Die ersten Jahre des Films – Teil 2: Die ersten inszenierten Geschichten

by Johannes Franke on 5. Mai 2011

in Film,Zeitmaschine

Nachdem wir nun die ersten – eher von der Faszination der technischen Machbarkeit dominierten – Jahre hinter uns haben, stellt sich die Frage:
“… und warum noch gleich lohnte sich der Blick in die ersten Jahre des Films?”
Die Filme selbst sind meist nicht besonders spannend, die Komik ist platt, die technischen Aspekte kaum mehr faszinierend. Und die ersten künstlerisch anspruchsvollen Filme wurden erst in den nächsten Jahren gedreht. Das wirklich Spannende daran, ist die Entwicklung drum herum. Die Etablierung der verschiedenen Filmdepartments, und vor allem die gesellschaftlichen Aspekte.

Während am Anfang, in der Zeit vor den Kintöppen, vor allem die Oberschicht darüber staunte und darin einen sehr amüsanten Zeitvertreib für Menschen mit zuviel Geld sah –  schlug die Stimmung in den ersten Jahren des beginnenden 20. Jahrhunderts um. Es wurden die ersten stationären Kintöppe errichtet, und die Zuschauer sollten kostengünstig – für einen Nickel (daher auch Nickelodeon), also 5 Cent in den Genuss ca. 8-15 minütiger “Possenstücke” kommen.
Plötzlich sahen die Kritiker die Gefahr der Überreizung der Seele und des Verfalls der sittlichen und moralischen Werte. Jede größere technische und kulturelle Neuerung scheint ersteinmal DIE Achillesferse des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu sein, Weltuntergangsszenarien werden gezeichnet und die Angst vor anarchistischen Zuständen greift um sich. Das war mit der Entdeckung der Geschwindigkeit so, das war beim Film so, und beim Internet ebenfalls.

In die neuen Unterhaltungstempel sollten die Zuschauer mit immer wieder neuen Filmen gelockt werden, und vor allem: Mit Substanziellerem als mit “Babys Frühstück”. Gespielte Sketche wurden immer beliebter und die ersten Filmgesellschaften wurden gegründet – ein ganzer Industriezweig stampfte sich selbst aus dem Boden. Besonders bemerkenswert: unter Schauspielern war es bis weit in die 1910er Jahre verpönt in einem Film mitzuspielen – bis dato wurden Laiendarsteller genutzt – größtenteils Freunde und Bekannte der Filmemacher. In Deutschland wurde den Schauspielern von den großen Theatern sogar verboten Filme zu drehen.

Der große Eisenbahnraub aus dem Jahr 1903 gilt als einer der großen Wegbreiter des inszenierten Films. Trotzdem dauerte es noch einige Jahre bis sich der Einsatz professioneller Schauspieler endgültig durchsetzte. Noch heute scheint es schwer zu sein den Produzenten dieser Welt zu erklären dass man gute Schauspieler braucht um Filme machen zu können.

Ein sehr bemerkenswerter Film aus dem Jahre 1905 ist “Le Diable Noir” von Georges Melies. Der Teufel sucht einen ehrenhaften Bürger heim und spielt ihm magische Streiche… durch raffinierten Einsatz der Schnittechnik verschwinden und vervielfältigen sich Gegenstände. Eine perfekte Choreografie. Georges Melies spielte lange vor den meisten Filmemachern dieser Zeit mit den Möglichkeiten des Mediums. Er gilt als der Erfinder des “Stop-Motion” – eine Technik mit der noch heute Trickfilme gemacht werden. Der wohl bekannteste Film von ihm ist “A Trip to the Moon”. Bis heute wird er von vielen Künstlern aufgegriffen. In Filmen, Bildern und Musikvideos…

Und damit wären wir durch die ersten, anstrengenden Teile der Filmgeschichte durch. Die ersten Filme die man sich mit etwas Geduld und der entsprechenden Begeisterungsfähigkeit anschauen kann liegen vor uns.

Da gerade in dieser Zeit viele spannende Filme entstanden sind werde ich diesen noch ein paar Artikel widmen. Denn hier bilden sich die verschiedenen Filmgenre heraus. Komödie und Tragödie wie allein durch den Einfluss des Theaters zu erwarten war. Aber auch Horror, Science Fiction, ausschließlich Skurriles, Absurdes und auch rein Dokumentarisches.

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