Interpretation zu Gareth Edwards “Monsters”

Letztes Jahr überraschte uns Neill Blomkamp spektakulär mit „District 9“. Mit seinem relativ geringen Budget von 30 Millionen Dollar spielte der Film über 115 Millionen wieder ein. „Monsters“ wird auch mehr einspielen als er gekostet hat, und zwar nur lächerliche 15.000 Dollar (IMDb gibt hier jedoch 800.000 Dollar an). Ebenso wie „District 9“ geht es auch bei „Monsters“ um auf der Erde lebende, außerirdische Lebewesen.

Anders als Blomkamps unterhaltsamer und auf Action setzender Überraschungserfolg geht „Monsters“ in eine andere Richtung. Es wird auf Spannung gesetzt und eigentlich nur eine kleine Geschichte zweier Menschen vor dem „Außerirdische-Lebewesen-auf-der-Erde-Background“ erzählt. Dies bekommt dem Film nicht besonders gut und man bleibt mit einem Gefühl der Unzufriedenheit zurück.

Zum Inhalt: Der Pressefotograf Andrew (Scoot McNairy) soll Samantha (Whitney Able), die Tochter seines Auftraggebers, aus der von außerirdischen, krakenähnlichen Lebewesen besiedelten Zone zurück in die Staaten begleiten. Sie reisen, hohe Schmiergelder zahlend und eskortiert durch bewaffnete Schlepper, durch diese besagte Zone, welche in Mittelamerika liegt. Ab und zu hört man fremdartige Geräusche und sieht mal eine Tentakel, sonst sieht man die Wesen nur in Fernsehnachrichten und in ihrer ganzen Pracht am Ende des Films. Das ist ein wenig öde und die leichte Spannung die aufkommt entsteht eher durch die Undurchsichtigkeit ihrer bewaffneten Eskorte, als durch die Außerirdischen, insbesondere wenn man „Sin Nombre“ gesehen hat.

Obwohl der Film nicht als Film zu überzeugen weiß ist er in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen natürlich durch sein geringes Budget und der Tatsache, dass am gesamten Film gerade mal eine Handvoll Personen mitgewirkt haben. Bis auf die beiden Schauspieler, den Regisseur und den Tonmann sind alle anderen lediglich Menschen die grade am Ort waren wo gedreht wurde. Hier wurde in der Tat eine beachtliche Leistung vollbracht, die darüber hinweggetröstet dass es nicht mehr von den Geschöpfen zu sehen gab.

Wirklich interessant aber sind die Bezüge die der Film eröffnet. “Monsters” versinnbildlicht Xenophobie, die Angst, Abneigung und Feindlichkeit gegenüber Fremden und Fremdem. So steht die gigantische Mauer, welche die USA im Film zur Abschirmung und zum Schutze ihrerselbst gebaut hat, gleichsam für die reale Mauer an der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze, welche die illegale Einwanderung von Süd- und Mittelamerikanern in die Staaten hemmen soll, die sogenannte “Tortilla Wall”. Außerdem führt die USA im Film auch eine Art Krieg gegen die fremden Wesen, die an sich scheinbar harmlos sind und sich lediglich wehren, so jedenfalls die Aussagen von in der infizierten Zone lebenden Mexikanern. Dieser Krieg stellt eine Metapher des US-amerikanischen “Krieges gegen den Terror” dar, in welchem es auch kein klares Feinbild in Form einer Nation gibt, sondern eigentlich gegen eine fremde Weltanschauung opponiert wird, welche sehr oft droht publizistisch als Krieg der Kulturen ausgeschlachtet zu werden. Als Krieg des christlichen Abendlandes gegen den muslimischen Orient.

“Monsters” bietet die Möglichkeit die Perspektive zu wechseln: nicht die außerirdischen Geschöpfe sind die Monster, sondern die gegen sie kriegführenden Menschen, welche das Land verwüsten und Mensch und Natur mit Giftgas zu vernichten drohen, während sich die fremden Wesen an die Natur anpassen und sich lediglich fortpflanzen, wie in der letzten Szene zu sehen ist. In dieser wird der Perspektivwechsel vollends vollzogen: die Wesen werden hier vermenschlicht, plötzlich rückt das Militär an. Krieg, Terror und Zerstörung werden aufgezeigt als eine direkte Folge auf die Angst vor Fremdem, als Unfähigkeit sich zu Fremdem und Fremden anders zu verhalten. Ganz richtig steht daher auf den Filmplakaten: “It´s our turn to adapt.”

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