When You`re Strange – Eine weitere Doku über The Doors feat. Johnny Depp

Mal wieder eine weiterer Film über die Doors und den Mythos Jim Morrison, der in den späten 60ern den Prototyp des Rockstars mit seiner Mischung aus Genie, Wahnsinn und Egomanie verband, in den prüden Siebziger auch zur Symbolfigur als  Gegenkultur zum Establishment gefeiert wurde und erst gegen einen autoritären Vater und später gegen sämtliche Autoritäten, vor allem übermütige Polizeibeamte auflehnte.

Diese Zusammenfassung kann wohl mittlerweile jeder runterbeten, der auch nur eine Dokumentation über den Sommer of Love und den späteren Wandel zur Protestkultur der 68er angesehen hat, von denen es gefühlte 100 im Jahr gibt. Leider hat auch diese Dokumentation keine neuen Erkenntnisse auf Lager sondern ist eine Collage aus sattsam bekannten Fotos, Konzertfilm und einem monoton aus dem Off brummenden Johnny Depp, der hier mal wieder den unterdrückten Rocker in sich raus lässt und dessen Leben bis auf einen frühen Drogentod fast analog zu Morrisons Drogen –  und Musikkarriere verläuft, nur das Depp irgendwann seinen Dämonen entkommen konnte und mittlerweile wohl dieses etablierte Leben in Paris führt, welches der von Depression, Sinnsuche und Stimmungsschwankungen geplagte Morrison nicht mehr erleben konnte.

Immer wieder erwähnt Depp das Genie von Morrison, seinem (umstrittenen) Talent als Dichter. Negative Kritik an dem Idol werden so gut wie gar nicht erwähnt. Auch Oliver Stone verfiel in seinem hypnotischen Film The Doors in eine Hommage an die dunkle und sexuell aufgeladene Aura von Morrison, der wohl diese Generation im Wechsel von friedlichem Protest hin zu Strassenkämpfen sehr inspirierte. Jemand, der zu der Hochphase der Doors nicht mal in Planung war, bekommt leider aber eben auch nicht mehr als den Posterboy Jim, der sich cool in engen Lederhosen über die Bühne bewegt und den Rest der Band, die sich schon recht früh damit abfanden ein paar mäßig spannende Jungs hinter dem um Aufmerksamkeit und Anerkennung lechzenden Frontmann und Sexsymbol zu sein, dazu die üblichen Bilder von ein paar Hippies, die Blumen verteilen und kurz Schwarz-Weiß Bilder von Straßenkämpfen, weibliche (respektive homo- und bisexuelle ) Morrison Fans werden sich zudem über lange und langsame Bilder freuen, in denen sich das Idol mit nackten Oberkörper und reichlich bedröhnt in der Sonne räkelt. Der spätere Ausverkauf  der Band, die bis heute immer noch von dem Kult lebt und sogar eine Reunion Tour ohne neues Material dafür mit einem neuen Sänger wagte, wird hingegen nicht mit einem Wort erwähnt.

Morrison Fans, Doors Einsteiger, Johnny Depp-Anhänger und 70er- Nostalgiker dürfen also ohne Bedenken zugreifen und ihren Sammlertrieb befriedigen, den besseren Film hat aber trotzdem Oliver Stone gemacht, dessen Film ambitionierter, mitreißender und nicht wie ein abgelesenes Buch aus dem Bahnhofskiosk wirkt.

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