Die 90er – Die besten elektronischen Alben des Jahrzehnts III

DJ Hell – Munich Machine

(V2 Records,1998)

Ende der 90er ist Techno nahezu vollkommen durchkommerzialisiert und endgültig Musik für die Massen. Um die Jahrtausendwende wird Electroclash wieder zu den Wurzeln der 80er zurückfinden, doch bereits 1998 orientiert sich DJ Hell wieder an dem reduzierten Sound aus Detroit. Nicht alles ist allerdings so cool und durchgestylt wie später bei Fischerspooner und Miss Kittin & The Hacker… aber hier wird der richtige Weg vorgegeben.

Aphex Twin – The Richard D. James Album

(Warp, 1996)

Ja und schon wieder der verschrobene Querkopf aus England. Im Grunde genommen gehört er auch nicht in ein Jahrzehnt, denn die graue Eminenz des Intelligent Techno war  schon immer seier Zeit weit voraus. Wie immer gab es auf jeden seiner Alben eine Achterbahnfahrt zwischen wirren Breakbeats, perfektionistischen Ambient Momenten und noch andere Sachen, bei denen man sich durchaus Sorgen um den psychischen Zustand dieses Genies machen kann.

Chemical Brothers – Dig Your Own Hole

(Virgin, 1997)

Na, schon nervös geworden? Ihr habt nicht wirklich geglaubt, dass wir dieses Meisterwerk unterschlagen. Schon auf Exit Planet Dust haben die “Chems” Rock , Hip Hop und Electro miteinander versöhnt, Dig Your Own Hole will alles und noch viel mehr. Hier wird alles genommen, was im Underground brodelt und mit lauten Signalgeräuschen auf eine erstaunte Generation Jugendlicher losgelassen, die noch mit offenen Mund da steht, während die Beine schon längst zu Block Rockin Beats B-Boy Moves vollführen. Das hier ist nicht weniger als der Rock des End-90er und die Bibel des Big Beat aus London.

Massive Attack -Protection

(Cica/Virgin,1994)

So, und noch ein Klassiker. Den Future Sound of Bristol hatten wir ja schon mehrfach erwähnt und Massive Attack sind natürlich auch dabei. Das Debutalbum Blue Lines und die Jahrzenthymne Unfinished Sympathy waren natürlich schon ein großer Paukenschlag, aber mit Protection wurde klar, dass Massive Attack kein One Hit Wonder waren sondern ihnen eine große und lange Karriere bevorstehen sollte. Hier fließen der damals als auch momentan wieder angesagte Dubstep, Hip Hop und R & B zu einer dunklen Materie zusammen, deren Sogwirkung man sich nicht widersetzen kann.

808 State – Utd. State 90

(TommyBoy, 1990)

Pioniere müssen hier natürlich auch genannt werden. Irgendwie haben die Engländer, die sich nach einem Roland TR-808 Drumcomputer nannten, nie wirklich die Anerkennung bekommen die sie verdient hätten. Dabei waren sie zeitweise die Speerspitze der Acid House Bewegung, die natürlich in den 80er startete, aber auch noch Anfang der 90er ein großes Thema war. Der Alltime Hit Pacific ist auch als Pacific 202 auf dem Utd. State 90 Album (US-Version des Album Ninety) und lässt einen ganz ohne Drogen Farben schmecken und Töne sehen.

Boards of Canada – Music Has the Right to Children

(Skam/Warp, 1998/Re-Issue 2004)

Rauschhaft und psychedelisch geht es nun auch gleich weiter. Auf ihrem Debütalbum vermischten Boards of Canada  Downbeats,  Ambient und Samples aus Filmen zu einem halluzinogenen Erlebnis, welches auch in dieser unglaublichen Intensität später nicht mehr erreicht wurde. BoC experimentierten mit Feldaufnahmen und allerhand anderen Sound-Experimenten, um ein besonderes Klangerlebnis zu erschaffen, das so natürlich nur auf dem Kultlabel Warp wiederentdeckt werden konnt. Und laut Pitchork Media  schafften es Boards of Canada “die Kindheit wiederzubeleben, ohne niedlich oder putzig zu wirken. Es ist Kindheit, nicht wie man sie gelebt hat, sondern wie Erwachsene sich an sie erinnern. Die Zwischentöne voller Dunkelheit und ungewisser Spannung“. Amen!

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