Jimmy Eat World, 07.11.2010, Köln – Konzertbericht

Grau und ungemütlich ist der 7. November, was überraschend viele Besucher nicht davon abhält zum Jimmy Eat World Konzert im E-Werk zu gehen. Vor der an und für sich schönen Location, die eher wie eine kleine Kirche anmutet und eh schon seit Jahren den besseren Sound als das Palladium hat, ist ein bunt gemischtes Volk an Zahlungswilligen, von denen nicht wenige den 90er Emo Look aus dicker Hornbrille und kariertem Hemd präsentieren. Eine Zeit, in der dieses Wort weniger Synonym für einen Modestil als tatsächlich emotional aufgeladene Punkmusik war. Von diesem Stil haben sich Jimmy Eat World  seit “Chase This Light” verabschiedet und auch das, wohl durch Fanunmut bedingte, subtile neue Album “Invented” hat immer noch einen hohen Breitwand-Faktor, mit allerlei Handclaps und “Ohh”-Chören. Immerhin scheint dieses Album den ein oder anderen Fan versöhnt zu haben, sonst wäre das E-Werk nicht bis auf den letzten Platz ausverkauft. Die Faustregel “maue Last FM Resonanz, leere Halle”  bestätigt sich somit also nicht und nach einem interessanten Vorspiel der Math-Rocker von Minus The Bear beginnt das Jimmy Eat World Heimspiel mit dem wohl bestmöglichen Opener “Bleed American” von dem gleichnamigen 2003 Album. Binnen Sekunden scheint sich die Luft elektrisch aufzuladen um vor und auf der Bühne zu explodieren,. Auf den Rängen wird begeistert mit dem Kopf gewippt, und der voluminöse  Schlagzeug Sound von  Drummer Zach Lind könnte auch auf einem Kings of Leon Konzert nicht weniger – und das ist gar nicht mal negativ gemeint – nach Stadion-Rock  klingen. Auch wenn die Band ihre Wurzeln in der Hardcore Szene hat, haben sie schon immer in größeren Dimension gedacht; und auch das mittlerweile 10 Jahre alte Durchbruch-Album “Clarity” hatte schon die größere Produktion  am Start als  vergleichbare Bands wie The Get Up Kids.

Solange Jimmy Eat World Songs aus der Zeit von Clarity bis Futures präsentieren funktioniert die Verbindung zwischen Fans und Band perfekt, wahrnehmbare Dämpfer ergeben sich allerdings bei neuem Material, das trotz typischer Trademarks immer noch wie ein Ersatzstoff für Großtaten alter Tage klingt und weitaus weniger Begeisterung als die andere Songs hervor ruft. Immerhin wird das Flop-Album “Chase This Light”  komplett größtenteils in der sehr stimmigen Setlist ausgespart und das Verhältnis Meisterwerke/Seichte Pop-Alben geht immer noch zugunsten der Band aus, die sich allerdings schon den ein oder anderen  Gedanken zu den weniger positiven Resonanzen auf das neue Material machen darf. Stumpfsinnige Rocker-Phrasen wie  “Yeah, it`s good to be back in..” dürfen das nächste Mal auch gerne vor der Eingangstür warten, immerhin wird sich zwischen den Songs artig und kurz bedankt. Und Geschichten vom Pferd braucht natürlich zugegebenermaßen auch keiner. Dass zu dem immer noch berührenden “Hear You Me”, jeder eine eigene traurige Geschichte zu erzählen weiß, bedarf auch keinerlei großen Erklärung, sondern steht für sich und kennzeichnet diesen immer noch als einen der ergreifendsten Songs überhaupt. Keine Frage, die Jungs machen ihren Job gut und für 30 Euro bekam man einen interessanten Newcomer und eine routiniert eingespielte Band, die letztendlich doch noch weiß, was der Fan auf einem Konzert erwartet.

Setlist

Bleed American

Your New Aesthetic

A Praise Chorus

My Best Theory

Let It Happen

For Me This Is Heaven

Futures

Big Casino

Action Needs An Audience

Pain

Dizzy

Coffee and Cigarettes

Movielike

Hear You Me

Evidence

Work

Blister

Goodbye Sky Harbor

Zugabe:

23

Get It Faster

Lucky Denver Mint

The Middle

Sweetness

Einen weiteren sehr guten Bericht gibt auf  Campus Web.

2 Gedanken zu „Jimmy Eat World, 07.11.2010, Köln – Konzertbericht“

  1. Hm, irgendwie passt das nicht. Erstmal das angeblich komplette Aussparen von “Chase this Light”, das schon ein paar Zeilen weiter unten durch die Setlist widerlegt wird – finde ich persönlich echt peinlich, wenn handwerklich einfachste Dinge in einer Rezension nicht beherrscht werden.
    Auch die “früher war alles gut” Haltung, die gleichzeitig die neuen Stücke herabwertet, ist etwas ideenlos.
    Hier also mein Eindruck: Die Setlist war ein prima Mischung aus der gesamten Schaffenszeit der Band, die neuen Stücke habe sich nahtlos in die “Klassiker” eingepasst. Das Publikum ist von der ersten Minute an voll mitgegangen, und wenn man wie ich im vorderen Drittel vor der Bühne stand, erlebte man, dass die Stimmung keine Minute lang nachließ. Alles in allem eine wirklich gelungene Show, die auch aufgezeigt hat, dass Jimmy Eat World sich musikalisch weiterentwickelt und gleichzeitig zu den eigenen Wurzeln steht. Weiter so!

  2. Das ist mir in der Tat ein grober Fehler unterlaufen. Ich habe die Setlist noch später hinzugefügt und hätte das natürlich sofort bemerken müssen.

    “Die neuen Stücke fügen sich nathlos ein”, “Prima Setlist” , “Jimmy Eat World sich musikalisch weiterentickelt” haben ist dagegen nun ihr subkjetiver Fan-Eindruck, so wie ich eben der Meinung bin das die frühen Stücke durchaus ideenreicher als die neuen Songs sind ;)

    Auf herabwertende und süffisante Bemerkungen wie ” handwerklich einfachste Dinge nicht beherrscht” muss ich allerdings nicht wirklich eingehen, oder ?

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