Für`s Protokoll : Echo 2011

Ich hab keine Ahnung, ob es überhaupt jemand interessiert, aber gestern wurde irgendwo in Berlin der weltunnötigste Musikpreis verliehen. Anwesend bei der dieses Jahr ca. 20 h andauernden Trauerveranstaltung waren unter anderem Rammstein die den Preis mit “Sowas passiert, wenn man die Zuschauer wählen lässt” kommentierten und sich sichtlich begeistert bei Vattenfall bedankten, weil “wir sonst hier im Dunkeln stünden”. Weil eh schon jeder Musiker über 40 einen Preis für sein Lebenswerk bekommen hat, hat man nun auch Annette Humpe  einen in die Hand gedrückt, die sich mit dem Song “Berlin” und Unterstützung von Max Raabe und Selig nochmal artig bei der Stadt bedankte, die sowas tatsächlich zulässt. Kneipenbesitzerin Ina Müller  versuchte eine grenzdebile Chanson-Version von “Die kleine Kneipe,” damit die Zuschauer über 70 sich nochmal daran erinnern, dass Peter Alexander im Februar dieses Jahres verstorben ist. Den fand ich als Kind mal ganz toll, als wir nur drei Sender hatten und ich mit meiner Oma zusammen biedere Spaßfilme wie “Peter schießt den Vogel ab” sehen durfte. Sie hätte sich über die Ehrung ihres Lieblingschauspielers bestimmt gefreut.

Anna Loos hatte auch dann endgültig eingesehen, dass sie als mittelmäßige Schauspielerin  nur noch für mittelmäßige  TV-Filme eingesetzt wird und ist nun seit einiger Zeit eine noch mittelmäßigere Sängerin von der Ost-Band Silly. Sie durfte einen Preis an Schönling David Garret überreichen, der noch irgendwas über Berlin nuschelte und möglichst darauf achtete, dass seine Frisur richtig saß. Immerhin die Kritiker bewiesen noch sowas wie Restverstand und verliehen ihren Echo-Preis an  den Hamburger Electro-Künstler Pantha Du Prince anstatt an den Fritz Kalkbrenner. So blieb vielen Berlinern einen weiterer Fremdschäm-Moment erspart. Tocotronic, die noch in den 90ern  angewiedert einen Viva-Cometen ablehnten, freuten sich übrigens angeblich sehr über ihre Echo-Nominierung, gebracht hat es trotzdem nix. Wer dachte, dass es irgendwie einen Eklat oder wüste Beschimpfungen von  einer jungen Newcomer geben würde, konnte nur gelangweilt zuschauen, wie sich alle gegenseitig ganz toll fanden; und bei soviel Kumeplei fiel auch gar nicht auf, dass Wir sind Helden diesmal gar nicht auftauchten.  Wahrscheinlich hätten sie sich mit ebenso großen Augen bei ihren Promotern  und Labelchefs, die wahlweise wie Türsteher  oder Züricher Banken-Chefs aussahen, bedankt. So brachten ausgerechnet die braven Männer von Take That eine Performance, in der Polizisten zu Boden gerungen und vor jugendlicher Rebellion gewarnt wurden. Früher waren für sowas noch Hausbesetzer zuständig, früher haben auch mehr als 50 Leute eine CD gekauft und dem Echo ein wenig Relevanz gegeben, früher hätte man sowas wie die Amigos und Andrea Berg mit Katzenscheiße erschossen. Noch für`s Protokoll. Unheilig und Hurts hatten anscheinend den gleichen Bühnen-Designer und Ina und der Typ, der gerade Werbung für Gilette Rasierklingen macht, luden sichtlich erleichtert  zur After-Show- Party ein. Eine ausgiebige Vorglüh-Party scheint es angesichts der wirren Lallerei  und dem Gestammel der Beiden wohl auch gegeben zu haben.

 

5 Kommentare zu “Für`s Protokoll : Echo 2011

  1. “Ich keine Ahnung, ob es überhaupt jemand interessiert, aber gestern wurde irgendwo in Berlin der weltunnötigste Musikpreis verliehen.”

    Und Dein Blog ist so weltunnötig, daß es drüber berichtet? Beeindruckend.

  2. Danke, dass das mal jemand sagt! Edelmetall-Schallplatten sind Preis genug, die deutsche Musikindustrie sollte sich lieber mal an Sachen wie dem Mercury Prize orientieren.

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