Die 90er Jahre: Die besten Britpop-Alben des Jahrzehnts III

So, nun heißt es Abschied von Great Britain nehmen. Das ist ist der letzte Teil unseres Brit-Pop Specials. Noch einmal lassen wir diese große und erfolgreiche Zeit der Bands von der Insel aufleben. Mit den glamourösen Suede und Gene sollte spätestens jetzt klar werden, daß Britpop auch noch andere Einflüsse als die Beatles hatte, die natürlich zumindest für das Schaffen von Oasis wesentlich waren. Definitely Maybe ist schon so etwas wie  der Inbegriff dieses Genres, das in den Jahren 1994/95 erst richtig explodierte und keine zwei Jahre später wieder zusammenfiel. In diesem Sinne  laden wir noch einmal zu letzten großen Party ein und wünschen viel Spaß…

Oasis – Definitely Maybe

(Creation, 1994)

Definitely Maybe oder Morning Glory? Keine Ahnung, ob schon Ehen deswegen geschieden und Freundschaften beendet wurden… wir jedenfalls entscheiden uns für das immer noch epochale und zeitlose Debüt. Wie man gleichzeitig so roh,ungestüm und direkt sein kann, dabei aber fertige Pop-Hymnen wie Slide Away produziert, ist wohl ein Geheimnis, das Noel Gallagher selbst gerne wüsste womit er spätestens mit dem dritten Album Oasis zu den Beatles der 90er gemacht hätte. So bleibt nicht irgendein Debütalbum, sondern DAS Debütalbum schlechthin. Kaum ein Werk einer jungen Band hat bis dahin so ein Erdbeben ausgelöst, Hit an Hit gereiht und sich damit unsterblich gemacht. Danach konnte es keine Steigerung mehr geben… und wie wir  nun alle wissen kam sie auch nicht mehr. Definitely Maybe ist trotzdem Pflichtalbum eines jeden Musikhörers, egal ob er was mit Britpop anfangen kann oder nicht.

 

Wessen Interesse nun geweckt wurde, der darf auch gerne in unsere Oasis Retrospektive weiterlesen (selbstverständlich auch der zu den 00er Jahren).

Menswear – Nuisance

(Universal, 1995)

Wenn man sich schon Menswear nennt… Die Band aus Camden war der Journaille aus London immer schon suspekt und nicht wenige warfen ihnen vor, eigentlich eher eine Boygroup als eine tatsächlich talentierte Band zu sein. Der kurze Erfolg der Jungs mag den Kritikern recht geben, aber Nuisance hatten durchaus Substanz und viele gute Songs. Gitarrist Simon White ist heute erfolgreicher Manager von Bands wie Bloc Party, Phoenix, Les Savy Fav und The Wombats.

 

Gene – Olympian

(Polydor,1995)

Es ist ja nicht so, dass Morrissey in den 90ern komplett abgemeldet war, aber zwischen Nervenheilanstalt und sonstigen Krisen gehört das Jahrzent eben nicht zu seinen wirklich erfolgreichsten. Da seine legendäre 80er-Band The Smiths widerum im Gegensatz zur Queen reichlich tot waren, gab es eine Menge ambitionierter Nachfolger, von denen Gene wohl noch am ehesten in Erinnerung geblieben sind. Mit Suede und Mansun bildeten sie die Glam-Fraktion des Britpop, die weniger Arbeiterklassen-Stolz sondern eher eher kunstvolle Außenseiter Prosa zu bieten hatte.


Echobelly – On

(Sony, 1995)

Eine Art Riot Girl trifft auf Verleger von Pornomagazin und beide  gründen eine schwedisch-englische Britpop-Band, klarer Fall. Echobelly hatten intelligente, zynische Texte und einen frischen Esprit, der an Blur oder Elastica erinnert. Nur gab es beide Bands leider Gottes schon und so wurde Echobelly ein fast vergessener Geheimtipp mit damals mäßigen Erfolg. Schade um die netten Popsongs, die unglücklicherweise immer zuviel britischen Humor für einen kontinentalen oder weltweiten Erfolg hatten, obwohl sowohl R.E.M. als auch Madonna sie mit auf Tour nahmen und sogar unter Vertrag stellen wollten.

 

The Verve – A Nothern Soul

(Hut Record, 1995)

Wer kennt Bittersweet Symphomy nicht? Der ist aber auf dem nachfolgenden Album Urban Hymns drauf. A Nothern Soul hätte ebenso ein großer Erfolg werden können, wenn sich The Verve nicht mal wieder in zahlreichen Streitereien und Drogen-Eskapaden selber ein Bein gestellt hätte. Hinzu kam, dass die Presse und auch die Öffentlichkeit mittlerweile komplett auf  den Machtkampf zwischen Blur und Oasis fixiert war und keiner so wirklich Lust auf das bluesig-psychelische A Nothern Soul hatte. Der Mega-Erfolg des wesentlich kommerzielleren Urban Hymns überdeckt leider immer wieder die lange und eigentlich spannendere Psychedelic-Phase von The Verve, die sie zu interessanten postmodernen Verwertern der Beatles-Experimentierphase macht.

 

Suede – Dog Man Star

(Nude, 1994)

Eigentlich müsste man mal auf den Einfluss von David Bowie zu sprechen kommen, der wohl von den Nine Inch Nails über die Smashing Pumpkins hin zu Arcade Fire so ziemlich alle -aber auch wirklich alle – auf die ein oder andere Weise beeinflusst hat. Auch Britpop-Bands der 90er wie Suede liessen sich von dem Gottvater des Glam-Rock inspirieren und veröffentlichten mit Dog Man Star ein Album mit viel Pathos, Eros und Gespür für Hymnen. Dog Man Star dürfte wohl das Meisterwerk des Songwriter-Gespanns Brett Anderson/Bernhard Butler sein. Schillernd schmachet es in Oscar Wild’scher Traurigkeit und großer epischer Emotionalität vor sich hin. Große Romantik mit großem Klang.

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