Rezension zu “Somewhere” von Sofia Coppola


Seit drei Filmen kann man nun Sofia Coppola auf ihrem Weg zu sich selbst begleiten. Angefangen von ihrem immer noch grandiosen und wegweisenden 00er-Film “Lost in Translation”, der praktisch die Blaupause für die ätherischen Indie Dramen der 00er Jahre ist, über ihren kleinen stylishen Mädchentraum von “Marie Antoinette” und nun “Somewhere”, der autobiographische Züge trägt und das Gefühl von Leere und Isolation, in der Parallelwelt der Prominenten und Unglücklichen zeigt. Sofia Coppola, die durch ihrem berühmten Vater Francis Ford Coppola (Der Pate, Apocalypse Now, Jugend ohne Jugend) diese Situation selber erfahren hat, weiß also genau um diese Thematik und verlässt die Fiktion ihres letzten Films.

“Somewhere” beginnt ernervierend, langsam, sehr langsam. Schon die Eröffnunsequenz zeigt einen schwarzen Luxuswagen, der im Nirgendwo einsam seine Kreise dreht und einen gealterten Beau, der mit der obligatorischen Sonnenbrille aus dem Auto steigt und ziellos in die Weite schaut. Schon hier wird man mit Assoziationen zu sich  selbst im Kreis drehen, Teufelskreis oder Ähnlichem, man wird nahezu pornographisch damit konfrontiert. Das wirkliche Drama dabei ist nicht diese Langeweile, die Coppola gerade in der ersten Hälfte des Films als Stilimittel einsetzt, um einem das sinnentleerte Hollywood-Leben der Hauptfigur zu zeigen, sondern die doch wieder reichlich häufig auftauchenden Klischees und auch das letztendlich nicht wirklich einfallsreiche Drehbuch, das die ganze Zeit wie  die entschärfte und entschleunigte Version der bitterbösen und sarkastischen Serie “Californication” wirkt, die hinter ihrem Rüpel-Image ungeahnte Tiefen und raffinierte Plots verbirgt. Die sucht man in “Somewhere” vergebens, weil Stephen Dorff einfach kein guter Charakterdarsteller ist und sich Sofia Coppola wie schon in ihren vorangehenden Filmen den Focus auf minutenlange Aufnahmen, die einem American Scene Bildband der 20er oder einer Vogue-Fotostrecke entsprungen scheinen, legt und einen mit traumhaft unprätentiösen Art einnehmen, aber darüber vergessen machen, daß hier eigentlich nichts passiert und der Film sehr bald in öde Banalität abrutscht.

Den Tiefpunkt erreicht Somewhere, wenn sich Coppola wieder in arg dümmlichen Klischees ergeht. Die kleingewachsenen Japaner sind hier nun schwarzhaarige Italinierinnen, die alle neben einer bemerkenswerten Oberweite auch ein schnell und lautes Mundwerk ihr Eigen wissen und wohl irgendwann in einer der nächsten Filme ein reicher Brite mit schlechten Zähnen und näselndem Oxford-Englisch sein werden. Überhaupt wirkt die Episode in Italien  – der Hauptfigur wird eine Auszeichnung überreicht- genauso überflüssig, wie der Rest des Films, der seine Statisten Protagonisten unmotiviert durch die Gegend schiebt, ihnen keine dramatische Fallhöhe gewährt und damit keinerlei Interesse oder Emotionen am weiteren Verlauf weckt. Es gibt absolut nichts, was man so in anderen Filmen nicht auch gesehen hätte und selbst wenn “Somewhere” wohl perfekt die Psyche einer sich sebst überdrüssigen Promi-Welt wiederspiegelt und somit ein Höchstmaß an Authentizität gewährt; es bleibt trotzdem Langeweile, ob nun mit Arthouse-Anstrich oder ohne.

Am Schluss dieser selbstverliebten Werkschau geht Stephen Dorff lächelnd einer ungewissen Zukunft entgegen, untermalt von den schöngeistigen Franzosen von “Phoenix”, bei denen man auch nie so richtig weiß ob das nun großartige Kunst oder der durchkonstruierte Soundtrack für eine Show für Louis Vuitton ist. In dem Sinne: Nur Anschauen, nichts erwarten und hinter dem Horizont geht es weiter Richtung Sideways und Limits of Control.

Ein Gedanke zu „Rezension zu “Somewhere” von Sofia Coppola“

  1. Seh ich ebenfalls so. Das Schlimmste neben den wirklich langatmigen Szenen ist vielleicht sogar, dass einem die “Statisten” so völlig gleichgültig ist. Vielleicht ist das ein Film fürs System, in dem es noch eine gewisse Relevanz erhascht. Aber ich war froh, als er überstanden war. Selbst die tollen Momente, die es bei Coppola-Filmen immer wieder gibt (besonders bei “Lost in Translation”) wirken hier bemüht und angestrengt, beispielsweise die Einstellung mit den Stripperinnen an den Stangen. Schade, Erwartungen definitiv verfehlt.

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