Die 90er Jahre: Die besten Slacker-Komödien des Jahrzehnts

Irgendwann sind sie dann doch erwachsen geworden, die Teenager der 80er Jahre, die nichts anderes zu tun hatten, als die Schule zu schwänzen, kreativ unproduktiv zu sein, zu saufen, zu kiffen und die Zeit totzuschlagen. Typen wie Ferris Bueller, Hoops McCann oder John aus Breakfast Club. Aus ihnen wurden schließlich Twenties, die nichts anderes zu tun hatten, als die Arbeit zu schwänzen, kreativ unproduktiv zu sein, zu saufen, zu kiffen und die Zeit tot zu schlagen. Aus den High School Outsidern der 80er Jahre wurden die Slacker der 90er (aus denen schließlich die Nerds der 00er erwachsen sollten, aber das ist eine andere Geschichte). Kaum ein Stereotyp war in den Independentfilm Komödien der 90er Jahre derart angesagt wie der des jungerwachsenen Herumlungerers, der nicht genau weiß was er mit seinem Leben anfangen soll, der das macht, was ihm gefällt, der sich seiner Faulheit nicht schämt und diese zugleich dazu benutzt, sich selbst zu verwirklichen. Und Regisseure wie Richard Linklater und Kevin Smith haben diesen Typen – die sinnbildlich für eine wesentliche Attitüde der Generation X stehen – filmische Denkmäler gesetzt. Die Besten und Größten der Faulsten… Unzeitgemäß, antriebslos, auf ihre eigene Art rebellisch und dabei meistens urkomisch, wenn auch fast immer mit einer tragischen Komponente…. Viel Spaß.

Clerks – Die Ladenhüter [Kevin Smith]

(USA 1994)

Was wäre das Genre ohne die Low Budget Komödie Clerks von Kevin Smith (der dann mit Chasing Amy einen der besten Liebesfilme und mit Dogma 1999 einen der besten Fantasyfilme des Jahrzehnts nachschieben sollte)? Nicht nur der Protagonist Dante und sein Freund Randal sind hier Slacker-Prototypen in reinform sondern auch die zahlreichen verrückten Nebenfiguren, die sich in dem im Handlungsmittelpunkt stehenden kleinen Laden in New Jersey einfinden; allen voran Jay und Silent Bob, die sich als Sidekicks zu Running Gags in Smith’s Œuvre entwickeln sollten. Nebenbei gibt es noch eine Menge Probleme, von Oralsexobsessionen bis hin zu gesprengten Beerdigungen. Und natürlich die legendären Gespräche über die Liebe, das Leben und die moralischen Verstrickungen von Todessternentwicklern aus dem dritten Star Wars Film. Ein herrlicher, ungezwungener und urkomischer Film, der wie die meisten Slackerkomödien unbedingt im O-Ton gesehen werden sollte.

 

Slacker [Richard Linklater]

(USA 1990)

Aber – um das gleich klar zu stellen – bei allem Kultfilmpotential ist Clerks nicht DIE Slacker-Blaupause. Diese Ehre gebührt einem anderen Film, der nicht nur durch seinen Titel Maßstäbe für das gesamte Genre setzte. Slacker von Richard Linklater (Waking Life) ist ein wildes, ungestümes Kaleidoskop verwahrloster Twenties in Austin Texas zu Beginn der 90er Jahre. Unermüdlich springt der Regisseur hier von Geschichte zu Geschichte, von Lebensentwurf zu Lebensentwurf und zeichnet ein ebenso vitales wie tragikomisches wie tristes Bild einer verlorenen Generation. Wir sprachen bereits von der tragischen Komponente der 90er Außenseiter… Hier kommt sie voll zum Zug. In den kurzen Aufmerksamkeitsspannen der Kamera wird die Orientierungslosigkeit und das Desinteresse der Anti-Protagonisten perfekt eingefangen, mal verpackt in nerdigen Dialogen, mal in einem einfachen und dennoch empathischen Augenblick. Lethargie, Antriebslosigkeit aber auch Phantasie,  Kreativität und Eigensinnigkeit in einer nahezu kosmologischen Achterbahnfahrt perfekt vereint. Vollkommen zurecht der Stern des gesamten Genres.

 

Dazed and Confused – Sommer der Ausgeflippten [Richard Linklater]

(USA 1993)

Schieben wir gleich den nächsten Linklater nach. Dieser erlebte seinen tatsächlichen Durchbruch nicht mit dem prototypischen Slacker sondern der einige Jahre später produzierten Teenagerkomödie “Dazed and Confused”, die beim jungen Publikum der 90er Jahre schnell einen enormen Kultstatus erlangen sollte. Und auch wenn die Protagonisten als High School Abschlussjahrgang für einen Slacker Film zu jung sind, so ist der erinnerungswürdie Sommer weitaus mehr als die klassischen 80er Coming of Age Geschichten, in deren Tradition er scheinbar steht. Er ist so etwas wie die Fortsetzung der John Hughes Teenagerkomödie mit den Mitteln des Slacker-Films: Böser, direkter, hedonistischer… und ausgerechnet in den 70ern spielend, die allerdings weitaus mehr zum sozialen Spiegelbild der 90er Jahre wird; zum stellvertretenden Porträt einer ebenso lebenshungrigen wie verlorenen Generation, deren ganze Komik und Tragik im Kaleidoskop einer einzigen Nacht zusammengeführt, auseinander dividiert und wieder vereint wird.

 

Durchgeknallt [Wes Anderson]

(USA 1996)

Wes Anderson (The Royal Tenenbaums) dürfte jedem Cineasten der 00er Jahre ein Begriff sein. Nur Wenige kennen sein Frühwerk Rushmore,  und noch weniger Zuschauer kennen seinen Debütfilm, den nerdigen Slacker/Gangster-Bastard “Bottle Rocket”. Im Gegensatz zu den meisten anderen Slackerfilmen wird hier tatsächlich eine (vermeintliche) Fluchtmöglichkeit aus der Tagelöhnerexistenz gefunden: Kriminalität. Das Ergebnis ist ein Anderson typisch skurril langsam erzählter Mashup aus Tarantino und Hughes minus dessen Popverve plus einem ordentlichen Schuss Slackermelancholie und tragikomischen Momenten. Ein Low Budget Indie Hit, der für Anderson zum Sprungbrett einer großen Regiekarriere wurde.

 

Alles Routine [Mike Judge]

(USA 1999)

Noch eine Slackerkomödie, die ein wenig aus der Reihe tanzt… Mike Judge (Beavis und Butthead) verpflanzt die Thematik des faulen Slackers in die New Economy. Work sucks, das denkt zumindest Programmierer Peter Gibbons nach einer fehlgeschlagenen Hypnose und beschließt daher einfach gar nichts mehr zu tun. Wie er es so dennoch in die Führungsetage und schließlich zum großen Betrüger schafft erzählt Office Space mit unglaublich bösem und zugleich hintersinnigem Humor, der nicht nur die Slackergeneration geschickt aufs Korn nimmt, sondern im gleichen Atemzug auch noch mit bösen satirischen Spitzen gegen die Arbeitsmoral der New Economy feuert. Ein herrlicher, überdrehter und überzeichneter Post-Slacker Spaß, der die Welten der beginnenden und ausgehenden 90er geschickt aufeinander prallen und aneinander zu Grunde gehen lässt.

 

Bill & Ted’s verrückte Reise in die Zukunft [Peter Hewitt]

(USA 1991)

Okay… das ist nur eine Fortsetzung. Und eigentlich sind Bill und Ted ja auch viel zu jung für die Slacker-Generation. Und eigentlich fehlt hier fast vollkommen die tragische melancholische Komponente, die gute Slacker Movies (Clerks) von miesen Slacker Movies (Biodome) unterscheidet. Und eigentlich ist das ja alles ziemlich trashy, und Over the Top und überhaupt…. Ach was solls: Bill & Ted’s Bogus Journey gehört zu jenen Fortsetzungen, die das Original nicht nur würdig weiterführen sondern sogar in vielen Punkten toppen: Das surreale Spiel mit Raum, Zeit, Dimensionen, der vollkommen alberne Over The Top Schlagabtausch mit dem Tod, die comichaften Figuren, der Verve, der Drive… Bill & Ted 2 ist eine größenwahnsinnige, sich selbst nie ernst nehmende das Original hochpotenzierende Achterbahnfahrt, die genüsslich mit ihrem eigenen Dilettantismus kokettiert. Schrill, bunt … so was von early Ninetees, durchgeknallt… ein riesen Spaß.



 

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