Die 90er Jahre: Die besten Trash-Filme des Jahrzehnts I

In der Trash-Retrospektive der 00er haben wir die Trash-Perlen und schlechten Filme zusammen in einen Artikel gehauen, was genau genommen schlichtweg unfair ist. Denn es gibt einen schmalen, aber umso essentielleren Grat zwischen miesen Filmen und herausragenden Trashperlen, ein Grat, der entscheidet, ob wir an einem schlechten Film Spaß haben oder ob er uns langweilt oder gar ärgert. Genau jener Schwelle wollen wir in der 90er Retrospektive der Tieflader Rechnung tragen. Die Filme in diesem Artikel sind keine guten Filme im gewöhnlichen Sinne, nach cineastischen Maßstäben sogar oft genug ziemlich üble Machwerke. Aber verdammt nochmal, sie haben Spaß gemacht. Es war ein Genuss sie zu sehen und sie haben das Erbe des Midnight-, Trash- und Exploitationkinos würdig in eine neue Filmepoche transferiert. Hier kommen sie: Garantierter Filmspaß auf garantiert niedrigstem Niveau.

Braindead [Peter Jackson]

(Neuseeland 1992)

Und wir legen gleich los mit einem echten Genre-Klassiker. Lange Zeit vor Herr der Ringe und King Kong wusste Peter Jackson bereits, wie man episches Kino inszeniert… auch ohne die dafür nötigen finanziellen Mittel zu besitzen. Braindead ist so etwas wie eine Frühneunziger Splatter-Blaupause. Infizierte oder Zombies oder irgendwas dazwischen. Dunkle Vorahnungen, lachhaft albern gespielt, eine dilettantisch aufbereitete Liebesgeschichte und vor allem Ekel, Ekel, Ekel. Davon ist Braindead voll. Egal ob es sich um korpulierende Zombies, Erbrochenes, heraushängende Innereien oder Rasenmähergemetzel handelt. “Größer, lauter, versplatterter” ist die Devise dieses kleinen hässlichen Films, der trotz epischer Horrorschlagseite nie auf einen vollkommen überdrehten, selbstironischen Gaga-Subtext verzichtet. Braindead ist Schrott, aber derart herrlich over the Top und ohne Rücksicht auf Verluste inszeniert, dass das wilde Verteilen aller möglichen Körpersäfte einfach nur Spaß macht.

Tromeo and Juliet [Lloyd Kaufman, James Gunn]

(USA 1997)

Achja, Troma… B-Movie-Götter der 80er Jahre, die uns schillernde Anti-Meisterwerke wie “The Toxic Avenger” und stumpfsinnige Trashlangweiler  wie “Surf Nazis must die” (ernstahft) beschert haben. Diese Produktionsfirma ist nicht nur ein Trashphänomen sondern hält immer wieder Überraschungen parat. So genau weiß man nie, ob ihr kommender Film ödes Exploitationkino oder Trashkunst vom feinsten wird. Irgendwie ist jedes Mal erneut alles drin. Und doch nimmt dieser hässliche, kleine Transgression-Comedy-Bastard eine Sonderstellung im Werk der Alptraum-Fabrik ein. Er besitzt nämlich so etwas wie Qualitäten und das nicht unbedingt weil er eine Shakespeare-Adaption ist. Es ist viel mehr dieses absolut rücksichtslose, grenzüberschreitende, surreal verzerrte und groteske Szenario, in dem klassischer Troma-Müll eben irgendwie doch zu Kunst wird. Immer noch keine Kunst im Arthaus-Sinne und mit Sicherheit auch nichts für das klassische Kinopublikum, aber… arghhh… irgendwie so daneben, dass es schon wieder einfach nur awesome ist.

Hellbound [Aaron Norris]

(USA 1993)

Wir stehen am Beginn der 90er Jahre und das Actionkino der 80er, die klassischen Superhelden und Stereoid-Monster werden mal so eben für Tod erklärt. Fuck off! Das gilt vielleicht für die Pussies Seagal, Schwarzenegger und Van Damme. Aber nicht für CHUCK NORRIS! Dieser scheißt auf alle Abgesänge, fegt die Kritikerschar mit einem satten Roundhouse-Kick davon und legt sich kurz darauf mit dem Teufel an. Richtig, mit dem Teufel! Dass dieser gegen Norris’ Moves nicht auszusetzen hat, dürfte ziemlich einleuchtend sein. Auch darüber hinaus ist Hellbound ein satter B-Movie/Action/Mystery-Flick, tief verwurzelt in den 80ern, mit einem Bein schon im Grab und dennoch weiterhin vital genug, um ordentlich sämtliche vorhandenen Knochen zu brechen. Wenn Chuck Norris in die 90er geht wird er nicht 90er. Die 90er werden Chuck Norris.

Spice World [Bob Spiers]

(Großbritannien 1997)

Vom Testosteron- zum Östrogentrash. Ja, verdammt. Ich muss diesen Brav-Film, diese narzistische Überstilisierung der Spice Girls jetzt einfach in Schutz nehmen. Okay, dieser Film ist mies, richtig mies und doch so tausendmal besser als befürchtet. Mitunter sogar nahezu großartig, selbstironisch… vollkommen übertrieben und dabei fast schon surreal kafkaesk. Irgendwie Musical, irgendwie Nummernrevue, irgendwie Parodie und dabei sowas von sowas von sowas sowas von 90’s. Echt. Mehr 90er geht einfach nicht. Die Witze, die Musik, der Kleidungsstil. Dieser Film ist ein Wunder, ein auf Zelluloid gebanntes Jahrzehnt, nebenbei noch die total übersteigerte Selbstbeweihräucherung der 90er Pop- und Frauenikonen Spice Girls, aber eben doch vor allem der Abgesang auf eine Dekade, die damals schon im Untergang begriffen war… und ja verdammt! Er macht Spaß. Er ist besser als Britneys Road Trip, besser als MJs Moonwalker-Fiebertraum, besser als die grauenhaften Prog-Movies der 80er Jahre… einfach weil er weiß wie dilettantisch, mies und Over the Top er ist. Ein Trip in die absurdesten Seiten des Jahrzehnts, ein unvergesslich Erlebnis und Pflichtlektüre für jedes kulturgeschichtliche Seminar zu den 90ern.

Armee der Finsternis [Sam Raimi]

(USA 1992)

Sam Raimis tatsächlich letzter B-Movie ist im Grunde genommen schon kein richtiger Low-Budget-Film mehr. Immerhin finanzierte B-Movie-King Dino De Laurentiis den dritten Teil der Evil Dead Reihe und verschaffte Raimi ein sagenhaftes Budget von 12 Millionen Dollar, das sich mehr als deutlich in den coolen Stop-Motions und fantastischen Settings niederschlägt. Alles wurde etwas weniger düster, weniger blutig, weniger trashig. Aber verdammt nochmal, auch dieser Film besitzt Ash (Bruce Campbell) und mit diesem wird immer alles Trash vom feinsten. Trotz seiner “Größe” ist Army of Darkness immer noch herausragendes Independent Horror-Action-Kino, zwischen spannendem Kampf gegen das Böse und total alberner, absurder Verzerrung. Inklusive Kettensägenarm, inklusive zermetzelter Untoter, inklusive Necronomicon… und wie gesagt inklusive Ash! Ein irres Action/Horror/Splatter-Bastardo Vergnügen.

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