Rubrik “Man muss ja nicht alles verstehen”: The Weeknd – House of Balloons

by Florian Bayer on 29. März 2011

in Musik

Das selfpublished Tape von The Weeknd wird im Moment im Netz rumgereicht. Und klar, dass ist schon ganz schön clever, wie der kanadische Produzent, der dahinter steckt, das Album “House of Balloons” viral vermarktet hat. Ein wenig Mystery, ein paar Appetizer, schließlich vier Songs, dann noch mehr Mystery und schließlich das komplett kostenlose Tape via Soundcloud und zum Download, fertig verpackt zum Abfeiern… Tschuldigung, das soll jetzt gar nicht so sarkastisch klingen, wie es vielleicht gerade tut: Diese Art der Web-Vermarktung hat wirklich was für sich, und die kostenlose Verbreitung der Songs ist sowohl eine künstlerisch als auch ökonomisch lobenswerte Entscheidung. Es ist immer großartig, wenn frische junge Musik jenseits der industriellen Mechanismen erschaffen, verbreitet und wahrgenommen wird.

Aber… verdammt nochmal… wie soll ich das goutieren, wenn ich mit dem Sound dahinter wirklich so rein gar nichts anfangen kann? Noch weniger freilich mit dem Hype, mit dem dieser Soulpop/RnB-Bastard derzeit hofiert wird. Bei Pitchfork mit 8.5 Punkten und dem Siegel “Best New Music” versehen vom Splash Mag zum Next Big RnB Thing erklärt… und selbst drüben bei Auftouren, deren Bewertungen ich eigentlich immer so weit zustimmen kann, ordentlich gelobt. Also muss ja irgendwas dran sein. Und ich hör’s jetzt ja auch schon zum dritten Mal… Aber nee… nada, nichts.

Ich finds ja noch nicht einmal so richtig scheiße. Aber warum diese klebrige Mischung aus RnB und Pop dem Genre neue Impulse geben soll, erschließt sich mir überhaupt gar nicht. Im besten Fall ganz netter gediegener und dunkler Durchschnitts RnB, in den schlimmsten Momenten klebriger Düsterpop, der sich nie so ganz entscheiden kann, ob er nun tanzen oder jammern will. Mitunter tut es dann auch einfach nur meinen Ohren weh. Kann ja sein, dass das die Zukunft des RnB, die Versöhnung von Pop und Underground ist… ich finde es einfach nur nervig: Der platte Sex-Appeal, der ungefähr so anziehend ist wie die Performance von Britney Spears bei den MTV Music Awards 2007, der gepitchte Gesang, der sich in schmerzhaftem Pathos verliert, der lahme Pop-Einschlag, der nie so richtig Fahrt aufnimmt…. Das ist alles weder Fisch noch Fleisch. Nicht düster genug, um eine wirklich stimmige Atmosphäre zu kreieren, nicht poppig und eingängig genug, um als satte Hitmusik im Gehör haften zu bleiben, nicht sinnlich genug, um mehr Stil als die unzähligen anderen RnB Acts da draußen zu besitzen.

Okay, das ist kein Pop von der Stange und definitiv einfallsreicher und auch originärer als der RnB-Pop, der sich derzeit in den Charts tummelt. Aber was bringt das, wenn es einfach nicht klingt, wenn es nicht mitreißt, nicht begeistert, sondern einfach nur so vor sich hinfließt, hin und wieder aufgelockert durch ganz nette Einfälle? Vielleicht ist genau dieser Umstand das größte Problem, das ich mit The Weeknd habe: Es ist zu hip um gut zu sein, zu hip um zu unterhalten, zu hip um tiefer zu gehen, zu hip um wirklich zu berühren und länger zu fesseln. Ach verdammt, The Weeknd ist schlicht und einfach zu hip. Trendyness zu Lasten der Musik, anders kann ich das im Moment nicht sagen. Und bevor ich mir in meinen Tiraden dagegen immer einsamer vorkomme, ruht meine letzte Hoffnung auf Rinko, der ja nie um deftige Lästereien verlegen ist. Bitte sag mir, dass du das auch doof findest. Lass mich nicht verbittert allein in der Ecke sitzen, während die anderen Kinder sich an ihrem neusten Spielzeug erfreuen können. Bitte!

Bis dahin drücke ich an dieser Stelle wirklich zum allerletzten Mal die Playtaste für The Weeknd und hau seine Soundcloud trotzdem noch schnell unten rein. Vielleicht könnt ihr ja mehr damit anfangen… Ich bin erstmal raus.

 

The Weeknd – House Of Balloons by The_Weeknd

 

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Marcus DostNo Gravatar April 3, 2011 um 10:26

ich weiß auch nich was ich zu weeknd sagen soll. den ersten song fand ich gut und hab deswegen das album gezogen. aber dann also da passiert irgendwie nichts, aber es ist auch nicht schlecht. wicked games ist gut.

aber ich kann den hype verstehen, is halt ne befremdliche kombination aus pop-soulgesang, schleppenden hiphopbeats, elektronik, ein wenig düsterheit und alles ist minimalistisch gehalten. das klingt neu, weil alles andere in die richtung halt eher größer und voller produziert wird. ich glaub nich das das sehr lange gehypt wird.

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