die schlafende Zelda, die hier mal ausnahmsweise nicht von Ganon entführt wurde, sondern in einem der traurigsten Screens der Videospielgeschichte darauf wartet von Link aus ihrem Koma erlöst zu werden.

The Legend of Zelda: A Link to the Past [SNES]

(Nintendo, 1991)

Ja, ja, ja! Ich lege mich an dieser Stelle einfach mal fest und behaupte: A Link to the Past ist der beste Teil der gesamten Franchise… bis heute. Unerreicht die geniale Idee der Zweiteilung der Welt in Licht und Schatten. Egal, ob die “geringe”n technischen Fähigkeiten des damals gerade veröffentlichten Super Nintendos ein Mitgrund für die Weltenspiegelung sind sind: Die atmosphärische und spielerische Verkettung der beiden Welten hebt Zelda und das gesamte Genre auf ein neues Level. Und das ist noch nicht alles:

Die Dungeons sind gewaltig, großartig ausgetüftelt und der Schwierigkeitsgrad ist perfekt ausbalanciert. Im Gegensatz zu den Vorgängern wird der Spieler zum ersten Mal an die Hand genommen. A Link to the past verbannt den Desorientierungsfrust aus der Franchise, bleibt zugleich aber denn och offen genug, um den Spieler zu fordern und wieder einmal den Entdeckergeist zu wecken. Das Design ist nicht nur für damalige Verhältnisse fantastisch, die Welt(en) sind wunderbar gestaltet, einmalig, lebendig, voller interessanter Charaktere. Die Suche nach allen (!) Viertelherzteilen ist ungemein motivierend. Es gibt so viel zu sehen, so viel zu entdecken, so viel zu erleben. Eines der besten Action Adventures aller Zeiten, eines der besten SNES Spiele und eines der besten Videogames überhaupt. Nach wie vor. So sieht zeitlose Videospielkunst aus.

The Legend of Zelda: Link’s  Awakening [Game Boy]

(Nintendo 1993)

Das erste Game Boy Zelda “Link’s Awakening” ist so etwas wie der kleine Bruder des SNES-Meilensteins… Allerdings sollte man sich von dem Attribut “klein” nicht täuschen lassen. Denn dieser Teil der Reihe hat es verdammt nochmal in sich. Links Awakening ist nicht nur das erste Zelda, das komplett außerhalb Hyrules spielt, es gehört auch mit zu den launigsten, selbstreferenziellsten und verspieltesten Games der Reihe. So darf es feine Super-Mario-Reminiszenzen geben und sogar eine musikalische Verewigung des damaligen Club Nintendo Chefredakteurs Claude M. Moyse (allerdings nur in der deutschen Variante). Spieltechnisch und dramaturgisch ist auch der Handheldausflug wie die zuvorigen Titel über jeden Zweifel erhaben und steht dem SNES-Bruder in fast nichts nach. Die Grafik geht weit über übliches Game Boy Niveau hinaus, ebenso der Umfang, und der verspielte Humor bereichert die Franchise ungemein. Eine würdige Handheld-Umsetzung des ehrwürdigen Spiels.

Oracle of Seasons /Oracle of Ages [Game Boy Color]

(Capcom 2001)

Na jut… hier muss ich einfach zu meiner Schande gestehen, dass ich beide Spiele nicht wirklich gezockt habe. Einen Game Boy Color hatte ich damals nicht und stand auch mitten im Abi-Stress. Bemerkenswert ist auf jeden Fall, dass es sich bei den beiden Titeln um die ersten von Capcom (in Zusammenarbeit mit Nintendo) entwickelten Zelda-Teile handelt. Ebenfalls die Tatsache, dass sich die beiden parallel veröffentlichten Titel mittels Passwort (das aber erst einmal in einem der beiden erspielt werden muss) verbinden lassen. dadurch kommt der Spieler an neue Aufgaben und andere Goodies. Ebenfalls erschienen sind passende Mangas zu der Handlung der beiden Spiele. Der Verdacht einer gemolkenen Kuh verflüchtigt sich allerdings beim Blick auf die Resonanz des Publikums und der Fachpresse. Diese waren wohl voller Lob für Capcoms Einstand in Hyrule… und wenn ich mich gerade so durch die Reviews klicke… Ja verdammt. Ich sollte das unbedingt mal richtig spielen, zumal die Entwickler Capcom kurze Zeit später erneut bewiesen haben, dass sie mit der Nintendo Action Adventure Franchise hervorragend arbeiten können…

The Minish Cap [Game Boy Advance]

(Capcom 2004)

…Nämlich in The Minish Cap. Dieses mehr als anständige Action Adventures gehörte zu meinen ersten Game Boy Advance Games und macht auch heute noch ungemein viel Spaß. Was bei A Link to the Past die Differenz zwischen Licht- und Schattenwelt und in Ocarina of Time der Unterschied zwischen Gegenwart und Zukunft waren, ist hier der Kontrast zwischen dem gewöhnlichen und dem Makro-Hyrule. Dank einer – etwas an den Nerven zehrenden – Mütze kann Link nämlich auf einen Bruchteil seiner Größe zusammenschrumpfen und dadurch natürlich unzählige Geheimnisse entdecken, Orte erreichen, die zuvor unerreichbar waren und knifflige Rätsel lösen. The Minish Cap, das sich im Vergleich zu vorangegangenen Zelda-Titeln eher mäßig verkaufte, besitzt alle klassischen Trademarks, die die Fans der Serie lieben. Auch wenn der Zauber der Miyamoto-Zeldas an der ein oder anderen Stelle vermisst werden darf, auch wenn es die ein oder andere überflüssige Länge gibt, bietet die Reise durch Hyrule sowohl in Normal- als auch Schrumpfform kurzweilige Unterhaltung und ein spannendes Game-Erlebnis. Nicht ganz in einer Liga mit den anderen Franchise-Titeln aber dennoch immer noch so ziemlich jedem anderen Action Adventure ein gutes Stück voraus.


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