Blokkmonsta vs. Marcus Staiger – oder das gefährliche Leben von Musikrezensenten

Am 21. September wurde rap.de Redakteur Marcus Staiger von dem Berliner Underground Rapper Blokkmonsta vor den Redaktionsräumen von rap.de (nieder)geschlagen. Grund für die jüngste Austragung eines wohl schon länger schwelenden Konflikts war eine negative Rezension Staigers zu Blokkmonstas neuem Album. Dieser fühlte sich durch die bissige Review angegriffen und suchte daher mit einigen Freunden Staiger auf, um ihn zur Rede zu stellen.

Marcus Staiger dazu:

Wir haben in unserer Review niemanden beleidigt oder verletzt. Wir haben niemanden beschimpft oder gedemütigt. Was wir gemacht haben ist, dass wir uns über gewisse Dinge lustig gemacht haben, die allerdings ohnehin schon vollkommen übertrieben waren. Ich denke, dass wir als freie Presse ein Recht darauf haben, Satire einzusetzen und über gewisse Dinge Witze zu machen. Damit muss jeder klar kommen, der sein Werk einer gewissen Öffentlichkeit zur Schau stellt, genau so, wie ich mit den Reaktionen auf die von mir betreute Seite klar kommen muss. Das nehme ich ja auch mit Humor: Natürlich werde ich wegen eines Faustschlags nicht zur Polizei gehen, aber mundtot lassen wir uns durch eine solche Aktion auch nicht machen.

Blokkmonsta selbst fühlt sich in der daran anschließenden Debatte in eine falsche Ecke gedrängt und äußerte sich dementsprechend ausführlich über sein Label Hirntot Records:

Wie durch etliche Medien bekannt kam es gestern, am 21.9. in Kreuzberg zu einem Handgemenge vor den Räumlichkeiten der rap.de-Redaktion, in dessen Verlauf rap.de-Chefredakteur Marcus Staiger von Hirntot Records-Chef Blokkmonsta niedergeschlagen wurde. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer, und inzwischen geht die Meldung um, Blokkmonsta habe Staiger “wegen einer negativen CD-Kritik” attackiert.

“Das ist so natürlich nicht ganz richtig”, sagt Blokkmonsta, “Die Medien geben mal wieder ihr bestes, um die Sachlage so zu verkürzen, dass sie verfälscht ist.”

Tatsächlich war der Auslöser allerdings eine CD-Kritik zu dem Album “Wir bringen das Drama” von Blokkmonsta und Rako, die auf rap.de veröffentlicht wurde und die einen Verriss des Albums darstellt. “Mit sowas komme ich klar”, sagt Blokkmonsta, “negative Kritik stört mich an sich nicht. Aber was mich gestört hat war der Ton der Review. Ich wurde in dem Text als kompletter musikalischer Totalversager hingestellt, der höchstens noch unfreiwillig komisch ist. Ich hatte den Eindruck, es ging ihm nicht darum das Album zu besprechen, sondern mich als Idioten abzustempeln. Es kamen sogar andere Leute zu mir und fragten, ob wieder irgendwas mit Staiger vorgefallen sei oder was er sonst für einen Grund habe, dass er mir so kommt.”

Das Verhältnis zwischen Hirntot Records und rap.de ist nicht unvorbelastet. Tatsächlich gab es in der Vergangenheit etliche Missverständnisse zwischen dem Label und dem Online-Magazin, die schließlich in dem Track “Fick rap.de” von Hirntot-Künstler Schwartz gipfelten. Staiger packte in seiner selbstironischen Art den Track mit ein paar süffisanten Kommentaren versehen auf die rap.de-Startseite, und damit war die Sache für beide Seiten erledigt. Anfang 2010 traf man sich zu einem längeren Gespräch, welches dann in Form eines Interview-Features auf rap.de veröffentlicht wurde.

“Ich hab Staiger öffentlich meinen Respekt gegeben”, sagt Blokkmonsta. “Auch wenn ich von rap.de und der Art, wie dort Journalismus betrieben wird nicht unbedingt viel halte, aber egal. Wir haben privat gechillt und alles war cool. Und genau deswegen war mir diese asoziale Review schleierhaft.”

Blokkmonsta rief Staiger an, nachdem er die Kritik gelesen hatte. “Ich wollte von ihm wissen, ob es irgendein Problem zwischen uns gäbe, von dem ich nichts wüsste, und warum er mich in dem Artikel als Idioten hinstellt. Staiger meinte nur, das sei eine normale Review. Und als ich erwiderte, dass es sicher keine normale Review ist wenn er nicht nur sachlich falsche Informationen über die CD schreibt, sondern zugleich mich als beteiligten Künstler übelst respektlos und von oben herab als Trottel hinstellt, sowas geht doch nicht klar, gerade wenn man sich persönlich kennt. Staiger lachte mich daraufhin nur aus.”

Am nächsten Tag fuhr Blokkmonsta dann nach Kreuzberg, um die Sache mit Staiger persönlich zu klären. “Ich bin da nicht mit dem Ziel ihn zu schlagen hin. Ich wollte die Sache Angesicht zu Angesicht klären. Natürlich hatte ich noch ein paar Leute dabei, einige von KMK und die Hässlich Rap-Jungs, damit Staiger auch mal sieht, dass Hässlich Rap nicht, wie er in der Review geschrieben hat, ein Mann ist, sondern ein Label. Aber es ging längst nicht mehr um die Review, es ging um die Art, wie er mir gekommen ist, das war was persönliches. Wir sind also dorthin und wollten Staiger sehen.”

Staiger begab sich mit Blokkmonsta und den anderen vor die Tür und es entspannte sich eine etwas heftigere Diskussion. “Ich wollte ihm meinen Standpunkt klarmachen. Ich scheiss doch auf negative Kritik, das ist nicht das Problem, aber ich finde es behindert, wenn Staiger, der ansonsten cool zu mir ist, mich öffentlich als Trottel hinstellen will. Staiger wollte das irgendwie nicht einsehen.”

Als ein weiterer Mitarbeiter von rap.de vor die Tür kam eskalierte die Situation. “Ich wollte den Typ wieder ins Gebäude schieben, als ich ihn anfasste, schubste Staiger mich weg, daraufhin hab ihm aus Reflex einen Schlag verpasst. Staiger ging zu Boden und war K.O. Das war nix mit mit-sechs-Mann-bei-rap.de-einreiten-und-Staiger-verprügeln, wie jetzt überall gesagt wird. Das war ein Schlag, sonst hat ihm keiner was getan.”

Anschließend fuhr Blokkmonsta mitsamt seinen Leuten wieder weg. Zu der Aktion steht er: “Ich hab mit Staiger heute telefoniert, und die Sache ist für ihn genauso erledigt wie für mich.”

Die Reaktionen der Hiphop-Community auf die Angelegenheit findet er genauso bezeichnend wie die verkürzte Darstellung des Sachverhalts durch die Medien. “Wenn ich so sehe wie jetzt die ganzen Vögel in den Internetforen rumheulen, von wegen Staiger sollte mich auf jeden Fall anzeigen und wie asozial das von mir gewesen sei dort zu sechst aufzukreuzen, dann weiss ich wieder warum ich die deutsche Hiphop-Szene so verachte. Wenn wir ihn wirklich zu sechs Mann aufgemischt hätten, dann könnte ich das verstehen, das wäre eine feige Aktion gewesen. Aber mein Gott, Staiger ist kein Opfer, er macht Kampfsport, so wie ich. Da war nichts Unfaires oder Überzogenes dran. Die Leute sollen einfach mal klarkommen. Negative Kritik ist doch kein Problem, aber gerade wenn man sich persönlich kennt muss sie trotzdem mit dem nötigen Respekt verfasst sein. Aber dass die ganzen Hiphopper das nicht verstehen ist klar, Respekt ist in der Szene einfach Mangelware, egal ob man die Musik feiert oder nicht.

So oder so wirft die Sache kein gutes Licht auf den beteiligten Künstler. Wer sich mit seiner Musik der Öffentlichkeit stellt, muss mit Reaktionen rechnen; mit positiven aber eben auch mit negativen. Sich von diesen angegriffen zu fühlen ist noch eine Sache. Mit mehreren “Kollegen” den entsprechenden Kritiker heimzusuchen, spricht nicht nur für mangelnde Kritikfähigkeit sondern – unabhängig von der Härte der Kritik – schlicht für ein übersteigertes Geltungsbedürfnis und Unfähigkeit auf andere, angemessenere Weise auf Kritik einzugehen.

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