Rezension zu Adele “21” – Das amerikanische Album

VÖ: 21.01.2011

Hat hier heimlich ein Rollentausch stattgefunden? Vor 3 Jahren konnte Duffy noch mit ihrem an Dusty Springfield orientierten Album abräumen, während Adele sich mit 19 mehr an den Northern Soul ihrer englischen Heimat anlehnte und etwas im Schatten von “Mercy”, dem großem Hit ihrer Kollegin stand. Zum Glück hatte damals eine Legende genauer hingehört und so darf  man sich verwundert die Augen, respektive Ohren reiben, dass  hier unter anderem Rick Rubin (Johnny Cash, Slayer, Jay-Z) seine magischen Producer Hände über seinen neuen Schützling gelegt hat. Er hat Adele zusamen mit Paul Epworth zu einem erwachseneren Sound verholfen, der das große amerikanische Songbook genau studiert und zu schätzen weiß. Der Sound wirkt mit der Kurskorrektur Richtung Westen nicht mehr so englisch unterkühlt, sondern warm, sehr sehr soulig und sexy.

Die erste Single “Rolling in The Deep” ist tatsächlich nicht mehr die feine englische Art, sondern atmet den Schmutz der unendlich langen Highways und groovt auch “Mercy” locker zur Seite. Das einzige wirklich britische an 21 ist eigentlich nur noch Adeles Akzent, ansonsten ist das hier der Mythos Amerikas, mit seiner großen Weite, dem  einflussreichen schwarzen Sound und der immer etwas unverstandenen, aber trotzdem tollen Country Musik. Das ist nicht das reale Amerika 2011 in einer seiner schwersten Krisen, sondern die nostalgische 60er Jahre Version davon. Wie ironisch, dass dies keiner Beyonce oder Alicia Keys gelungen ist, sondern einem bleichen Mädchen aus London, das mal wieder klar macht, warum diese Musik eigentlich Soul heißt, indem sie mit diesem Album versucht ihre gescheiterte Beziehung aufzuarbeiten.

19 war altklug und erzählte Geschichten eines Mädchen, 21 fühlt den ersten großen Schmerz des Erwachsenenwerdens. Ein Prozess, den Amy Winehouse wohl nie wirklich erreichen wird, wenngleich “Back To Black” und eigentlich jedes gute Soul-Album die gleiche Geschichte aus Sehnsucht und Trennung zu erzählen weiß. Das absolute Highlight stellt in der Hinsicht “One and Only” dar, das sich inmitten eines klassischen Soulsongs eine überraschende Gospel-Bridge gönnt, dramatisch steigert und einen wieder sanft zurück fallen lässt. So etwas ist die A-Liga, kein erbärmlicher Stefan Raab-Plastik Soul und auch keine grauenhafte Kaufhaus-Musik straight outta Bohlens Schwachmaten-Labor.

Es gibt noch mehr Zitate zu entdecken und bis man die alle entdeckt hat wird aus aus dem Album keine flüchtige Bekanntschaft sondern eine wahre Herzensangelegenheit.

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