Hörenswertes: April 2011 (II): Panda Bear, The Head And The Heart, The Naked And Famous, Jamie Woon

Mein Herz tanzt und jedes Molekül bewegt (Mia). Jap, wir nähern uns mit großen Schritten dem Wonnemonat Mai und frühsommerliche Temparaturen verlangen nicht mehr Weltuntergangs-Stimmung und hoffnungslose Traurigkeit sondern tanzbare Rhythmen vom psychedelischen Panda Bear, den Herz-Schmerz Electro-Pop von The Naked And Famous und Dub-Pop von Jamie Woon. Nur die Folkies von The Head And The Heart fallen aus dem Programm, laden aber zu einem ruhigen Waldspaziergang durch die amerikanische Idylle ein.

Panda Bear – Tomboy

(Indigo, 15.04.2011)

Noah Benjamin Lennox kennt keine Sau, sein Künstler-Ego Panda Bear dafür seit Ende der 00er Jahre umso mehr Leute. Vor 3 Jahren veröffentlichte der Soundtüftler zusammen mit seiner Band Animal Collective das wegweisende Merriweather Post Pavilion, das einfach die Pet Shop Boys, Folk, Electronica, Hip Hop und so ziemlich alles andere in einen Topf warf. Das Ergebnis war ein komplexer, dabei doch irritierend poppiger Rausch, der sogar Radiohead als  die weltwichtigsten Sound -Tüftler ablöste. Nun ist zumindest der Cheffrickler himself zurück und klingt  im Gegensatz zu Thom Yorke nicht entgültig emanzipiert, sondern führt den eh schon genresprengenden Sound von Animal Collective einfach fort. Das klingt am Anfang noch immer so fresh wie 2008, lässt aber am Ende doch ziemlich an Spritzigkeit nach, da man sich selbst an diese außergewöhnliche Geschmackssorte mittlerweile gewöhnt hat. Mal sehen was Panda Bear`s Kompagnon Avey Tare beim nächsten AC Album dazu einfällt, um den Sound wieder auf Albumlänge interessant zu halten.

 

Stream

 

The Head And The Heart

(Cooperative, 22.04.2011)

 

Seattle, ja genau das sind doch krachende Gitarren und langhaarige depressive Typen, die sich ihren Schmerz aus der Lunge schreien. Ups sorry, bin immer noch in der 90er Retrospketiven… Sub Pop steht schon seit langer Zeit nicht mehr für Nirvana sondern für Fleet Foxes und andere anspruchsvolle, besonnene Band aus dem Bereich Folk und Indie-Pop. The Head & The Heart gehören eher zu ersterer Kategorie und lassen noch Americana mit einfließen. Das klingt ein wenig, sagen wir mal bieder, aber weiß trotzdem zu gefallen. Nur wenn man sich nach einer halben Stunde immer noch in einem Soundtrack zu einem 20er Stummfiilm wähnt wünscht man sich doch wieder die Dresden Dolls zurück, die sowas vo einiger Zeit schon genau mit den selben Mitteln geschickt aufgenommen, zeitgleich aber auch dekonstruiert haben.

 

The Naked And Famous – Passive me, aggressive you

(Universal,18.03.2011)

Wer tatsächlich noch ab und zu auf den Werbesender Viva schaltet, wird um diese komischen Dreieck Visuals, in denen irgendwelche Kids Teenie-Dramen erleben und vor allem den darin enthaltenen an MGMT erinnernden Sound nicht herum gekommen sein. Der Mix lässt sich am besten so beschreiben: The The Pains Of Being Pure At Heart haben endgültig ihren Lo-Fi Sound zur Seite gelegt und führen ihren Sommer-Pop nun endgültig mit Drum Patterns und Keyboard fort. Das klingt jetzt viel schlimmer, als es ist. Naked and Famous spielen schönen Pop, der das alles einlöst, was man sich von dem zweiten Album von MGMT erhofft hat. Euphorischen Eskapimus, knarziger Synth-Klang , OhOhOH-Chöre, dazu ein perlendes Getränk und fertig ist der “Fröhliche tanzende Menschen tanzen herum und haben die Zeit ihres Lebens”-Soundtrack. Was genau ist schlimm daran? In diesem Falle gar nichts, überhaupt nichts. Wem es  zu sunny ist, der darf sich über eines kleines bischen dramatische The Cure-Düsternis freuen, die sich ab und zu einschleicht. Erste Liebe und Schmerz liegen eben doch auch 2011 nah beieinander.

Jamie Woon – Mirrorwriting

(Polydor, 19.04.2011)

James Blake, weißer Hipster-Schönling, konnte mit seinem Valium-Debut immerhin die Kritiker begeistern. The Weeknd ist zwar schwarz, aber das ist auch kein Garant für großartige Soulmusik und das in der Blogosphäre mit großen Tamtam angekündigte Mixtape entlockte Florian nur ein großes Gähnen. So ganz wollte das mit Dubstep 2.0 bisher nocht nicht so funktionieren, zu glatt und zu unterkühlt war der Versuch dem ganzen Genre eine Seele einzuhauchen. Jamie Woon ist nun der nächste, dem Großes vorher gesagt wurde. Allen, die nun dank Übererwartung und Enttäuschung sich schon langsam abwenden, kann gesagt werden: Ja, Mirrorwriting ist endlich die Symbiose aus Sex,  mechanisch genauen Beats und Pop, die tatsächlich  massenmarktkompatibel ist, und interessanterweise auch authentisch daher kommt. Mirrowriting versucht sich weder dem Kunststudenten anzubiedern, noch verleugnet es seine Herkunft und Affinität zum schwermütigen Dubstep, überzeugt aber trotzdem mit geschmacksicherem Pop-Appeal. Die große Gefahr besteht nur darin, dass der Feulliton James Blake schon bald als Anti-Woon aufbaut, dabei sind ihm und dem Produzenten-Team, u.a. Dupstep-Ikone Burial, einfach nur die besseren und wahrscheinlich zeitloseren Songs eingefallen. Der eine produziert Musik für einsame Nerds, hier aber schlägt das Herz den Breakbeat-Takt für die Clubs.

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