Die 00er Jahre: Die besten Filme für Musikliebhaber II

Thank you for the music again…. und damit tatsächlich unsere allerletzte Filmretrospektive der 00er Jahre. Einen kleinen TV- und Seriennachschlag gibt es zwar noch, das Kinojahrzehnt ist hiermit aber tatsächlich (wirklich) endgültig abgehakt. Viel Spaß…

Ray [Taylor Hackford]

(USA 2004)

‘Thats the man’ soll Ray Charles persönlich gesagt haben, als ihm Jamie Foxx als Darsteller für seine Biographie präsentiert wurde. Kein Wunder: Schauspielvirtuose Foxx verkörpert die Soul-Legende mit Leib und Seele. Er lässt den Schweiß, die Leidenschaft und den unnachahmlichen Stil des legendären Musikers lebendig werden. Aber auch abseits vom grandiosen Acting ist Ray ein Fest für Musikliebhaber: Von Ray Charles persönlich beraten – der leider kurz vor der Fertigstellung verstarb – atmet der Film den Geist seiner Zeit ebenso wie die Hingabe für die großartige Musik, verschweigt aber auch nicht die Schattenseiten seines Sujets. Ein grandioses Biopic, zwischen berührendem Lebensweg und würdiger Hommage an ein fantastisches musikalisches Genre.

————————————————————

American Hardcore [Paul Rachman]

(USA 2006)

Amerika verfällt Anfang der 80er in eine reaktionär-konservatives Klima, Leute laufen in spießigen 50er Klamotten und Seitenscheitel durch die Gegend und Punk ist mittlerweile im Mainstream angelangt. Ein paar Kids fangen an Punk schneller und aggressiver zu spielen und erfinden Hardcore, der innerhalb von ein paar Jahren die Subkultur der US-Staaten infiziert. Hier finden die Verlierer der Reagean Ära ein Ventil für ihren Frust und Hass auf Autoritäten und wandeln diesen in wütende Energie um.  Dass Paul Rachman überwiegend auf schlechte Videoaufnahmen zurückgreift und auf dramaturgischen Schnick-Schnack eines Michael Moore verzichtet, ist da natürlich nur konsequent. Nebenbei räumt der Film auch mit den unsäglichen Klischees auf, daß Schwarze und Homosexuelle keine aggressive Musik spielen können. Selbst Moby, eher als liberaler Dance Produzent für Hollywood Scores bekannt, erinnert sich an seine frühen Zeiten als Sänger der Band Flipper. Ein wichtiger Film, der zeigt, wie wenig die Beatsteaks und ähnliche Bands mit der Attitüde des Punk zu tun haben.

————————————————————

Heima [Dean DeBlois]

(Island 2007)

Sigur Ros in ihrer isländischen Heimat, die zudem Zeitpunkt noch nicht von der Finanzkrise um Jahrzente zurück geworfen wurde. Eine außerkontinentale Welt die mit dem entrückten Schönklang der islandischen Prog-Poeten kummuliert und keine hippen und grellen New Yorker Hipster-Szenen zeigt, sondern in ätherisch ruhigen Landschafts-Bildern ohne viel Worte verstehen lässt, warum Sigur Ros hier bei ihren Freunden und Familien ihr Heima gefunden haben. Die limitierte Auflage der DVD weist zudem noch wunderschöne Bilder und ein liebevolles Booklet auf, das perfekt mit dem poetischen Postrocksound der Isländer harmoniert.

————————————————————

24 Hour Party People [Michael Winterbottom]

(Großbritannien 2002)

Michael Winterbottom zeigt uns in dem fiktiven Film 24 Hour People einen Einblick in die Musik-Szene Manchesters, angefangen bei Joy Divison bis hin zu den Raver-Rockern von Happy Monday. Tony Wilsons legendäres Label Factory Record, das grundsätzlich immer mehr für Idealismus als gute Geschäftsführung bekannt war, nimmt hier eine zentrale Rolle ein und wird mit viel britischem Humor vorgestellt. Der Film kam damals genau richtig zu dem Comeback von New Order, die mit dem Album Get Ready nochmal groß auftrumpfen konnten und Musik zu dem ausgezeichneten Soundtrack beisteuerten, der allein schon ein Grund ist, sich den Film anzusehen.

————————————————————

Patti Smith: Dream of life [Steven Sebring]

(USA 2008)

Patti Smith ist ohne Zweifel eine der Godmothers of Punk Rock. Mit ihrer rauen und progressiven Mischung aus Folk, Songwriter, Psychedelic und Proto-Punk hat sie die Musik der 70er und 80er Jahre entscheidend mitgeprägt. Darüber hinaus ist Patti Smith eine Universalkünstlerin: Musikerin, Dichterin, Malerin… Steven Sebrings Dokumentation Dream of Life widmet sich dem vielschichtigen Talent der legendären Songwriterin. Dabei entsteht ein intimes, persönliches und sehr nahe gehendes Porträt einer beeindruckenden Künstlerin und Persönlichkeit: Zwischen Punk, Sub- und Nischenkultur, Pop- und Massenkultur, sowie Hochkultur und gehobener avantgardistischer Entfaltung. Ein spannendes Porträt für Patti Smith Fans aber auch die, die ihr grandiose Lebenswerk  kennen lernen wollen.

————————————————————

Dixie Chicks: Shut up & sing [Barbara Kopple, Cecilia Pick]

(USA 2006)

Die Roots der Dixie Chicks könnten vom Punk nicht weiter entfernt sein… Klassischer, poppig aufgepeppter Country mit Folk und Songwriterelementen war seit jeher ihr Markenzeichen. Ein Genre, das eine eher konservative Hörerschaft anzieht. Umso verwirrter waren diese Hörer als die Dixie Chicks in den 00ern anfingen gegen George W. Bush und den Irakkrieg zu wettern. Die Reaktionen darauf sind ohnesgleichen: Massenhaft vernichtete CDs, Radioboykotte, gesörte Konzerte und schließlich sogar persönliche Drohungen bis hin zum Mordaufruf. Die Polit- und Musikdoku Shut up & sing zeichnet die Probleme der Band nach ihren Äußerungen nach, beschäftigt sich mit der beispiellosen Kampagne konservativer Medien gegen die Chicks, ebenso aber auch mit dem Kampf der Band für Meinungsfreiheit. Ein spannendes Porträt und ein ambivalentes Bild amerikanischer Countrymusik: Zwischen Traditionalismus, faschistoiden Tendenzen und rebellischem, progressiven Gestus.

————————————————————

Beijing Bubbles [Susanne Messmer, George Lindt]

(China 2006)

Punk ist tot, zumindest im Westen. Hier darf sich von Green Day, über Blink 182 bis zu den Beatsteaks jeder so nennen, der Lust und Laune hat. Die Punks in Peking kopieren zwar letztendlich auch nur die Class of 1977, aber unter einem weitaus represseiveren Umfeld, so dass die Dokumentation der Szene Bejing Bubbles mit versteckten Kameras gedreht werden musste. Das Team begleitet die dessilusionierten Kids, die der zunehmenden Dekadenz  der chinesischen Gesellschaft und dem Streben nach Reichtum nichts abgewinnen können.

————————————————————

School of Rock [Richard Linklater]

(USA 2003)

Fuck yeah! Jack Black is the man! Mit Tenacious D. der einzig legitime Retter des Rock. Eine echte Type, eben jemand den man lieben oder hassen muss. In School of Rock von Richard Linklater (Waking Life) bringt er kleinen Gören die Rockmusik näher, greift dabei auch mals selbst zur Klampfe und schafft somit eine herrlich überdrehte Hommage an alle Spielarten der gitarrenlastigen Musik. School of Rock ist saukomisch, albern, überdreht und vor allem loud as hell…. und dennoch oder gerade deswegen immer zutiefst respektvoll seiner Musik gegenüber. Ein herrlicher Abgesang auf die klassischen Werte der Rockmusik und obendrauf noch eine perfekt abgestimmte nostalgische Komödie der alten Schule. Klar, kein Meisterwerk, aber ein Fest für alle Rockenthusiasten.

————————————————————

High Fidelity [Stephen Frears]

(USA 2000)

Und nochmal Jack Black… Allerdings nur in einer Nebenrolle. High Fidelity hatten wir ja schon bei den besten Komödien des Jahrzehnts, für die Musikliebhaber sollte er aber noch einmal extra genannt werden: Top-Five-Listen, autobiographisch sortierte Plattensammlungen, monologische Zwiegespräche, in die sich Bruce Springsteen einschaltet… High Fidelity ist ein Fest für jeden Musiknerd. Ganz nebenbei findet auch noch eine RomCom statt, aber mal ehrlich: Wen interessiert das schon? Der größte Spaß an High Fidelity ist es, wie sich John Cusack und seine Kumpels stundenlang über Musik auslassen, lästern, sticheln und natürlich sich vom Pop mitreißen lassen.

————————————————————

Do it again [Robert Patton-Spruill]

(USA 2009)

Die Kinks zählen nach wie vor zu den großen Rock N Roll Legenden und Urvätern des Brit-Pop. Da liegt natürlich die Frage nahe: Warum die voneinander entfremdeten Davies-Brüder nicht wiedervereinigen? Genau diese Frage stellte sich auch der Boston Globe Reporter Geoff Edgers und begab sich auf eine Suche nach der Geschichte der erfolgreichen britischen 60’s Band, ebenso aber auch nach einer potentiellen Zukunft der Rock-Urväter. Robert Patton-Spruill hat diese leidenschaftliche Jagd nach einer unwahrscheinlichen Reunion begleitet und Dokumentiert. Heraus gekommen ist ein faszinierendes Porträt zwischen Rock N Roll Nostalgie sowie Künstler- und Familiendrama. Ergänzt durch unzählige Künstlerinterviews, immer zwischen historischer Retrospektive und aktueller Musikbegeisterung und dabei zu jedem Zeitpunkt mitreißend und begeisternd.

————————————————————

Almost famous [Cameron Crowe]

(USA 2000)

Sicherlich, Cameron Crowe ist nicht unbedingt der tiefgründigste Regisseur und schon wie im Grunge-Film “Singles” ist almost famous in erster Linie ein verklärter Einblick  in ein Musik- und Generationenjahrzent. Diese autobiographische 70er Hommage macht aber einfach zu sehr Spaß um ignoriert oder auseinander gepflückt zu werden. Hier gibt es alle Klischees: Von coolen Rockern, die natürlich rein zufällig an Led Zeppelin erinnern, über süße Groupies, denen es weniger um Sex denn um coole Musik geht, bis hin zu überforderten Reportern, die versuchen einen Teil vom Rock N Roll Kuchen abzubekommen.. Nebenbei erzählt Crowe seine eigene wahre Geschichte, vom großen Traum als unschuldiger Nachwuchsjournalist hautnah am Leben der angesagten Rockstars teilzunehmen.

3 Kommentare zu “Die 00er Jahre: Die besten Filme für Musikliebhaber II

  1. Ich hätte mir ja gewünscht, dass “Once” in eurer Liste auftaucht;) Toller Film, der trotz seiner Thematik erstaunlich weit vom Kitsch entfernt ist.

  2. Ich kenne “Once” ehrlich gesagt gar nicht und danke dir für den Tip. :)

  3. Once kenne ich leider auch nicht, klingt aber sehr viel versprechend und wird demnächst geschaut.
    Oh Gott, wenn ich drüber nachdenke, was sonst noch alles in der Liste fehlen könnte… Gott sei dank muss man, kann man bei so etwas nie vollständig sein. ;)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>