Three Men and a Half Gallagher – Rezension zu Beady Eye “Different Gear, Still Speeding”

Beady Eye – Different Gear, Still Speeding

(Indigo,25.02.2011)

Im Grunde genommen hatte sich die Presse schon ihr Urteil über Beady Eye bereits lange im Voraus gebildet. Auf der einen Seite Noel Gallagher, Chef und Genius von Oasis und auf der anderen Seite Brüderchen Liam, meistens dauerbesoffen und eher mäßig talentiert. Dem würde Noel Gallagher nicht widersprechen, wenn ihm anscheinend nicht eh alles mittlerweile egal wäre, während er nun irgendwo seiner Rock-Rente entgegen sieht.

Um also die Noel Fraktion und Fachpresse zu besänftigen hätte hier schon ein Dubstep Album oder ein zweites Morning Glory vorgelegt werden müssen. Es ist aber letztendlich “nur” ein ordentliches Retro-Album geworden, in dem der jüngere Gallagher Bruder seinen großen Vorbildern aus den 60 & 70ern huldigt, mitunter leider überdeutlich wie in dem Song “Beatles & Stones”, in dem er unpassenderweise  “My Generation” von The Who rippt, und sich wie schon bei seiner Ex-Band nicht großartig darum kümmert, das Ganze irgendwie geschickt zu verändern oder gar zu vertuschen. Den großen Unterschied zu den letzten beiden Alben von Oasis gibt es allerdings dann doch: Es klingt hier nach langer Zeit wieder so, als ob die Bandmitglieder, die ja bis auf Drummer Chris Sharrock aus der ehemaligen Oasis-Formation bestehen,  bei der Aufnahme des Album einen verdammt großen Spaß hatten und nicht Marionetten eines zunehmend gelangweilten Noel Gallaghers waren, dem sein Projekt mehr und mehr egal wurde, so dass es in Richtung Mittelmäßgkeit hätte abdriften lassen.

Hier wurde mal gar nix neu erfunden, aber das Ergebnis ist doch überraschend zufriedenstellend ausgefallen, was so sicherlich keiner erwartet hat. Beady Eye haben zum Glück erst gar nicht versucht, größer zu erscheinen, als sie sind, sondern einfach ihrem Fetisch für Beatles, Led Zep und Stones freien Lauf gelassen, alte Sounds aus der verstaubten Garage geholt und nochmal gemeinsam auf Hochglanz poliert. Wer bei dem Album nicht an einen verwackelten Super 8 Film denken muss, in dem die Jungs einen Alten Gibson aufmotzen und bedröhnt durch die nordenglische Provinz fahren, hat entweder nicht so überschäumende Fantasie wie der Rezensent oder versteht erst nach mehrmaligen Anhören des Albums was gemeint ist. Different Gear, Still Speeding ist zwar mindestens 4 Songs zu lang ausgefallen, aber das wiederum kannte man ja auch von  den letzten Oasis-Alben,  und so sollte sich der Kreis wieder schließen.

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