Die 90er: Die besten Alternative Rock-Alben des Jahrzents III

Weiter geht`s im Sauseschritt. Auch in dem dritten Teil unserer besten Alternative Rock-Alben der 90er behalten die Amis, bis auf eine Ausnahme, die Oberhand. Wir Europäer hatten ja dafür unseren Britpop und elektronische Feinkost, die dem Fast Food Ideal der Nordmamerikaner nicht wirklich mundeten. Doch auch diesmal haben wir uns abseits der Mainstream-Massenküche der 90er begeben und dabei allerfeinsten Pumpkins-Kompott, deprimierte Eels, sowie süße Lemonheads entdeckt. Die Kerzenschein-Atmosphäre kommt von Candlebox, den Abwasch besorgen Everclear und Del Amitri müssen… gar nichts, weil sie ganz einfach so furchtbar nett sind.

The Smashing Pumpkins – Mellon Collie & The Infinite Sadness

(Virgin, 1995)

Hier ist es nun, das ganz große Werk des Alternative Rock. Billy Corgan geht endgültig steil und huldigt seinem Riesen-Ego mit einem monströsen Doppelalbum, das sich zu keinem Zeitpunkt verstecken möchte sondern mit pompösen Prog-Nummern und Pop-Songs im XXL Format nach der Krone im Alternative Rock greift.. Die kleinen verhuschten Slacker-Nummern von Siamese Dreams werden von Bullet with Butterfly Wings und Zero nahezu  in Grund und Boden planiert, der Pop-Appeal mit Geigen zu einem Statement wider dem Understatement umfunktioniert, dazwischen flirren sehnsüchtiges Leiden im Breitwandformat. Corgan schafft es tatsächlich diese höchstgefährliche Mischung – an der so viele ambitionierte Musiker so kläglich scheiter- n zu einem Klassiker, nicht nur des Alternative Rock, zu verwandeln. So ziemlich das ganze Pulver hat er in diesem Mammutwerk leider verschossen, aber dieser Knall gehört defintiv zu den epochalsten Alben der 90er und das Genie hinter dem Werk leider mittlerweile in therapeutische Behandlung.

Candlebox -Lucy

(Maverick, 1995)

Candlebox sind in Europa stets ein Randthema geblieben, obwohl sie aus Seattle kamen und einen grunge-ähnlichen Sound spielten. Was stets fehlte war die Kredibilität der anderen Bands der großen Grunge-Welle, da Candlebox einen radiofreundlichen Sound pflegten, der so gar nicht zu der Anti-Mainstream Image der Seattle-Bands passte, woraufhin diese die Band auch nie als einen Teil der Szene betrachteten. Candlebox waren eher eine Alben-Band, da ihnen trotz einer poppigen Note nie eine große Single glückte. Auf dem Album Lucy vermischten sie trotzdem recht gekonnt Jazz, Grunge, Progressive Rock und Glam. Nicht unbedingt das beste der hier vorgestellten Alben, aber doch ein interessanter Einblick in den Sound der frühen 90er.

Eels – Electro-Shock Blues

(DreamWorks, 1995)

Nicht viele haben den Sprung aus den 90ern in das neue Jahrtausend geschafft. Die Eels hatten zwar auch in der letzten Dekade des 20. Jahrhunderts ihre größten Erfolge, konnten sich aber auch darüber hinaus ihren Status mit mehreren guten Alben in Folge bewahren. Der Grundstein für den Erfolg war sicherlich Beautiful Freak, das Sampling-Technik und gutes Songwritertum überzeugend miteinander verband und überraschenderweise zusätzlich Hits abwarf. Der Nachfolger Electro Shock Blues steht unter den fürchterlichen Schicksalsschlägen, die Mark E. Everett zu verkraften hatte , welche das Werk düsterer klingen lassen. Die Hits bleiben größtenteils aus, das Songwriting und die Experimentierfreudigkeit erreichen dagegen ein neues Level und etablieren E als zweiten überkreativen Querkopf neben Beck. Das Video zu “Cancer For The Cure” läuft übrigens in American Beauty im Hintergrund.

Del Amitri – Twisted

(Mercury, 1995)

Del Amtri waren nette Jungs aus Glasgow, mit netten Songs und netten Alben. Da man mit Nettigkeit bekannterweise nicht großartig weiter kommt, sind sie deshalb auch ein Band mit einer überschaubaren Fanbase und ein paar Mini-Hits geblieben. Dabei haben sie stets durchaus passablen Rock-Pop gespielt, der wenig mit dem üblichen Dudelpop zu tun hat, sondern immer wieder veritable Gute Laune Songs abwirft. Eine sehr sympatische Band, die nie Welt erobern wollte und sich stets ihren Fähigkeiten bewusst war. Pech nur, daß die Band bereits in den 90ern nicht mehr taufrisch klang, und Britpop und Grunge einfach anziehender auf die Kids wirkten. Gegen Destruktivität und Pop-Weltherrschaft-Ambitionen der jungen Kollegen hatten die soliden Schotten leider das Nachsehen.

Lemonheads – It´s a Shame about Ray

(Atlantic, 1993)

Ein gutaussehender Slacker Typ, der zum Sexsymbol vieler Alternative Mädchen avancierte und bei den Jungs mit lässigen Indie-Pop Hymnen punkten konnte. Eigentlich komisch, daß Evan Dando und seine Lemonheads trotzdem nie ein wirklich großes Chart-Thema waren, dafür umso kultiger in subkulturellen Kreisen verehrt wurden. Schrammeligen Kiffern kann man auch die Zuneigung kaum verwehren, wenn sie gleichzeitig so verspult sind und doch ein großes Gespür für gute Melodien besitzen. Hätte Evan Dando, der lässige große Bruder den man immer haben wollte, die Hände von ungesunden Kram gelassen, so hätte es mit Sicherheit auch mit dem ganz großen Durchbruch geklappt. So bleibt ein absolute Kultband der 90er, die hoffentlich irgendwann von heutigen Kids wiederentdeckt wird, denen Pavement immer eine Spur zu schräg waren und die alle Dinosaur Jr Alben durch haben.

Everclear – So much for the Afterglow

(Capitol, 1997)

Jap, auch Everclear haben sich recht geschickt an Cobains Erbe bedient, waren aber auch immer nahe am Punk-Pop und abgesehen von den üblichen sozialkritischen Texten nicht unbedingt schwermütige Mainstream-Verweigerer, die Probleme mit ihrem Erfolg hatten.So much for the Afterglow macht auch keinen Hehl daraus, dass sie nach den etwas punkigeren Vorgänger-Alben gerne den ganz großen Erfolg hätten. Das hat bei vielen anderen Bands einen masiven Einbruch in der Qualität zur Folge, hier wurden eben nicht nur die Arrangements größer sondern auch die Songs besser. Innovation bitte weiter oben bei den Eels suchen, das hier sollte eigentlich nur College-Parties bespaßen und tat es eben auch verdammt gut.

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