Happy Birthday Jules Verne

Einer der größten Autoren des 19. Jahrhunderts hat heute Geburtstag. Kaum auszumalen, wo die heutige Science Fiction und Fantasyliteratur ohne den Welt-, Zeit-, Unterwasser-, All- und Untertagereisenden stehen würde. Jules Verne ist der Godfather of Steam Punk, der Schöpfer dieses überbordernden Weltreiseromans “In 80 Tagen um die Welt”, der große Visionär, in dessen Geschichten die Menschen schon im 19. Jahrhundert von Mondflügen und Unterwasserabenteuern träumen konnten.

Geboren am 8. Februar 1822, gestorben 1905 hat der französische Schriftsteller nicht nur das Jahrhundert geprägt, in dem er lebte, sondern auch zahllose Science Fiction und Fantasyautoren des 20. Jahrhunderts beeinflusst. Davon zeugen nicht nur die zahllosen von ihm inspirierten Autoren (von H.G. Wells bis Bruce Sterling) sondern ebenso die mannigfaltigen – mal mehr, allzu oft weniger gelungenen – Verfilmungen seiner Werke. Dank des Erfolges seines Debüts “Fünf Wochen im Ballon”, der den Zyklus “Außergewöhnliche Reisen” begründete, hatte Verne schon sehr früh alles, was sich ein erfolgreicher Schriftsteller wünschen kann:  Eine hohe Auflage, ein begeistertes Publikum, ein Verlag, der ihm jedes neu veröffentlichte Werk aus der Hand fraß… Jules Verne war nicht nur ein großer Science Fiction Visionär, sondern von Beginn seiner Karriere an ein gefragter, gefeierter und vielfach verkaufter Bestsellerautor, der geschickt zwischen trivialer Unterhaltung für ein Massenpublikum und technisch versiertem, realistischen und alles andere als eskapistischem Science Fiction pendelte.

Mit der “Reise um die Erde in 80 Tagen” veröffentlichte Verne 1873 seinen erfolgreichsten Roman, ein gewitztes Reiseabenteuer, dem seitdem zahlreiche Neuauflagen, Verfilmungen und Hommagen zu Teil wurden. Selbiges gilt für die in Deutschland im gleichen Jahr erschienene “Reise zum Mittelpunkt der Erde” (französische Erstveröffentlichung 1864), die zwischen Fantasy, Abenteuer und episodischem Reisebericht pendelt. Ohnehin hatten es Verne schon immer die Reisen angetan. So wie er seine Protagonisten durch die Welt, unter die Welt und ins All reisen ließ, so unternahm er selbst zahllose Reisen, auf denen er wissbegierig alles aufsammelte, was er später in seinen Erzählungen und Romanen verwendete. Dementsprechend eklektisch und mitunter bunt zusammengewürfelt lesen sich dann auch die daraus entstandenen Bücher. Jule Vernes war kein Dramaturg, seine Stärke lag viel mehr in der losen Verwebung unzähliger atemberaubender Eindrücke und Erlebnisse. Der Style over Substance Vorwurf wäre hier durchaus angebracht, aber nur wenigen phantastischen Erzählern ist es derart eindrucksvoll gelungen ihre übervollen Kosmen so dicht zusammenhalten wie Jules Verne. langweilig werden seine Geschichten jedenfalls nie, ganz egal wie oft Schauplätze wechseln, wie oft die Figuren zu Gunsten der schillernden Eindrücke ignoriert werden, egal wie oft Handlungsfäden lose bleiben oder gar unlogisch werden.

Für den Steampunk am wesentlichsten dürfte unter seinen bekannten Erzählungen immer noch das futuristische Unterwasserspektakel “20.00 Meilen unter dem Meer” sein, das 1869 und 1870 in zwei Bänden in Frankreich veröffentlicht wurde und dessen Nebencharakter und Proto-Super-Villain Kapitän Nemo die Vorlage für zahlreiche ähnliche gelagerte Figuren war, von Hagbart Celine aus der Illuminatus-Trilogie von Robert A. Wilson und Robert Sheah bis hin zu Dr. Hans Reinhardt aus Disneys Space Oper “Das schwarze Loch”. Ohnehin stecken Jule Vernes Bücher neben ihrer atmosphärischen Vorreiterrolle voller Meme, die es bis in die Postmoderne hinüber geschafft haben. Neben dem manischen Captain Nemo, der in zahllosen Büchern und Filmen referiert (oder gleich komplett in diese eingebaut) wurde, sind es unter anderem mechanisch betriebene – schwimmende oder fliegende – Inseln, die dank seiner Romane “Die schwimmende Stadt” und “Die Propellerinsel” zum allgemeinen fantastischen Kulturgut geworden sind; und der Kampf zwischen zwei Wissenschaftlern (unerhört oft bei Verne vertreten) dürfte eines der beliebtesten Meme der fantastischen Science-Literatur überhaupt sein. Die fiktiven Kanonen/Rakten aus der “Reise zum Mond” wurden schließlich gar von der Realität eingeholt, als die Amerikaner fast  100 Jahre nach Veröffentlichung der Erzählung eben genau mit jener Technik eine bemannte Mondreise zusammenstellten, die Verne in seinem Roman damit praktisch antizipiert hatte.

Aber Jules Verne hätte hat es, was das betrifft, auch nicht anders gehalten als seine Epigonen, war er doch nicht nur Meister des Eklektizismus, sondern auch ein Experte darin, sich bei anderen literarischen Werken zu bedienen. So entlieh er fleißig bei Charles Dickens (“Der Findling”), Daniel Defoe (“Onkel Robinson”) und Johann David Wyss (“Das zweite Vaterland”). Vielleicht liegt darin auch ein Grund, dass Jules Verne auch von den Techfreunden und Scifi-Fans unserer Tage so begeistert rezipiert wird: Er war ein Schatzsucher, ein Sammler, wenn man so will, auch ein Mashupkünstler, der am puren Verarbeiten  tausender Eindrücke weitaus mehr Spaß hatte als am stringenten Erzählen. Da kann es nur als herrliche Ironie aufgefasst werden, dass unzählige seiner Motive mittlerweile selbst zu zahlreich zitierten Memen geworden sind.  Happy Birthday Jules, vielen Dank für die vielen, vielen, vielen Geschichten, die tollen Bilder und zeitlosen Motive.

PS.: Das Google auch mal wieder einen sehr schöne Möglichkeit gefunden hat, Geburtstag zu feiern, soll an dieser Stelle natürlich nicht unterschlagen werden:

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