Musikjahr 2010 – Nachschlag aus der Heimat II

Nachdem unser erster Nachschlag der heimischen Musiklandschaft 2010 mit Schreuf und Unstern eher minimalistisch orientiert war, gibt es im zweiten Teil noch einen kleinen, fiesen und derben Elektroniknachschlag. Mit 1000 Robota, Antitainment und Frittenbude wird es elektronisch, punkig, subversiv, unangepasst… und vor allem in jeder erdenklichen Form laut.

1000 Robota – Ufo

Vö.: 3.9.2010

Jung, Arrogant und rebellisch. Eigentlich der Stoff, mit dem irgenwann mal die Jugendkultur in den 50ern erfunden wurde, die mittlerweile in einem erschreckend angepassten Konformismus aufgegangen ist. 1000 Robota ätzen auf ihrem erfrischend unangepassten Album Ufo über den Egoismus und die Ellbogen-Mentalität ihrer Generation und scheuen sich auch nicht mit Thees Uhlmann das goldene Kalb der deutschen Musikszene gleich  in ihren wütenden Rundumschlag mit einzubeziehen. Dass abseits von Klüngel und Kumpelei der Zuspruch eher mäßig ist, werden die Jungs wohl verschmerzen und sich ein Beispiel an Schorsch Kamerun  von den Goldenen Zitronen  nehmen, der das Album produzierte.

Antitainment –  Ich kannte die, da waren die noch real!

Vö.: 2.7.2010

Geklimper, Geschwindigkeit, Geklimper, Geschreie… Singt der das wirklich? Ja, der singt wirklich: “Heute beim Rasieren geschnitten. Der Sack blutete ziemlich doll.” Dazu scheppert und klirrt es ordentlich aus den Boxen, hier und da verirrt sich ein verlorener Beat im Nirgendwo und dazwischen krächzt die Stimme von Sänger Tobi gegen das eigene innere Chaos an. Antitainment kreuzen auf mehr als sperrige Weise postmodernen Progmetal der Marke Mars Volta, mit hitzigen Chaoscore Attacken und zerfahrenen Electronica, die sich auch im 8-Bit-Kosmos äußerst wohl fühlen würden. Klar ist das irgendwie Punk, irgendwie Avantgarde, irgendwie Elektronik und dabei noch einiges mehr. Ziemlich unnötig hier “Die Summe der einzelnen Teile” herbei zu zitieren. Dafür ist das Summierte, Eklektische und Zerfahrene viel zu sehr Konzept. Und so sind Antitainment mitunter einfach zu   chaotisch, zu sehr auf die Vielfalt ohne Einheit bedacht… aber dabei doch ungemein spaßig und in erlesenen Momenten sogar tanzbar. Electroclashchaoscoreprog-irgendwas, oder wie auch immer man diese wüste Mischung nennen mag. Wir hatten jedenfalls Spaß.

Frittenbude – Katzengold

Vö.: 28.5.2010

Dass die Revolution tanzbar sein kann wissen wir schon seit der International Noise Conspirancy. Das Hamburger Label Audiolith wandert bewusst auf dem schmalen Grad zwischen Die Atzen und Agit-Prop und empfiehlt sich durch Electro-Punk, der mit “Raven gegen Deutschland” auch klar macht wo man sich einzuorden hat: In der Haltung am Besten als Nachfolger von subversiven Acts wie Goldene Zitronen. Und musikalisch irgendwo zwischen Electroclash, Pop, Punkgeschebber und tanzbaren Electronica. Frittenbude hatten schon mit “Nicht in 1000 Jahren” einen Indie-Hit und konnten abseits von breit angelegten Marketing ihren ersten Charts-Einstieg verzeichnen. Kein Wunder, schließlich gibt es auch auf Katzengold eine explosive Melange aus Electro, Punk, Rap und House.

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