Hollywood Career-o-Matic von Slate

by Florian Bayer on 8. Juni 2011

in Film,Fundstücke

Großartige Idee! Die quantitaiv/qualitativen Auswertungen von Rotten Tomatoes verleiten ja immer ganz gerne zu Überlegungen, Analysen und semiwissenschaftlichen Veranschaulichungen der Rezeption verschiedener Filme, Regisseure und Schauspieler. Das wird in Zukunft deutlich einfacher von Statten gehen. Slate hat ein kleines aber umso tolleres Tool gebastelt, mit dem sich Verläufe diverser Karrieren visualisieren lassen. Einfach den Namen verschiedener Filmschaffender zwischen 1985 und heute eingeben… et voilà, bastelt der Career-o-Matic aus den Durchschnittswertungen von Rotten Tomatoes schicke Kurven zum Verlauf verschiedener Karrieren zusammen. Obere Grafik veranschaulicht natürlich die extremen Auswüchse: Der stets gut bewertete Martin Scorsese, der qualitative Niedergang M. Night Shyamalans und der am unteren Rand der Skala stagnierende Uwe Boll. Aber auch jenseits dieser krassen Ausbuchtungen, macht es unglaublich viel Spaß, mit dem Career-o-Matic rumzuspielen…

…So zum Beispiel zur Visualisierung der extremen Wechselbalgen wie  Wes Craven, der brav zwischen High Ranking und Low Ranking Filmen alterniert oder Udo Kier, bei dem es auch wertungstechnisch schön auf und ab geht. Ist aber auch kein Wunder. Immerhin verbucht der Mann in seiner Vita so unterschiedliche Filme wie Barb Wire oder Dogville. Das sind Schwankungen vorprogrammiert. Den Vogel schießt allerdings unser allseits geliebter Nicolas Cage ab. Von Adaptation über The Wicker Man über Bad Lieutnant bis hin zu 8MM… vom grauenhaften Overacting in einem noch grauenhafteren Film bis hin zur differenzierten Performance ist bei diesem Mann alles drin.

Ähnlich durchwachsen fällt auch erstaunlicherweise das Urteil über die großen Indie Regisseure der USA aus. Joel und Ethan Coen dürfen über der 50% von Highlights à la No Country for old Men (Rating: 95) bis zu knapp überdurchschnittlich wie zum Beispiel mit Hudsucker (58) wanken. Robert Altman und Jim Jarmusch stolpern derweil sogar unter die 50er Hürde, letzterer vollkommen unverständlich für den großartigen The Limits of Control, der als Durchschnittswertung gerade mal lächerliche 25% für sich verbuchen darf… der Durchschnittsgeschmack der Kritiker ist eben nicht immer besonders treffsicher.

Und wie sieht es mit den Europäern aus?

Die sind doch recht beliebt bei den US-Kritikern, zumindest meiner Stichprobe nach zu urteilen. Zwar haben auch von Trier, Akin, Kaurismäki und Haneke ihre Tiefs, dafür aber auch die Höhen und zwar die Richtigen, bis hin zur 100% Marke. Wie viel man auf Durchschnittsmeinungen gibt, ist natürlich jedem nach wie vor selbst überlassen. Und das Durchschnittswerte von Filmkritiken nicht unbedingt Indikator für die Qualität eines Films sein müssen, dürfte auch jedem einleuchten. Denn nach wie vor gilt das Primat des persönlichen Geschmacks. Anyway, das Basteln mit dem Career-o-Matic dürfte den ein oder anderen Filmnerd noch lange Zeit beschäftigt halten… Leider nicht als Embeddable Tool… stattdessen kommt man nicht drumherum bei Slate vorbeizusurfen und in dem entsprechenden Artikel bis zu dem tollen Spielzeug runter zu scrollen.

via Filmfreunde

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