Der Vollständigkeit halber: Grammy Awards 2011

Ja, ne… der Grammy als wertvolle Auszeichnung für die Musikwelt. Ob das überhaupt jemals der Fall war, darf stark bezweifelt werden. Aus unzähligen Veröffentlichungen werden ein paar rausgepickt, die dann von einer kleinen ‘erlesenen’ Jury ordentlich gefeiert werden. Mittlerweile gibt es für jede überflüssige Kategorie eine Auszeichnung und dementsprechend zieht sich die gigantische Promotionveranstaltung für die Musikindustrie immer ganz schön in die Länge. Vom Unterhaltungswert meistens noch einige Stufen unter der Oscarverleihung und von der tatsächlichen Relevanz für die beteiligten Künstler – abgesehen von der Möglichkeit die Plattenverkäufe anzukurbeln – eher gering. Oder um es mit Eddie Vedders Worten zu sagen: “I don’t know what this means. I don’t think it means anything”. Immerhin kann man die Uhr nach der jährlichen Verleihung stellen… und die Gewinner des Jahres 2011 sollen dann an dieser Stelle auch nicht unerwähnt bleiben

Hauptkategorien

Song des Jahres: Lady Antebellum – Need you now

Braver, braver, unglaublich braver Countrypop made in USA. Taugt zumindest als netter Radiouhrwurm, darüber hinaus aber zu schmalzig, pathetisch und glatt gebügelt. Ist auch Single des Jahres.

Album des Jahres: Arcade Fire – The Suburbs

Das freut uns natürlich… Arcade Fires letztes Album ist wie schon die beiden Vorgänger ein wunderbarer Indiepop-Cocktail voller 70er und 80er Reminiszenzen. Bunt, eklektisch, stürmisch… ein wunderbares Album, das vollkommen zurecht auf zahlreichen Hitlisten des letzten Jahres ganz oben stand. –> Zur Rezension

Bester neuer Künstler: Esperanza Spalding

Hat tatsächlich Justin Bieber ausgestochen, was uns alte Säcke ja erstmal freuen muss. Und ist auch wirklich gut. Verspielter, unaufgeregter und dennoch ziemlich komplexer Contemporary Jazz. Bass spielen kann die Frau richtig gut; äußerst spannend ist es zudem, wie sie ihr eigenes Rhythmusspiel mit ihrer – mitunter etwas atemlosen – Stimme konterkariert, die Rhythmen miteinander und gegeneinander arbeiten lässt und dadurch wirklich interessante Jazzsongs hervorzaubert. Da lohnt es sich dran zu bleiben.

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Popkategorien

Beste weibliche Gesangsdarbietung: Lady Gaga – Bad Romance

Joa… kann man machen. Auch wenn der Song ziemlich grausam ist (Nein, verdammt! Eurodance und Eurotrash Reminiszenzen sind nicht cool!), der Gesang (inklusive Höhlenfrauenlauten) ist schon großartig. Lady Gaga erhielt für “The Fame Monster” auch die Auszeichnung für das beste Pop Vocal Album.

Beste männliche Gesangsdarbietung: Bruno Mars – Just the way you are

Hmmm… ja. Langweiliger Standardpop zwischen Soul und RnB, inklusive nervigem Klackerrhythmus… Die Stimme und der Gesang hauen jetzt auch nicht so vom Hocker.

Beste Gesangsdarbietung aus einer Gruppe: Train – Hey, Soul Sister

Wusste gar nicht, dass es die noch gibt. Scheinen in den USA immer noch big im businnes zu sein und klingen – wie erwartet – als wären sie von sich selbst überholt worden. Langweiliger Altherrenrock ohne Aufreger… Wobei der Akkustiksong “Hey, Soul Sister” noch irgendwie ganz nett ist.

Beste Instrumentaldarbietung: Jeff Beck – Nessun Dorma

Uargh! Klassik trifft Pop oder Rock geht ja meistens ziemlich in die Hose. Und auch Jeff Becks Rock-Interpretation der berühmten Turandot-Arie verursacht Fusion-Zahnschmerzen, die man hoffte so nicht mehr erleben zu müssen. Fast schon kriminell, was hier mit Puccini geschieht. Bösartig, wie die wunderschöne, gewaltige Arie im belanglosen, grausamen Rockkitsch abgeschlachtet wird. Ganz schlimm! Wirklich, ganz ganz schlimm!

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Rockkategorien:

Beste Sologesangsdarbietung: Paul McCartney – Helter Skelter

Yeah! Der Song rockt ohnehin, hat schon immer gerockt. Und auch in der Paul McCartney “Soloversion” einfach nur großartig, ordentlich treibend… Sauber!

Beste Gesangsdarbietung einer Gruppe: Black Keys – Tighten Up

Och nee… die Black Keys müssen jetzt echt nicht sein. Langweiliger Funkpoprock sonstwas Gedöns. Mag die nicht, hab die noch nie gemocht… und kann hier echt nichts unvoreingenomme schreiben. Daher: Just listen!

Beste Hard-Rock Darbietung: Them Crooked Vultures – New Fang

Yeah! das ist einfach mal sau cooler Hard Rock. Peitscht ordentlich nach vorne, ist gleichzeitig lässig, dreckig… einfach nur cool. Genau das, was man von der Supergroup erwarten durfte. Großer Song eines herrlichen Rockalbums. Geht mehr als klar.

Beste Metal Darbietung: Iron Maiden – El Dorado

Hihi… direkt aus der Gruft. Aber mal ehrlich. Der erste Gedanke ist natürlich: Steht es so schlecht um die derzeitige Metalszene, dass schon 80er Jahre Heroen für die Grammy Awards ausgegraben werden müssen? Aber der Song geht echt in Ordnung. Ist halt Iron Maiden. Vielleicht ein bisschen weniger melodisch als die letzten Outputs, aber immer noch klassischer, nostalgischer Power Metal, Heavy Metal… Nix besonderes, aber irgendwie ganz schön, mal wieder ne kleine Zeitreise zu machen.

Bester Rocksong: Neil Young – Angry World

Echt mal! Was soll das mit den Altrockern? Ist die Grammy-Rockkategorie nichts anderes als ein kleines Geschenk an alle 30jährigen Musikhörer? Aber egal, denn Youngs letztes Album klang erstaunlich frisch, so gar nicht nach Alterswerk, sogar experimentierfreudig, clever und mutig. Selbes gilt für die verschachtelte, zähe Hymne Angry World. Alles andere als altersschwach.

Bestes Rockalbum: Muse – The Resistance

Outing: Irgendwie stehe ich auf die vollkommen überladenen, überambitionierten, größenwahnsinnigen und viel zu pathetischen Muse-Alben. Auch The Resistance hat mehrere Durchläufe über Spaß gemacht. Klar, irgendwann wirds öde, aber wenn es um kraftvollen, übertriebenen, poppigen und zugleich majestätischen Alternativerock geht, sind Muse nach wie vor erste Wahl.

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Sonstige Kategorien:

Da es viel zu viel wäre, alle weiteren Kategorien hier aufzuzählen, noch schnell eine kurze Zusammenfassung: Im Dancebereich räumten Rihanna (Only Girl als bester Song) und Le Roux (Bestes Album) ab. Im traditionellen Pop siegte Michael Bublé, während der Award für das beste Alternative-Album an die Black Keys ging.  Bestes R&B-Album wurde Wake Up! von John Legend & The Roots, die sich mit Shine auch gleich die Auszeichnung für den besten Song krallten. Als beste Rap-Solo-Performance wurde Eminems Song Not Afraid auserkoren. Dieser konnte sich auch gleich für das beste Album (Recovery) feiern lassen, während die restlichen drei Auszeichnungen der Kategorei an Jay-Z gingen. Wie zu erwarten war, räumten Lady Antebellum auch in der Country-Kategorie ordentlich ab (bester Song, bestes Album) und dürfen somit als große Gewinner des Abends zählen. Erfreulich sind ansonsten noch die Awards für Herbie Hancock (Beste Solo Jazzimprovisation), James Moody (Bestes Jazz Instrumentalalbum) und Danger Mouse (Produzent des Jahres). Über absurde Kategorien wie Best Hawaiian Music Album oder Best Tropical Latin Album oder auch sehr schön Best Spoken Word Album for Children wollen wir uns jetzt nicht weiter auslassen. Es sind halt die Grammys… Jedes Jahr wieder, jedes Jahr egaler und wahrscheinlich dann doch jedes Jahr irgendwie einen Artikel wert.

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