Die andere Seite – Rezension zu Paul Smiths „Margins“

VÖ: 15.10.2010

Paul Smith sagt über sich selbst: „Ich bin eigentlich kein extrovertierter Mensch. Wenn ich nicht auf der Bühne stehe, bin ich am liebsten ganz anonym.“ Besucher eines Maximo Park-Konzerts werden sich bei dieser Selbsteinschätzung verwundert die Augen reiben, aber wer den Frontmann der Band aus Newcastle je abseits der Bühne getroffen hat, mit seinem Baseballcap, über das fast schon traditionell auch noch eine Kapuze gezogen ist, erlebt diesen ruhigen, fast schon schüchternen jungen Mann aus Billingham. Nach eben dieser Heimatstadt hat Paul Smith auch sein Plattenlabel benannt, bei dem am 15.10. sein erstes Soloalbum „Margins“ erschien, das diese andere Seite des Paul Smith repräsentiert.

Parallelen zu seiner Hauptband lassen sich natürlich schon allein auf Grund Smiths Stimme und seinem unverwechselbaren Akzent weder verleugnen noch vermeiden. Der Schwerpunkt des Albums liegt wie bei Maximo Park auf den Texten, schließlich ist Smith auch dort Hauptsongschreiber, aber die musikalischen Arrangements sind deutlich anders. Smiths Richtung deutete sich schon auf einigen B-Seiten von Maximo Park wie z.B. „La Quinta“ oder „Mary O’Brien“ an, und so ist schon beim Opener „North Atlantic Drift“ die Grundrichtung des Albums deutlich herauszuhören, hier steht der zarte Indie-Pop im Vordergrund.

Die Produktion, unter Mithilfe von Smiths Freunden und Kollegen Andy Hodson (The Matinee Orchestra) und David Brewis (Field Music) ist deutlich orchestraler, oft werden Halleffekte eingesetzt und Chöre schwirren im Hintergrund. Die Stimme, die detailverliebten, präzisen Texte und die Gitarren, von denen Smith selbst eine spielt, stehen im Vordergrund. Zackige Brüche und Hektik wie bei Maximo Park sucht man vergeblich, das Album kommt deutlich ruhiger daher. Und genau hier liegt die Achillessehne des Albums, denn hierbei plätschert es bisweilen bedrohlich nah an der Belanglosigkeit vorbei, wie z.B. bei „The Heat“ oder „I Wonder If“, die es nicht schaffen, den Hörer zu fesseln. Dies gelingt weitaus besser mit den flotteren Songs wie „Strange Friction“, „Dare Not Dive“ oder „I Drew You Sleeping“, das neben der Single „Our Lady of Lourdes“, eines der Highlights des Albums ist und mit einer eingängigen Melodie und Ohrwurmqualitäten überzeugt. Auch die bisweilen psychedelisch angehauchten Songs wie „Improvement/Denouement“ oder „The Tingles“, das fast schon einen hypnotischen Klangteppich entfaltet, wissen zu gefallen. Das Album schließt mit dem zart gezupftem und mit reduziertem Streichereinsatz versehenen „Pinball“ und lässt den Hörer ein wenig ratlos zurück, wie auch schon das letzte Bandalbum „Quicken The Heart“. Ein solides Werk, ohne große Ausrutscher nach oben oder unten, dem aber das gewisse Etwas fehlt.

Für November ist sogar eine kleine Solotour vorgesehen, auf die Smith sich sehr freut, aber auch ein alter Hase wie er kann Lampenfieber nicht verleugnen, insbesondere sein Gitarrenspiel versetzt ihn in etwas in Aufregung. Die Zuhörer sollten sich darauf einstellen, dass er nicht wie sonst wie ein Irrwisch über die Bühne fegt, sondern eher konzentriert auf seine Gitarre schaut und einen ruhigen Musikabend genießen. Genau darauf dürfen wir uns in Deutschland ab dem 5. November freuen.

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