Die ersten Jahre des Films – Teil 1: von den Brüdern Lumière zur Jahrhundertwende

Während Florian sich in den Retrospektiven der jüngeren Filmgeschichte widmet, will ich mich mal auf die Anfänge des Kinos konzentrieren. Meine Filmische Bildung beginnt mit Charlie Chaplin. Charlie Chaplin, Buster Keaton und Friedrich Wilhelm Murnau. Warum? Weil sie die ersten waren die das Medium des “magischen Fotos” nutzten um Geschichten zu erzählen und damit den Siegeszug des Films erst möglich gemacht haben. Und wer sich aus heutiger Perspektive mit der Stummfilmzeit auseinandersetzt, dem ergeht es wie einem Atheisten mit der Bibel: er überspringt die ersten Kapitel und blättert rein, dorthin wo es spannend wird.

Dabei lohnt sich durchaus ein geführter Blick in die ersten Jahre des Films, die damit beginnen, dass die Brüder Skladanowsky am 1. November 1895 die erste öffentliche Bewegt-Bild-Vorstellung gaben. Im Berliner Varieté “Wintergarten” faszinierten sie die Zuschauer allein durch die technische Machbarkeit. Gezeigt wurden fast ausschließlich Alltagssituationen wie die Einfahrt eines Zuges aber auch ein ein boxendes Känguruh. Mit Kunst hatte das kaum etwas zu tun – und das die nächsten 10 bis 15 Jahre, bis die ersten Berufskameras in Reihe hergestellt wurden, weil die Nachfrage auch aus Künstlerischen Kreisen stieg.

Zu sehen ist “Babys Frühstück” – eine Aufzeichnung des Alltäglichsten, die den Brüdern Lumière eingefallen ist. Diese Filme dienten nur zur Demonstration des technisch Möglichen. Nachdem der einminütige Film “Arbeiter verlassen die Lumière-Werke” (1895) ein unglaublicher internationaler Erfolg war, versuchten die Brüder noch einen drauf zu setzen; und was liegt da näher als ein frühstückendes Baby? Von Kameraführung und Handlung noch keine Spur – wozu auch  das Publikum mit solchen Dingen überfordern, schließlich war der Zuschauer damit beschäftigt nicht “Teufelwerk”-schreiend aus dem Saal zu rennen. Bei der Vorführung eines Zuges der in den Bahnhof “La Ciotat” einfährt, sind die Zuschauer tatsächlich panisch aufgesprungen und geflohen, da sie befürchteten jeden Moment vom Zug überrollt zu werden.

Eines der ersten Gehversuche der tatsächlichen Film-Komödie stellt “L’arroseur Arrose” der Brüdern Lumière dar. Heutzutage kommt uns die Komik plump und unausgefeilt vor, aber durch das Erleben einer bisher unbekannten Art der Präsentation des Witzes, wurde dieser neu erzählt und vermochte das damalige Publikum zu überraschen.

Ich habe noch ein paar ergänzende Film-Beispiele dieser Zeit in folgendem Artikel zusammengefasst: Filmgeschichte – Die ersten Jahre des Films: Filme der Jahre 1891 bis 1900

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