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Oasis Special: Die 90er Alben im Rückblick

Auf Plattentests fand mal wieder ein Voting statt (ja, die haben auch alle zuviel Zeit) und nach “Elektronik-Tracks für die Ewigkeit” und ” 100 besten Filmen” waren nun Oasis dran. Oasis sind wohl der Verein, bei dem man beim ersten Stadionbesuch weiß, daß einen diese Leidenschaft nie wieder los lassen wird, egal welch schwere Zeiten man mit dieser Band und ihrem Weg vom meistverkauften Uk Act über den krassen Beliebtheitsverlust der Post-Britpop Ära zurück zum versöhnlichen Comeback mitmachen muss.

Hier noch einmal alle Alben im Schnelldurchlauf:

Definitely Maybe

VÖ: 30.08.1994

1994 bringt sich Kurt Cobain um und beendet die Ära der amerikanischen Grunge-Bands aus Seattle. Ungefähr zur gleichen Zeit findet auch in Großbritannien ein Umbruch statt. Nach den eiskalten Thatcher -und den drögen Major-Jahren betritt ein junger charismatischer Labour Kandidat namens Tony Blair die politische Bühne und ruft nach seinem Wahlsieg  “Cool Britannia” aus. Ein Slogan dem sich auch viele Bands gerne anschließend und nach dem Halbschlaf der ersten Hälfte der 90er scheint die Szene in Manchester und London wieder zu explodieren. Eine Band mit einem schon damals großmäuligen Sänger und seinem Bruder veröffentlicht am 30.08.1994 ein Album was in UK ein Erdbeben auslöst und für einige Zeit das schnellstverkaufte Debut-Album aller Zeiten bleibt (erst die Arctic Monkeys schaffen 2005 später das gleiche Kunststück). Die Gründe liegen auch auf der Hand: Defintely Maybe hat keinen einzigen Ausfall und  hat nach “Nevermind” die größte Hitdichte aller 90er-Alben. Rauhe schnelle Punknummern vermischen sich mit Beatles-Harmonien und werden zum Hymnen Katalog für die Brit-Jugend. Schon früh erkennen Oasis auch das Potential ihres Image und erfinden Mythen und Halbwahrheiten um ihre Auftritte. Legendär ist der angeblich erzwungene Auftritt beim Glastonbury-Festival, wo sie drohen die Bühne in Schutt und Asche zu legen falls sie nicht auftreten dürfen.

Und selber so?

1994 fahre ich mit den Pfadfindern das erste Mal nach England und lerne dort die damals noch sehr verrückte und vitale Londoner Nachtkultur kennen. Punks geben am Picadally Circus Spontan-Konzerte und die Londoner Hipster kommen mir vor wie Außerirdische. Oasis kenne ich nur aus spät laufenden Videos auf MTV und beschließe erstmal das Liam Gallagher ein arroganter hässlicher Arsch ist. “Live Forever” finde ich aber schon damals cool, aber gebe das nicht zu weil britische Indie-Musik in einem blöden Kaff wie Siegen keine Sau interessiert, dafür aber jeder die Böhsen Onkelz ganz toll findet.

Hier “Sad Song”, der nur auf der Vinyl Fassung und der japanischen Version erschien:

 

 

(What`s The Story?) Morning Glory

VÖ: 29.09.1995

1995 hat auch das kontinentale Europa mitbekommen, daß was auf der Insel extrem köchelt und dank einem medial befeuerten Streits zwischen Oasis und Blur sind  nun die beiden Bands auch dem MTV Zuschauer am frühen Abend ein Begriff. Da die meisten noch über kein Internet-Anschluss verfügen haben die Viva/MTV News sogar noch eine gewisse Bedeutung. Selbst der an Jugendkultur uninteressierte Spiegel wird auf das Phänomen “Britpop `95″ aufmerksam und schreibt eine Bericht über die Proleten aus der Gosse und den Charming Studenten aus der Oberschicht. Blur schaffen es mit  der Single “Country House” vorzulegen und verweisen die zeitgleich veröffentlichte Oasis-Single “Roll with It” auf Platz 2. Noch heute behauptet Noel Gallagher ein Fehler im Presswerk wäre Schuld an der vermeintliche Niederlage im damaligen “Battle of Britain”. Wo es anfangs alles nach einem Sieg für Blur aussieht schafft es die dritte Single Wonderwall zwar wieder nicht auf Platz 1, dafür aber weltweit in die oberen Chartsregionen. Die Insel steht Kopf und macht Morning Glory zum bestverkauftesten UK Album der 90er. Das , später von Damon Albarn selbst verschmähte Album The Great Escape von Blur interessiert zu dem Zeitpunkt keinen mehr und Oasis werden die Band des Jahres 1995. Auch weltweit läuft es prächtig und bis weit ins Jahr 1996 finden Mio Alben finden ihren Käufer.

Hier “Champagne Supernova”,aufgenommen an einem der legendären Knebworth-Gigs, zu denen an 2 Tagen 250.000 Menschen kamen.

 

 

Be Here Now

VÖ: 21.08.1997

Ein bejubeltes Debutalbum, ein millionenfach verkauftes zweites Album, Erfolg und ausverkaufte Konzerte dies- und jenseits des Atlantik. Wie soll man diesen Wahnsinn toppen ? Noel hat wohl selber nicht die Antwort gewusst und verpennt nebenbei einen wichtigen Umbruch. 1997 ist nämlich die große Party vorbei und Radiohead mit ihrem epischen Prog-Album OK Computer und Dance-Rock Bands wie die Chemical Brothers und The Prodigy lösen die selbstverliebten Hedonisten des Britpop ab und wohl kaum ein Album wirkt in diesem Jahr deplazierten wie das aus Tonnen von Koks und Rock`n Roll Klischees entstandene Monumental-Werk, von dem Noel Gallagher erst erhofft das es  ihn in die Spähren von U2 befördert, sich später ätzenden Kritiken ausgesetzt sieht, die den durchwachsenen Brocken Studio-Bombast ersteinmal nicht verdauen können und wollen. Dieses Album markiert den Bruch in der bis dahin steil nach oben laufenden Karriere, und wie einst beim Tod von Kurt Cobain und dem Ende der Grunge-Ära sind es nun junge und hungrige Bands die Oasis nicht mal ein Jahr nach dem Megarfolg wie uralte ausgezählte Boxer erscheinen lassen. Noel Gallagher mag sich sich dank dem Stinkefinger der Kritiker und der enttäuschten Käufer, die Be Here Now noch in der ersten Woche wie blöd kaufen und enttäuscht fallen lassen, auch nicht mehr mit seinem Monsterbaby anfreunden und bezeichnet sein eigenes Werk als “Neandertaler- Rock”. Auf der 2009 erschienenen Best-Of ist “Stop The Clocks” ist kein einziger Song von “Be Here Now”.

Und selber so?

Ich bin mittlerweile komplett Oasis-infiziert und schwöre der Band ewige Treue. Blur und sämtliche Bands die sich mit ihnen verbrüdern gelten als Todfeinde und das meine Eltern mich nicht zu den Knebworth Konzerten mit 250.000 Zuschauern lassen wollen ist das Ende der Welt, zumindest bis dahin. Natürlich laufe ich noch am VÖ-Tag in den nächsten Saturn und öffne zitternd das Album. Die neuen Beatles, dir dritte Großtat in Folge , der endgültige Sieg ? Nix da, eine große Enttäuschung und das Album wird aus Wut in die Ecke befördert und lange Zeit mit Missachtung bestraft. Do You Know What I Mean ist aber immer noch die bestmöglichste Arroganz die jemals veröffentlicht wurde, was ich aber nicht zugebe da Bombast Rock aus England in einem blöden Bauernkaff wie Siegen keine Sau interessiert, dafür aber jeder die Böhsen Onkelz ganz toll findet.

Einer der wenigen großen Songs ist Fade in /Out, zu dem auf dem Album kein Geringerer als Johnny Depp den Gitarren-Part übernimmt.

Im nächsten Teil behandeln wir die Zeit nach dem Mega-Erfolg und wieso man Duisburg sogar doch was Positives abgewinnen kann…

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