Die 90er Jahre: Die besten Britpop-Alben des Jahrzents II

Britpop, zum Zweiten. Heute gibt es die großen Dramen von den Manic Street Preachers, Routine in ihre schönsten Form von Altmeister Paul Weller und wieder Alben, die oft übersehen und vergessen wurden. Wir wünschen wie immer viel Spaß, hoffentlich interessante Neuentdeckungen oder freudiges Wiedersehen mit alten Bekannten.

Manic Street Preachers – Everything must go

(Epic, 1996)

Für viele Fans hören die eigentlichen Manic Street Preachers nach “The Holy Bible” auf. Der traurige und höchst dramatische Grund: Richey James Edwards, depressives Genius hinter den ersten drei Preachers Alben verschwand spurlos und anstatt den immer düster werdenden Sound vom Vorgänger weiter zu führen ist “Everything Must Go” teilweise aufrüttelnd und dem Albumtitel getreu trotzig. Weg vom epischen Breitwandrock zurück zu den rauen, unbekümmerten Rock`n Roll Wurzeln…

Gay Dad – Leisure Noise

(London Records, 1999)

Auch im Britpop gab es die Erfolgreichen, Innovativen und eben die Geheimtips, die trotz guter Kritiken kaum kommerziellen Erfolg erzielen konnten. In der großen Britpop Familie waren Gay Dad eher ein Aussenseiter-Thema, was nicht verwunderte, schließlich war Sänger Cliff Jones eine zeitlang Musikjournalist bei Mags wie The Face oder Mojo und nicht wirklicher integriertes Mitglied einer Szene in London oder Manchester. “Leisure Noise” war demzufolge auch eher Britpop für Hipster als für die breite Masse, die nach dem Britpop-Hype vor allem außerhalb von England schon längst abgewandert war.

Ash – 1977

(Infectious Records/Reprise, 1996)

Supergrass waren die einen Teen-Stars, Ash die anderen. Der Flirt mit Pop-Punk  und Alternative Rock war bei ihnen aber stets  ausgeprägter und 1977 geht nur noch gerade so hauchdünn als Britpop durch, weil es eben große Dramen wie “Oh Yeah” und “Goldfinger” hatte, die mit einer gesunden Portion Pathos dem jugendlichen Überschwang  von Songs wie “Girl from Mars” entgegen standen. Nach leider nicht vollends überzeugenden Nachfolgealben in den 00er Jahren wünscht man sich wohl mittlerweile “1996”  zurück, als Ash dem machmal doch etwas überproduzierten Britpop den nötigen Punk-Spritit gaben.

 

Paul Weller –  Stanley Road

(Go! Discs,1995)

Bei all den hipen und jungen Bands kommen wir nun zum Godfather des Britpop. Die Begeisterung für britischen Sound brachte nämlich auch und vor allem den Sänger  der Kultband The Jam wieder in Gedächtnis der Musikhörer. Als Weller sein Album Stanley Road aufnahm traf sich die Creme de la Creme des Britpop, um ihrem Altvorderen zu huldigen. Unter Anderem veredelten Oasis Chef Noel Gallagher “I Walk on Gilded Splinters” und Songwriter Legende Steve Winwood “Woodcutter’s Son”. Ein Gourmet-Album für Freunde des gut abgehangenen Pop aus Großbritannien.

 

Cast- All Change

(Polydor,1995)

Mit den LA`s hatte John Powers quasi den Britpop der 90er mit erfunden, war damit aber einfach zu früh dran. 60er Reminizensen wollte im Jahre 1990 eben keiner so wirklich hören und so musste der exzentrische Sänger noch ein paar Jahre warten, bis der Britpop Hype der Jahre 1994-1996 ein 60er Revival in Musik und Mode hervorbrachte, das Powers und Cast zumindest auf der Insel endlich auch nach oben beförderte. Im Gegensatz zum Sunshine Pop der LA`s sind Cast allerdings psychedelischer und existieren mit Unterbrechungen bis heute.

 

Ride  – Going Black Again

(Creation, 1992)

Shoegaze, oder doch schon an der Schwelle zum Britpop? Wie The LA`S wurden Ride von den großen Bands der Szene immer wieder als Vorbilder und Inspiration genannt. Sänger und Gitarrist Andy Bell würde hier übrigens sogar mehrmals auftauchen, wenn wir die Oasis der 00er besprechen würden. Im neuen Jahrtausend stieß er nämlich zu den Gallagher-Brüdern, die damit eines ihrer großen Idole in den eigenen Reihen wussten.  Auf Going  Black Again bauen sich psychelische Gitarrenwände von epischer Größe und Schönheit auf, die immer noch genug Fundament besitzen, um auch heute noch den Test der Zeit zu bestehen. Damals allerdings mussten sie ausgerechnet Bands wie Oasis weichen… und Shoegaze wurde längere Zeit zum vergessensten Genre der 90er.

 

Cornershop – When I was Born for the 7th Time

(Wiiija, 1997)

Den Hit Brimful of Asha kennt jeder… oder hat ihn wenigstens irgendwann mal im TV oder Radio gehört. Cornershop, deren Mitglieder alle indische Migranten waren und sich nach den Geschäften an der Strassenecke benannten, vermischten ihren Sound schon recht früh mit Dance-Elementen und indischer Musik. Wie schon zu Zeiten des Swinging London der 60er wurde auch dieser Musikstil wiederentdeckt. Nachdem die Single anfangs noch behäbig auf einem der letzteren Chartsplätze landete entwicklelte sie sich zu einem wohlverdienten Hit und konnte gerade durch den Remix von Fatboy Slim viel Aufmerksamkeit erreichen.

 

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