Die 00er Jahre: Die besten Episodenfilme und Composite Films des Jahrzehnts

Wir haben auf unserem Weg durch die Kinodekade klar abgegrenzte Genres wie Tragikomödien, Erotikfilme, Thriller und Horrorfilme hinter uns gebracht, aber auch mit  diffusen Kategorisierungen wie Tarantinoeske Filme gearbeitet. Jetzt wirds wieder ein wenig knifflig. Die Genrekategorisierung “Episodenfilm” ist hinreichend bekannt, scheint jedoch ein allzu enges Korsett für so manches cineastisches Werk zu sein. Der klassische Episodenfilm nämlich – wie zum Beispiel Intolerance von D.W. Griffith (1916) – besteht aus in sich geschlossenen Episoden, die durch ein alles verbindendes Thema zusammen gehalten werden. Nun ist aber gerade das postmoderne Kino, was Episodenkonstellationen betrifft, gerne verspielt und alles andere als stringent. Durchgesetzt haben sich hier episodische Prinzipien, die keine kleinen abgeschlosssenen Teilhandlungen erzählen, sondern diese ineinander verzahnen, parallelisieren,  darin wild umher springen oder gar klassische Chronologien komplett aufbrechen. Als Wegfeiler seien nur Robert Altmans Short Cuts von 1993 und Quentin Tarantinos Pulp Fiction von 1994 genannt und es wird offensichtlich, wie unterschiedlich sich Kurzgeschichten jeweils in einem Film anordnen lassen.

Die englische Sprache bietet hierfür den Begriff des “Composite Films” an, der Filme bezeichnet die trotz ihrer Episodenhaftigkeit dicht gewebt sind, und aus deren einzelnen kleinen Plots sich komplexe Gesamtstrukturen bilden. Die deutsche Filmkritik und Theorie arbeitet hier noch öfter etwas ungelenk mit Begriffen wie Ensemble Drama, Sittengemälde oder verzichtet gleich vollkommen auf eine eindeutige Kategorisierung. Wir wollen an der Stelle mit den beiden Begriffen Composite Film und Episodenfilm arbeiten, denn bei den besten Filmen der Dekade finden sich sowohl klar strukturierte, aus einzelnen voneinander getrennten Segmenten bestehende Werke als auch eng ineinander verzahnte Filmkompositionen. Mitunter parallel erzählt (im 2000er Drama Timecode sogar zeitgleich im echtzeitlichsten Sinne des Wortes), mitunter in durchgeschüttelter Chronologie, mitunter scheinbar ohne klare Linie. Und damit wollen wir die Theorie auch Theorie sein lassen. Es folgen die besten vielschichtigen, mehrstimmigen, zusammengesetzten , fragmentierten, komponierten und arrangierten Werke des Jahrzehnts… wie immer nach dem Klick.

Amores Perros [Alejandro González Iñárritu]

(Mexiko 2000)

Das Genre des Composite Films wurde in diesem Jahrzehnt von keinem anderen Regisseur derart stark geprägt wie vom Mexikaner Alejandro González Iñárritu. Er wird uns daher an dieser Stelle noch öfter begegnen. In seinem Debütfilm zur Jahrtausendwende betrachtet der vituose Erzähler in drei Episoden das soziale Kaleidoskop der Millionenmetropole Mexiko-Stadt: Hoffnung, Verzweiflung, Träume… der tägliche Kampf um das kleine und das große Glück, manchmal nur ums Überleben. Das Porträt der ambivalenten Stadt steckt voller Brutalität und Schönheit, ist gewaltig, traurig, spannend und mitreißend. Für gerade mal zwei Millionen Dollar verwirklicht, ein echter Jahrhundertfilm, der seinesgleichen sucht.

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11:14 [Greg Marcks]

(USA 2003)

Während Iñárritu tief in die Befindlichkeiten geschundener Seelen abtaucht, bleibt Greg Marcks Eleven Fourteen an der Oberfläche. Was anderes will diese kleine bösartige schwarze Komödie auch gar nicht. 11:14 ist ein kurzer, ungemein kurzweiliger Genrebastard irgendwo zwischen Thriller, Comedy, und schrägem Drama. Alles läuft auf die ominöse Uhrzeit kurz nach Elf hinaus. Episoden werden verbunden, Nebensächliches erhält Relevanz und der Zuschauer hat tierischen Spaß daran, die kleinen Fäden in einem gerissenen, rabenschwarzen Plot zusammenlaufen zu sehen. Der perfekte Kandidat für einen unterhaltsamen Videoabend mit Freunden.

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Paris je t’aime [Diverse]

(Frankreich 2006)

Ein wunderbares Kaleidoskop der französischen Hauptstadt stellt die Kurzgeschichtensammlung “Paris je t’aime” dar. Ganze 22 Regisseure waren an den 18 Episoden beteiligt, die sich jeweils um eines der Arrondissements Paris drehen. Darunter namhafte Filmschaffende wie die Coen Brüder, Gus Van Sant, Christopher Doyle, Alfonso Cuarón, Tom Tykwer, Wes Craven und Vincenzo Natali. Ebenso wie ambivalent die Beteiligtenliste aussieht ist auch das jederzeit erfrischende Gesamtergebnis: Es gibt Krudes, Verrücktes, Gediegenes, Spannendes, Komisches, aber auch Ermüdendes, Uninspiriertes und Unverständliches. Ambivalent wie die gezeigte Stadt und gerade dadurch ein ungemein fesselndes, heterogenes Gesamtbild von einem Film.

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21 Gramm [Alejandro González Iñárritu]

(USA 2003)

Alejandro González Iñárritu zum Zweiten. Auch hier werden drei Handlungsstränge miteinander verwebt, sie verlieren sich, finden sich wieder und kreisen wie Dämonen umeinander. 21 Gramm lebt vor allem von seiner komplexen, fragmentierten Erzählweise. Die chronologisch desorientierte Erzählung dreht sich um den Tod (das titelgebende Gewicht ist das vermeintliche Gewicht der Seele, das ein Sterbender verliert) und gibt sich narrativ ebenso diffus, unnahbar und entrückt wie das Thema selbst. Erst nach und nach schält sich aus dem episodischen Teppich eine Handlung und Struktur heraus, die aber ebenso spannend wie tragisch und einfühlsam ist. Ein anstrengender Film, der seinem Thema aber gerade durch seine Zersplitterung voll und ganz gerecht wird.

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Babel [Alejandro González Iñárritu]

(USA 2006)

Das mexikanische Ausnahmetalent zum Dritten… Babel dürfte der leichteste, kinotauglichste Film Alejandro González Iñárritus sein. An Gewaltigkeit steht er aber seinen beiden Vorgängern in nichts nach. Der Film um die Verknüpfung unglücklicher Ereignisse ist eine postmoderne Tour de Force durch Länder und Kontinente. Die sprichwörtliche babylonische Verwirrung ist omnipräsent, der Zusammenprall der Milieus und Kulturen immer ein gewaltiger, folgenreicher: Auch hier sind Liebe, Tod, Gewalt, Hass und Glück eng miteinander verwoben, sie kämpfen, schleichen umeinander und schlagen mitunter unbarmherzig zu. Ein würdiger Abschluss der Triologie und der soziologisch facettenreichste, universellste Film des mexikanischen Regievirtuosen.

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Auf der anderen Seite [Fatih Akin]

(Deutschland, Türkei 2007)

In drei Episoden gegliedert ist der Film des deutschen Regisseurs Fatih Akin Auf der anderen Seite. Das raffiniert arrangierte Filmdrama, das in Deutschland und der Türkei spielt ist dabei ungemein meditativ und ruhig erzählt und entwickelt durch seine formale Stränge eine beinahe befremdliche Distanz zu den sechs Menschen, deren Schicksal hier im Mittelpunkt steht. Akin kümmert sich weder um amerikanische noch europäische noch türkische Filmkonventionen und inszeniert mitunter bedrohlich zäh, schmerzhaft vage und pedantisch präzise. Dennoch bleibt sein Blick tief hinein in die menschliche Seele stets einfühlsam und authentisch. Ein herausragendes, fesselndes filmisches Gemälde von einem wahrhaften Ausnahmeregisseur.

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Ten minutes older [Nicolas McClintock u.a]

(Diverse 2002)

Eher eine Sammlung von unzusammenhängenden Kurzfilmen ist das Projekt “Ten minutes older”, das von Nicolas McClintock in die Wege geleitet wurde. Fünfzehn Regisseure beschäftigen sich in 10minütigen Kurzfilmen mit dem Thema Zeit. Unterteilt in Trompete und Cello, mal laut mal leise, mal direkt, mal vollkommen neben der Spur. Das Ergebnis ist mehr als exquisit geworden, und wenn man die Namen der beteiligten Regisseure liest, weiß man auch warum: Aki Kaurismäki, Werner Herzog, Jim Jarmusch, Spike Lee, Bernardo Bertolucci, Jean Luc-Godard, Volker Schlöndorff, Claire Denis… noch irgendwelche Fragen?

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Dolls [Takeshi Kitano]

(Japan 2002)

Ebenfalls nur lose hängen die Episoden in Takeshi Kitanos (Hana Bi) dreiteiligem Kaleidoskop Dolls zusammen. Der melancholische Dramendreiklang besticht durch eine klassische Kitano-Langsamkeit, wunderschöne, harmonische Bilder und einen ganz sachten Sog, der sich von Minute zu Minute verstärkt, um den Zuschauer schließlich zu verzaubern und zugleich gefangen zu nehmen. Dabei entwickelt der subtil und fast schüchtern erzählte Film eine ungeheure Opulenz die hinter der kargen Narration und Dialogisierung verborgen liegt. Er wird zum Epos des Zwischenmenschlichen, des Introspektiven, zum gewaltigen Landschaftsporträt zermarterter Seelen und Geister. Eine Oper der Gefühle, ruhig und erlesen und zugleich bildgewaltig, selbstverliebt und fast schon schmerzhaft ästhetisierend.

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Nine Lives [Rodrigo García]

(USA 2005)

Lose bis vollständig verknüpft sind die Kurzgeschichten des filmischen Experiments Nine Lives. Regisseur Rodrigo García erzählt das Schicksal von neun weiblichen Protagonisten in neun Episoden, die jeweils aus einem einzigen Take, einer einzigen Kameraeinstellung bestehen. Dabei sind es nicht nur die zahlreichen Themen, die in den rund zehnminütigen Episoden zum Tragen kommen, sondern vor allem das faszinierende Konzept sowie der hervorragende Cast, die aus dem allumfassenden und zugleich fragmentierten Gesellschaftsporträt ein unvergleichliches Erlebnis machen. Unter anderem Sissy Spacek, Glenn Close und Holly Hunter erleben hier große, kleine und sehr große Dramen um Liebe, Zusammenhalt, Angst und Tod, verknüpft zu dem wild verlinkten Kaleidoskop eines cineastischen Netzwerks.

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Timecode [Mike Figgis]

(USA 2000)

Und es geht noch eine Spur experimenteller. Obwohl als Gesamtergebnis nicht vollständig überzeugend, verdient Mike Figgis Timecode allein schon wegen seiner experimentellen und mutigen Inszenierung an dieser Stelle Erwähnung. Erzählt wird eine Geschichte um Liebe, Sex und Eifersucht; vier Personen im Mittelpunkt stehend, und zwar zeitgleich, in Echtzeit, am Stück gedreht, bis auf einige Inszenierungsvorgaben vollkommen frei improvisiert und ständig ineinander verknüpft. Kadriert wird das Geschehen dabei durch einen Splitscreen in vier Frames, die zeitgleich ablaufen und einzig durch Tonstärkeveränderungen die Aufmerksamkeit des Zuschauers lenken (der sich freilich auch für einen anderen Focus entscheiden kann). Fünfzehn mal wurde der Film ohne Schnitte gedreht, bis die endgültige Fassung im Kasten war. Ein faszinierendes Experiment, das beweist, dass es auch heute noch Regisseure mit Mut zur speziellen Inszenierung gibt.

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LA Crash [Paul Haggis]

(USA 2004)

Gewaltig – mitunter mit fast erdrückender Moral – arbeitet Paul Haggis Episodendrama L.A. Crash. Die nach wie vor existente Rassenproblematik im postmodernen Amerika wird hier in allen Facetten veranschaulicht. Klischees kollidieren mit der Wirklichkeit, Denkmuster werden aufgebrochen und dazwischen findet ein allumfassendes, alltägliches Drama statt: gewalt, Vorurteile, Armut, festzementierte Weltbilder und der blanke Wille diese zu ändern. LA Crash ist ein spannendes und fesselndes Crime-Drama, ein differenzierter Blick auf US-Gesellschaftsstrukturen und zudem ein State of the Art Blockbuster bis hin zum epischen Großstadtporträt.

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Traffic [Steven Soderbergh]

(Deutschland, USA 2000)

Ebenfalls in den Bereich des gesellschaftskritischen hollywoodaffinen Episodenfilms fällt Steven Soderberghs Thrillerdrama Traffic – Macht des Kartells. Hier sind es Drogen die im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Sittengemäldes stehen. Der Handel, der Schmuggel, die Bekämpfung, aber auch die Herstellung und der Konsum. Trotz seiner schicken Blockbusterästhetik ist Traffic ein ungewöhnlich differenzierter und authentischer Blick auf das komplexe Themenfeld. Dank der gleichberechtigt gezeigten unterschiedlichen Facetten der Problematik bleibt er zu jedem Zeitpunkt objektiv und ambivalent. Soderbergh gelingt hier ebenfalls perfekt der Spagat zwischen anspruchsvoller Gesellschaftskritik und spannendem cineastischen Abenteuer.

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Gomorra [Matteo Garrone]

(Italien 2008)

Während bei den gesellschaftskritischen US-Blockbustern der genaue Blick auf soziale Missstände mit hollywoodaffiner Spannung aufbereitet wird, arbeitet der italienische Regisseur Matteo Garrone analytisch und präzise. Seine Verfilmung des Sachbuchbestsellers von Roberto Saviano zeichnet ein strenges und vielschichtiges Porträt des organisierten Verbrechens der italienischen Camorra. Dabei lebt die auf Tatsachen basierende Adaption nicht nur von ihrem glasklaren Blick sondern ebenso von der raffinierten Verwebung der fünf Erzählstränge, die teilweise unabhängig voneinander, teilweise eng verknüpft tief in das dunkle Reich der organisierten Kriminalität abtauchen. Ein sowohl informativer und authentischer als auch schockierender Beitrag zu den dunklen, archaischen Seiten unseres Kontinents.

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Requiem for a dream [Darren Aronofsky]

(USA 2000)

Weniger authentisch, dafür umso mitreißender ist Aronofskys Blick auf die Problematik der Sucht und Abhängigkeit. In dem universellen Kaleidoskop Requiem for a dream spielt der Arthouse-Regisseur mit menschlichen Abhängigkeiten, Drogensucht, der Sucht nach Anerkennung aber auch mit der Problematik des gesellschaftlich akzeptierten, mitunter gar forcierten Suchtverhaltens. Dabei setzt der Film weniger auf Realismus, sondern taucht stattdessen tief in das Bewusstsein seiner Protagonisten hinab. Heraus kommen faszinierende Over the Top Einstellungen, überzeichnete, überstilisierte Bilder und ein gewaltiger Sog von einer menschlichen allzu menschlichen Tragödie. Requiem for a dream ist schick, sexy, wunderschön und zugleich widerlich, abstoßend und bösartig fast schon schmerzhaft intensiv und tragisch. Ein berauschendes Drama, wie ein Drogentrip, sowohl ein guter als auch ein schlechter.

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11’09’01 September 11 [Diverse]

(Diverse 2002)

Elf Länder, elf Regisseure, elf Filme à 11 Minuten und 9 Sekunden. Das experimentelle Episodenfilmprojekt 11’09’01 lässt die verschiedensten Filmemacher von überall auf der Welt, ihre Sicht auf die Geschehnisse 2001 darlegen. Heraus kommt Trauriges, Komisches, Verzweifeltes und vieles mehr. Auch hier ist die Creme de la Creme des Inszenierungskosmos beteilgt. So zum Beispiel mal wieder Alejandro González Iñárritu aber auch Sean Penn, dessen Beitrag bei uns schon einmal als Kurzfilm der Woche aufgetaucht ist. Wie alle anderen Episoden der Reihe versucht dieser neue Sichtweisen auf die damaligen Geschehnisse zu eröffnen, fern von albernen Verschwörungstheorien, erhobenem Zeigefinger oder billigem Sentimentalitätskitsch.

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The Hours [Stephen Daldry]

(USA 2002)

Virginia Woolf gehört mit zu den wichtigsten Autoren der Moderne. Ihre Bücher haben Literaten ebenso fasziniert und inspiriert wie Frauenrechtler, Freiheitsstrebende und ganz gewöhnliche Leser. Stephen Daldrys Adaption eines Romans von Michael Cunningham widmet sich voll und ganz der faszinierenden Autorin und ihren Lesern. Drei spannende, schöne und auch traurige Frauenporträts, drei Generationen alle auf ihre Weise geprägt von den literarischen Visionen Woolfs. The Hours ist ein faszinierendes Drama zwischen Introspektive und großflächigem Gesellschaftsporträt. Sorgfältig, emphatisch, edel und erlesen. Ein filmischer Hochgenuss, der auch und gerade besonders dem Literaturgourmet vorzüglich munden dürfte.

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Coffee and cigarettes [Jim Jarmusch]

(USA 2003)

Vom spröden Genius des US Independentkinos stammt dieser faszinierend kleine Film, der nicht mehr ist als eine bloße Ansammlung von Dialogen – wie der Titel schon verspricht – bei Kaffee und Zigaretten. Das Konzept des Small- und Big Talk lastigen Films geht voll auf: Coffee and Cigarettes ist absolut cool, trocken, charmant, authentisch und steckt dabei dennoch voller versteckter Poesie, Philosophie und Schönheit. Irgendwo zwischen Belanglosigkeiten, großen Themen und kommunikativer Verwirrung. Bedingungslos stilsicher, mal melancholisch, mal spröde, mal einfach wunderschön schlängeln sich die elf Dialoge (unter anderem mit Iggy Pop, Tom Waits und Bill Murray) von Thema zu Thema, von Inhaltslosigkeit zu Tiefgründigkeit und wieder zurück… ein Film wie ein guter Kaffee mit einer ebenso wohltuenden Zigarette.

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Magnolia [Paul Thomas Anderson]

(USA 1999)

Zum Abschluss noch einen Composite Film, der pünktlich zur Jahrtausendwende erschienen ist und an dieser Stelle einfach nicht unterschlagen werden kann. Magnolia ist ein gewaltiger Rausch von einer Filmkomposition. Strukturell orientiert am Episodenfilmklassiker Short Cuts von Robert Altman umfasst das Ensembledrama die verschiedensten menschlichen Schicksale und Lebenswege. Plots und Subplots laufen zusammen, das Allmögliche, Willkürliche und erbarmungslos Zuschlagende des Lebens entwickelt hier eine fast schon biblische Kraft, einen pathetischen alles verschlingenden Sog. Themen werden angeschnitten, ausdekliniert, bleiben fragmentarisch zurück und vereinen sich zu einer universellen, in ihrer Wucht beinahe alttestamentarischen Botschaft. Magnolia ist ein richtungsweisendes Meisterwerk, ein faszinierend geschnittenes, perfekt arrangiertes Drama zwischen theatralischem Pathos und meditativer Stille und in sich selbst offen wie geschlossen. Ein Jahrhundertwerk, das wegweisend ist für alle Filme des Genres.

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